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CD-Tipp

Scott DuBois: Autumn Wind
CD-Tipp
14.11.2017 Peter Füssl

Der aus Chicago stammende und in New York lebende 39-jährige Gitarrist und Komponist Scott DuBois hat ein ganz besonderes Faible für ausgefallene Konzeptalben. So schilderte er etwa in seinem hochgelobten, 2015 erschienenen ACT-Debut „Winter Light“ in sieben Stücken den Tagesablauf in einer ländlichen Winterlandschaft – von den ersten Lichtstrahlen am Morgen bis zur finstersten Nacht. Das aktuelle Album „Autumn Wind“ klingt nun noch durchdachter, wirkt aber keineswegs verkopft, sondern erweist sich vielmehr als ungemein abwechslungsreiches, stilistisch vielschichtiges und farbenreiches Werk.

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Django Bates’ Belovèd: The Study of Touch
CD-Tipp
07.11.2017 Peter Füssl

Der Opener „Sadness All The Way Down” startet mit höchsten Tönen, um schließlich im tiefsten Keller zu landen, während 53 Minuten später das Finale „Happiness All The Way Up“ aus den untersten Registern in höchste Höhen emporsteigt – und dazwischen liegt zentral das Stück „We Are Not Lost, We Are Simply Finding Our Way“. Django Bates at his best! Der „koboldhafte Exzentriker des Britischen Jazz”, wie der 57-jährige Engländer von einem Kritiker des „London Telegraph” dereinst genannt wurde, hat es immer noch faustdick hinter den Ohren.

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Iiro Rantala & Ulf Wakenius: good stuff
CD-Tipp
02.11.2017 Peter Füssl

Der finnische Pianist Iiro Rantala und der schwedische Gitarrist Ulf Wakenius können beide auf ein extrem vielseitiges Oeuvre verweisen und sind begnadete Virtuosen auf ihren Instrumenten. Rantala war fast zwei Jahrzehnte mit seinem genial-schrägen Trio Töykeät unterwegs, spielte viel beachtete Solo-Produktionen ein, widmete sich mit seinem Landsmann Jukka Perko dem finnischen Tango und bewegte sich mit unterschiedlichsten Formationen im Spannungsfeld zwischen Klassik und Jazz. Ulf Wakenius glänzte schon in seinen Anfängen als Langzeitpartner von Oscar Peterson, fand in den legendären Bassisten Nils-Hennig Ørsted Pedersen und Ray Brown erstklassige Dialogpartner, brilliert als Begleiter der Vokalistinnen Viktoria Tolstoy und Youn Sun Nah und zelebrierte gemeinsam mit dem Akkordeonisten Vincent Peirani und Bassist Lars Danielsson sein musikalisches Vagbunden-Dasein auf dem Album „Vagabond“.

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Anouar Brahem: Blue Maqams
CD-Tipp
31.10.2017 Peter Füssl

Der tunesische Oud-Virtuose und Komponist Anouar Brahem hat seit Anfang der 1990-er Jahre auf seinem Haus-Label ECM in unterschiedlichsten Besetzungen ein Dutzend exzellenter Alben veröffentlicht. Folglich sind in seinem Fall die Erwartungshaltungen der Fans vor Neuveröffentlichungen besonders hoch, aber selten dürften sie so voll erfüllt oder gar noch übertroffen worden sein wie nun mit „Blue Maqams“. Dieses Album hat Brahem anlässlich seines 60. Geburtstags vergangenen Mai unter der bewährten Leitung von Manfred Eicher im New Yorker Avatar Studio aufgenommenen – mit einem absoluten Dreamteam.

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St. Vincent: Masseduction
CD-Tipp
26.10.2017 Peter Füssl

Wo die Kunstfigur St. Vincent (benannt nach einer Textstelle in einem Nick Cave-Song) aufhört und die reale Annie Clark anfängt, oder umgekehrt, könnte höchstens die 35-jährige in New York lebende Texanerin beantworten. Sie ist spätestens seit drei Jahren und ihrer Grammy-Auszeichnung für das beste Alternative-Album so etwas wie der gemeinsame Nenner, auf den sich alle verständigen können, wenn es um intelligenten Art-Pop geht. Und vielleicht ist es ja gerade diese unentwirrbare Verschränkung aus Realität und Fiktion, die für ihre enorme Anziehungskraft – angesichts der optischen Aufmachung ihrer neuesten Produktion könnte man auch von Sexyness sprechen – verantwortlich ist.

