Ein Akt weiblicher Selbstbefreiung Annette Raschner · Okt 2024 · Theater

Im vergangenen Jahr wurde die Dresdner Dramatikerin Caren Jeß für „Die Katze Eleonore“ mit dem renommierten Mülheimer Dramatikpreis für neue Stücke ausgezeichnet. Das Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung zeigt das Ein-Personen-Stück in der Inszenierung von Stephan Kasimir und der Ausstattung von Caro Stark nun im Theater Kosmos in Bregenz, wo es am 25. Oktober die österreichische Erstaufführung hatte. In der Titelrolle ist die Vorarlberger Schauspielerin Maria Fliri zu erleben.

Extrem konsequent und extrem provokativ

Eleonore ist eine Frau. Bis sie eines Tages bemerkt, dass sie eigentlich eine Katze ist. Die beruflich erfolgreiche, finanziell unabhängige und alleinstehende Immobilienmaklerin lässt sich einen Katzenfellanzug nähen und entmenschlicht sukzessive ihr Ess-, Schlaf- und Sozialverhalten. In Kopfgesprächen mit dem Therapeuten Dr. Wildbruch zeigt sich, dass auch ihr Denken zunehmend sprunghaft wird und dem einer Katze gleicht. Die Jury der Mülheimer Theatertage bezeichnete den Monolog als „extrem konsequent und extrem provokativ“. Trotz der kleinen Form des Monologs handle es sich um ein großes Stück, das auch den Mut habe, den Egoismus kenntlich zu machen, der den eingeschlagenen Weg radikaler Selbstbestimmung begleite. 

Frau im Klimakterium 

Ein Ein-Personen-Stück über eine Frau im Alter zwischen 40 und 50 Jahren ist im deutschsprachigen Raum eine Seltenheit. Eleonore erzählt uns ihre Geschichte einer Flucht aus Fremdbestimmung und gesellschaftlichen Zwängen. Eleonore kämpft fauchend und kratzend mit den Fallstricken ihrer Transformation, und die Autorin schildert die Höhen und Tiefen der selbstgewählten Daseinsform mit einer poetischen, hochmusikalischen Sprache, die nicht nur das UNPOP-Team von Beginn an in den Bann gezogen hat. 

Der Mensch ist ein Versehen

Der Verwandlungsprozess ist schleichend, und es dauert eine Weile, bis sich Eleonore aus ihrem engen, mausgrauen Armani-Kostüm schält und in den kuscheligen Ganzkörperfellanzug aus Angorawolle schmiegt, von dem sie erhofft, dass er sich vielleicht doch einmal mit ihrer Menschenhaut verbinden wird. Caro Stark hat zwei Welten gebaut, deren erste von Eleonore erst niedergerissen werden muss, damit die zweite zum Vorschein kommen kann. Diese hat es in sich, erinnert sie doch mit ihren, mit grüner Folie ausgekleideten Katzenbäumen in unterschiedlichen Größen an einen Dschungel. Hier kann Eleonore endlich zu ihrer wahren Identität finden!

Fordernde Rolle 

Die Vorarlberger Film- und Theaterschauspielerin Maria Fliri, Mitbegründerin der freien Kompanie dieheroldfliri.at, war bereits in einigen Produktionen des Ensembles für unpopuläre Freizeitgestaltung zu erleben. Die Rolle dieser Frau, die sich den gesellschaftlichen Normen und Konventionen widersetzt, um – allen Widerständen zum Trotz – mutig ihren eigenen Weg zu gehen, spielt Maria Fliri facettenreich und mit vollem Einsatz (inklusive Knieschonern).  Darüber hinaus haben sie und Regisseur Stephan Kasimir neben aller Ernsthaftigkeit auch die dem Thema innewohnende Komik grandios herausgekitzelt. In dieser Inszenierung ist „Die Katze Eleonore“ ein wohltuendes, äußerst unterhaltsames Plädoyer für Vielfalt, Farbigkeit und Individualismus gerade in Zeiten, in denen Intoleranz und Rückwärtsgewandtheit wieder laut tönend Einzug halten. Auch das Premierenpublikum war begeistert! 

 

weitere Aufführungstermine: 29.10., 30.10., 31.10., 2.11., 3.11., jeweils um 20 Uhr 
Theater Kosmos, Bregenz

https://theaterkosmos.at/

 

 

 

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