Egg Museum schließt temporär
Letzten Freitag verabschiedete sich das älteste Talschaftsmuseum des Bregenzerwaldes in eine fast eineinhalbjährige Pause, weil das Gebäude, in dem sich auch die Musikschule Bregenzerwald befindet, umfangreich saniert wird.
Ein Lift und ein neuer Eingangsbereich
Von dieser Sanierung wird auch das Egg Museum mehrfach profitieren, erklärt Museumsleiter Andreas Hammerer. Erstens werde das Museum im zweiten Stock der alten Volksschule nun barrierefrei, und zum Zweiten kann der Lift auch dem Transport von Material dienen. Denn die halbjährlichen und wechselnden Themenausstellungen werden fast immer mit Leihgaben bespielt, die bisher mühsam über das alte Stiegenhaus hochgetragen werden mussten. Bei der nun geschlossenen Ausstellung waren es über 100 Viehglocken. Neu wird nun auch der Eingangsbereich gestaltet, mit Zugang zum Lift und einem Empfangsbereich. Die drei Ausstellungsräume werden nur leicht adaptiert, vorgesehen ist ein neuer Boden und Wandsanierungen. Große Vorfreude macht dem Museumsteam eine museumsgerechte, modulierbare Beleuchtung und eine Akustikanlage, die den modernen technischen Anforderungen genügen wird.
Das älteste Talschaftsmuseum
Gegründet wurde das Egg Museum 1904 aus einem pragmatischen Anlass heraus. Nach dem großen Volksfest in Egg – mit einem großen Umzug zur Geschichte der Gemeinde und des Bregenzerwaldes – wurden viele historisch wertvolle Sachen aus den Dachböden gesammelt und die sollten anschließend sachgerecht deponiert werden. Lange Zeit war das Museum im Tanz- und Feuerwehrhaus unterhalb der Kirche untergebracht, das 1974 dem Straßenneubau weichen musste. Kurzerhand wurde die Museumssammlung in den Luftschutzbunker der neu erbauten Hauptschule verbracht, bevor Anfang der 80er Jahre das Gymnasium Egg aus dem Gebäude auszog und Räume für ein Museum im obersten Stock frei wurden. So richtete die Gemeinde Egg 1988 unter Bürgermeister Anton Sutterlüty und Kulturreferent Melchior Bechter dort eine Dauerausstellung ein, inklusive einem historischen „Gaden“, also einem Schlafzimmer, das einen ganzen Raum für sich beanspruchte.
Sonderausstellungen ab 1992
1992 beauftragte der Bürgermeister die junge Egger Kunsthistorikerin Maria-Rose Lang als Kuratorin für Sonderausstellungen, und zugleich wurde ein erster Museumsverein gegründet, der allerdings nur bis 1999 bestand. Ein Jahr später wurde Schuldirektor Anton Pfeifer Museumsleiter, der 1987 seinen Sohn, studierter Biologe, und dessen Freund Andreas Hammerer, Pädak-Student der Geschichte, mit der Anfertigung eines Bregenzerwaldreliefs in den Sommermonaten betraute. Beide stehen heute im Museum und dem 2012 neu gegründeten „Egg Museums Verein“ vor: Andreas Hammerer als Obmann und Klaus Pfeifer als Vize-Obmann. Ihnen ist es gelungen, für die Vereinsarbeit ein größeres Team zu akquirieren, ohne das eine Vereinsarbeit in diesem Umfang gar nicht möglich wäre, erklären beide unisono.
Meilensteine ab 2007
Im Jahr 2007 wurde Andreas Hammerer von der Gemeinde Egg zum Leiter des Museums bestellt und der erweiterte die Museumstätigkeit auf Themen des gesamten Bregenzerwaldes. Gemeinsam mit dem Kulturforum Bregenzerwald, das sich seit 2007 der NS-Geschichte im Bregenzerwald annahm, wurde eine große Ausstellung zum „Nationalsozialismus im Bregenzerwald unter besonderer Berücksichtigung der NS-‚Euthanasie‘“ gestaltet und von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit dem Kulturforum Bregenzerwald flankiert. Als weiteren Meilenstein erzählt Andreas Hammerer von der Zusammenarbeit mit der viel zu früh verstorbenen Egger Grafikerin Rita Bertolini, die zwei Jahre später nicht nur die Ausstellung zu ihrem Großvater, Baumeister Giovanni Bertolini, kuratierte, sondern gleich das gesamte Museum umgestaltete und optisch modernisierte. Diese Ausstellung war dann auch Anlass zur Neugründung des Vereines, der bis heute besteht und jedes Jahr zwei temporäre Ausstellungen ausrichtet. Zuletzt zwei Ausstellungen zum Thema „Schellenklang“, die die kulturelle Bedeutung von Viehglocken aufzeigten. Kuratiert durch den Vize-Obmann Klaus Pfeifer.
Neueröffnung im Herbst 2027
Auf alle Fälle werde im Herbst 2027 das Museum wieder mit einer Sonderausstellung eröffnet. Das Thema sei noch geheim und werde nicht verraten. Aber die neuen Möglichkeiten werden ihren Beitrag leisten, um die Ausstellungen auf einem modernen Stand zu präsentieren, und für den Verein sei es zudem ein Motivationsschub, neue Räume in einem sanierten, historischen Gebäude zu bespielen. Auch wenn das Museum nach wie vor im Eigentum der Gemeinde stehe, sei der Verein in seiner Tätigkeit völlig frei, werde von der Gemeinde, den Raiffeisenbanken des Bregenzerwaldes und dem Land Vorarlberg finanziell getragen und in seiner Tätigkeit unterstützt. Obmann Andreas Hammerer: „Das Schöne an der Museumstätigkeit ist das Lernen aus der Vergangenheit in Bezug auf die Gegenwart, das eröffnet uns immer wieder Lernräume.“ Klaus Pfeifer ist fasziniert von der Vertiefung in Materialien und Gegenstände, deren Herkunft, Anwendung und Einordnung in ein größeres Ganzes in einem regionalen Kontext. Das Vergangene biete Einblicke in Herausforderungen, Problemstellungen und -lösungen der Gesellschaft in der Vergangenheit, die von vielen Erfahrungen, aber auch von vielen Kompetenzen gespeist waren, ist er überzeugt. Der Direktor des vorarlberg museum Michael Kasper bewies anlässlich der temporären Schließung des Museums mit seiner Präsenz die Bedeutung von Regionalmuseen: „Das Egg Museum hat für die Region als Mehrspartenmuseum eine große Bedeutung, weil es sich Themen annimmt, die sonst nicht regional aufbereitet werden.“ Die Vergangenheit bleibt also in Egg auch für die Zukunft spannend.