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Stefano Battaglia: Pelagos
CD-Tipp
24.10.2017 Peter Füssl

Ein Mann und zwei Klaviere – dieses einfache Setting führte zum äußerst spannenden Piano-Doppelalbum „Pelagos“ des aus Mailand stammenden Pianisten Stefano Battaglia. Ein unpräparierter und ein präparierter Flügel standen im Mai 2016 in der Konzerthalle der in der nordostitalienischen Kleinstadt Sacile angesiedelten Konzertflügel-Manufaktur Fazioli, wo Battaglia an einem Tag im Rahmen einer ausführlichen Morgen-Session ohne Publikum und am selben Abend in Konzertatmosphäre mehrere Stunden seiner musikalischen Phantasie freien Lauf ließ.

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Bugge Wesseltoft: Everybody Loves Angels
CD-Tipp
17.10.2017 Peter Füssl

Um mit Allerwelthits wie „Bridge Over Troubled Water“, „Morning Has Broken“, „Blowing In The Wind“, „Angie“ oder „Let It Be“, die Ton für Ton in die Gedächtnisse der zumindest über Radios verfügenden Menschheit eingebrannt sind, nicht jämmerlich Schiffbruch zu erleiden, muss man schon über das ganz spezielle Talent Bugge Wesseltofts verfügen.

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Lizz Wright: Grace
CD-Tipp
12.10.2017 Peter Füssl

Wenn die 37-jährige, aus der ländlichen Kleinstadt Hahira in Georgia stammende Prediger-Tochter Lizz Wright „back to the roots“ geht und ihre ganz persönliche Verbundenheit mit den lieblichen, entspannten, aber irgendwie auch mystisch anmutenden Seiten des US-amerikanischen Südens zelebriert, ist das eine höchst emotionale Angelegenheit. Aus siebzig Songs, die ihr der als Produzent fungierende Singer-Songwriter Joe Henry vorgeschlagen hat, wählte die Sängerin neun Stücke aus, die sie auf ihre unnachahmlich sensible und dennoch kraftvolle Art ganz zu ihren eigenen macht.

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Wolfgang Haffner: Kind of Spain
CD-Tipp
10.10.2017 Peter Füssl

Der renommierte, stilistisch äußerst vielseitige deutsche Schlagzeuger Wolfgang Haffner hat schon lange ein Faible für spanische Musik, das durch seinen Wohnortwechsel nach Ibiza naturgemäß noch verstärkt wurde. Dennoch setzte er bei der Realisierung seines neuen Projektes nicht auf iberische Jazz-Cracks, sondern auf alte Vertraute, wie Pianist Jan Lundgren, Vibraphonist Christopher Dell, Bassist Lars Danielsson, Trompeter Sebastian Studnitzky und den jungen Gitarristen Daniel Stelter.

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David Virelles: Gnosis
CD-Tipp
05.10.2017 Peter Füssl

In der Musik des 33-jährigen Pianisten David Virelles spiegelt sich sein Lebenslauf wider: die kubanischen Einflüsse aus seiner Kindheit und Jugend in Santiago de Cuba, seine kanadischen Jahre im Umfeld der Kuba-affinen Jazzmusikerin Jane Bunnett, und seit 2009 seine Erfahrungen im musikalischen Schmelztiegel New York, wo er bei den Parade-Avantgardisten Muhal Richard Abrams und vor allem Henry Threadgill Komposition studiert und sich einen exzellenten Ruf als innovationsfreudiger Improvisator erspielt hat.

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Tori Amos: Native Invader
CD-Tipp
03.10.2017 Peter Füssl

„Es sollte anfangs eigentlich keine Platte voller Leid, Blut und Knochen werden, es sollte nicht um Spaltung gehen. Aber die Musen bestanden darauf, dass ich die Konflikte, die die Nation traumatisierten, hörte und beobachtete und über diese rohen Gefühle schrieb. Hoffentlich werden die Menschen die Kraft und die Widerstandsfähigkeit in diesen Songs finden, damit sie die Energie aufnehmen, um die Stürme zu überleben, in denen wir uns gegenwärtig befinden.“ Tori Amos war immer schon eine kritische Stimme und ist es auch auf ihrem 15. Studioalbum geblieben.

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Ibeyi: Ash
CD-Tipp
29.09.2017 Peter Füssl

Der mitreißende Elektro-Soul-Pop des 2015 erschienenen Debutalbums katapultierte die kubanisch-französischen Zwillingsschwestern Lisa-Kaindé und Naomi Díaz in Beyoncé-Videos, Chanel-Modeschauen und in eine Produktion des renommierten Alvin Ailey American Dance Theatre. Aber die selbstbewussten, mittlerweile 21 Jahre jungen Frauen ruhen sich nicht auf ihren Erfolgen aus, sondern beweisen mit dem neuen Album, dass sie sich sowohl musikalisch als auch von den Texten her durchaus weiterentwickelt haben.

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Evelyn Fink-Mennel: „... nur für Freunde der Urtriebforschung“
CD-Tipp
26.09.2017 Peter Füssl

Wer das alpenländisch dummdreiste „Zipfel eini, Zipfel aussi“ oder die noblere französische Pop-Chanson-Variante „Je t’aime ... moi non plus“, Ende der 60-er Jahre von Serge Gainsbourg mit Brigitte Bardot und Jane Birkin eingespielt, bislang für das Nonplusultra an frivolem Liedgut hielt, kann sich nun mit Evelyn Fink-Mennel auf höchst unterhaltsame Art einschlägig weiterbilden. Denn Sex und Erotik sind, mehr oder weniger geschickt getarnt und in verschlüsselter Form die wahren Inhalte vieler Volkslieder und Gstanzln, was der Wiener Ethnologe und Sexualwissenschaftler Friedrich Salomon Krauss schon vor hundert Jahren wissenschaftlich exakt und detailreich dokumentierte.

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Tingvall Trio: Cirklar
CD-Tipp
19.09.2017 Peter Füssl

2003 gründeten der südschwedische Pianist Martin Tingvall, der kubanische Kontrabassist Omar Rodriguez Calvo und der deutsche Schlagzeuger Jürgen Spiegel das Tingvall Trio, mit dem sie bislang fünf großteils vergoldete Studio- und eine Live-CD präsentierten. Die mit drei Jazz-Echo Awards dekorierte Band ist aber auch im Pop-Bereich durchaus erfolgreich, was nicht die einzige Ähnlichkeit mit dem renommierten Esbjörn Svensson Trio ist.

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Three Fall & Melane: Four
CD-Tipp
14.09.2017 Peter Füssl

2011 veröffentlichten Bassklarinettist/Tenorsaxophonist Lutz Streun, Posaunist Til Schneider und Drummer/Perkussionist Sebastian Winne ihr erstes Album „On a Walkabout“ in der ACT-Reihe :young german jazz. Es sorgte ob der ausgefallenen Instrumentierung, der unbeschwerten stilistischen Bocksprünge und des erfrischenden Spielwitzes, aber auch wegen einer Handvoll Red Hot Chili Peppers-Covers, die sogar von den kalifornischen Superstars bestaunt wurden, in der Jazz-Welt für einiges Aufsehen.

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Tim Berne’s Snakeoil: Incidentals
CD-Tipp
12.09.2017 Peter Füssl

Auf Tim Berne ist Verlass, denn auch der Umstand, dass er mit seiner höchst erfolgreichen Band Snakeoil das bereits vierte Album seit 2012 präsentiert, bedeutet in musikalischer Hinsicht keineswegs ein zufriedenes Zurücklehnen. Vielmehr lotet er gemeinsam mit (Bass-)Klarinettist Oscar Noriega, Pianist und Elektroniker Matt Mitchell und Drummer/Perkussionist/Vibraphonist Ches Smith wieder lustvoll die Grenzen des Gerade-noch-Machbaren aus und schöpft aus dem ungemein reichhaltigen, in Jahrzehnten gewonnenen Erfahrungsschatz als kompromissloser Avantgardist, freilich ohne sich in der Klischeehaftigkeit des Unkonventionellen zu verlieren.

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Adam Bałdych & Helge Lien Trio: Brothers
CD-Tipp
07.09.2017 Peter Füssl

Den 31-jährigen, in New York lebenden, vielfach mit renommierten Preisen ausgezeichneten Polen Adam Bałdych halten viele für den führenden Jazz-Geiger der Gegenwart – ein Ruf, den er sich nicht zuletzt mit einer Reihe erstklassiger Alben beim Münchner ACT-Label erspielte. Dabei arbeitet er häufig mit exzellenten Pianisten zusammen, etwa dem Finnen Iiro Rantala, dem Israeli Yaron Herman oder eben dem Norweger Helge Lien, mit dem er vor zwei Jahren das hervorragende Album „Bridges“ veröffentlichte und nun, als weiteren Geniestreich, „Brothers“ vorlegt.

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Grizzly Bear: Painted Ruins
CD-Tipp
05.09.2017 Peter Füssl

Amerika sei ein „fucked up racist country“, er komme nicht mit den Weißen klar, die sich an den Rand gedrängt fühlen und einen Reality-TV-Star, der vom Ku-Klux-Klan unterstützt werde und offen Hass schüre, wählen. Dieses Land sei auf Blut errichtet und all die „Make America Great Again“-Idioten griffen auf eine alte Wunschvorstellung zurück, die einen Riesenrückschritt für die Entwicklung bedeute. Es handle sich um eine real niemals existiert habende Phantasie der überheblichen Weißen und um einen kollektiven Albtraum für alle anderen. Dieses Wahlergebnis sei eine Absicherung von Sexismus, Rassismus, Homophobie, Fremdenfeindlichkeit und Transphobie. Ende letzten Jahres jagte Grizzly Bear-Sänger Ed Droste seinen totalen Frust über Donald Trumps Triumph mehrfach öffentlichkeitswirksam durch die sozialen Netzwerke.

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Blechbaragge: Wir blasen Euch den Marsch!
CD-Tipp
31.08.2017 Peter Füssl

Vor rund zehn Jahren spielten der Saxophonist und Klarinettist Andreas Broger, Drummer und Perkussionist Alfred Vogel und Johannes Bär auf Tuba und Susaphon ein Konzert im Parktheater in Egg, das Akteuren und Zuhörern enormen Spaß machte und dennoch nicht verhindern konnte, dass die drei kreativen Köpfe künftig ihren eigenen Projekten nachgingen. Vielleicht weil die beiden Bläser nach dem endgültigen Aus für den holstuonarmusigbigbandclub wieder ein bisschen mehr Zeit haben oder weil die Zeit einfach reif dafür ist und die in diversen Bands gewonnenen Erfahrungen auch in dieser Formation ausprobiert werden wollen, wurde das Projekt Blechbaragge vor einem knappen Jahr wieder reaktiviert und der musikalische Output – vorsichtshalber, man weiß ja nie, ob nicht wieder eine elendslange Pause folgt – von Little Konzett in der Tonschmiede Bezau aufgenommen.

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Vijay Iyer Sextet: Far From Over
CD-Tipp
29.08.2017 Peter Füssl

Egal, welche Ensemblegröße oder -zusammensetzung der indischstämmige amerikanische Pianist und Komponist Vijay Iyer wählt, mit welchem Kapitel der Jazzgeschichte oder der indischen Musiktradition er sich gerade besonders intensiv beschäftigt, welche philosophischen, musiktheoretischen, gesellschaftlichen oder spirituellen Gedanken sein musikalisches Schaffen hintergründig beeinflussen – sein musikalischer Output mag mal sperriger, mal leichter zugänglich sein, aber er ist nie nur Mittelmaß. Dies trifft auf seine Produktionen mit dem Altsaxophonisten Rudresh Mahanthappa ebenso zu wie auf seine Solo-Platten, Trio-Aufnahmen mit Stephan Crump und Marcus Gilmore oder sein letztjähriges Duo-Album mit Wadada Leo Smith. Vijay Iyers mittlerweile fünftes Album für ECM ist aber sicher ein ganz besonderer Meilenstein innerhalb seiner bislang 23 Veröffentlichungen.

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