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CD-Tipp

Fontaines D.C.: A Hero’s Death
CD-Tipp
15.09.2020 Peter Füssl

„I don’t belong to anyone”, „Love is the main thing”, „Life ain’t always empty” oder „Even though you don’t know, even though you don’t know, you feel, you feel” – so lauten einige der Textstellen, die von Sänger Grian Chatten mantra-artig repetiert werden und wohl auf den erfolgsbedingten Zusammenbruch der Band im vergangenen Jahr hinweisen. Das Debütalbum der Iren, „Dogrel”, hatte nämlich mit seinem rohen und kompromisslosen Post-Punk wie eine Bombe eingeschlagen und zu unzähligen Festival-Auftritten und Tourneen geführt, bis man sich völlig ausgelaugt, fremdbestimmt und vereinnahmt fühlte.

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Vincent Peirani/Emile Parisien: Abrazo
CD-Tipp
10.09.2020 Peter Füssl

Mit dem mit einem peruanischen Rhythmus gepimpten, quicklebendigen „The Crave“ von Jelly Roll Morton als Opener verweisen Akkordeonist Vincent Peirani und Sopransaxophonist Emile Parisien auf ihr erstes, 2014 erschienenes, überaus erfolgreiches Duo-Album „Belle Epoque“, das den wilden 1920-er Jahren gewidmet war. Der rote Faden durch das aktuelle Album ist nun der Tango, allerdings keineswegs puristisch verstanden, sondern eher atmosphärisch und unterschiedlichsten Einflüssen gegenüber offen.

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JARV IS...: Beyond The Pale
CD-Tipp
07.09.2020 Peter Füssl

Jarvis Cocker ist wieder da, und wie! Als Pulp-Mastermind hatte er den Untergang des Brit-Pop begrüßt, weil der sich seiner Meinung nach in biederer Nostalgie verloren hatte. Er trat musikalisch in den letzten 20 Jahren aber nur sehr selten, etwa mit zwei Solo-Platten, einer kurzfristigen Pulp-Reunion und dem Nischen-Projekt „Room 29“ mit Chilly Gonzales in Erscheinung. Dafür arbeitete er als Lektor bei Faber &Faber, als Programmgestalter bei der BBC, schrieb ein paar Songs für Marianne Faithfull, Nancy Sinatra und Charlotte Gainsbourg, heiratete und zog nach Frankreich, ließ sich scheiden und zog zurück nach England. Nun legt der 56-jährige, immer etwas verwuschelt wirkende Dandy mit neuer, fern jeglicher übertriebener Bescheidenheit JARV IS... genannter, sechsköpfiger Band, die 2017 aufgrund einer Festivaleinladung von Sigur Ros nach Reykjavik zusammengestellt wurde, wieder einmal ein Album mit neuen Songs vor.

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Bill Frisell: Valentine
CD-Tipp
03.09.2020 Peter Füssl

Seinem Ruf, eine der schillerndsten Figuren im Spannungsfeld von Jazz und Americana, Filmmusik und Zeitgenössischem, Tradition und Avantgarde zu sein, wird der 69-jährige Bill Frisell auch mit seinem neuen Album locker gerecht. Dieses Renommee hat er sich in rund 40 Jahren auf mehr als 40 exzellenten Alben, die unter seinem Namen mit den unterschiedlichsten Formationen veröffentlicht wurden, redlich erspielt. Darunter befinden sich auch Trios mit Ron Carter/Paul Motian, Dave Holland/Elvin Jones oder Kermit Driscoll/Joey Baron, das aktuelle Dreiergespann mit Kontrabassist Thomas Morgan und Drummer Rudy Royston braucht sich aber hinter diesen prominenten Namen keineswegs zu verstecken.

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Dhalgren: Songs From A Dystopian Utopia
CD-Tipp
01.09.2020 Peter Füssl

Der 1961 in New York geborene, in Denver aufgewachsene Chris Dahlgren eroberte als Bassist im Umfeld Anthony Braxtons die Avantgarde-Jazz-Szene des Big Apple, studierte Komposition bei La Monte Young und landete schließlich Anfang der Nuller-Jahre in Berlin, einem der ganz besonders heiß brodelnden Musik-Hexenkessel Europas, wo er an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ unterrichtet. Dort entwickelte er sich immer mehr zum Multiinstrumentalisten, was ihn vermehrt zu Gitarre, Viola da Gamba und zur türkischen Langhalslaute Baglama greifen ließ. Seit einigen Jahren intensiviert Dahlgren auch höchst erfolgreich sein Faible für Singer-Songwriting, wundervoll dokumentiert auf zwei in der Tonschmiede Bezau aufgenommenen Alben, wo Alfred Vogel und Little Konzett an den Tonhebeln saßen.

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Immanuel Wilkins: Omega
CD-Tipp
27.08.2020 Peter Füssl

63 Minuten und 25 Sekunden an furiosen Ausbrüchen voller Trauer und Wut im Wechselspiel mit Phasen beruhigender Kontemplation bietet das Blue Note-Debütalbum des erst 22-jährigen Altsaxophonisten und Komponisten Immanuel Wilkins. Sein souveräner Umgang mit der Jazztradition umfasst Einflüsse aus Gospel, Blues, Post-Bop, das Erbe Monks und Coltranes ebenso wie die Errungenschaften des Free Jazz. Vor allem aber betrachtet er seine Musik auch als Transportmittel für wichtige gesellschaftspolitische Inhalte. So ist das Album als emotional bewegendes Statement zur Situation der Black Society in den Vereinigten Staaten konzipiert, die sich in den letzten hundert Jahren trotz aller Proteste und Demonstrationen kaum zum Guten gebessert hat.

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Marcin Wasilewski Trio & Joe Lovano: Arctic Riff
CD-Tipp
15.07.2020 Peter Füssl

Obwohl sie erst Mitte vierzig sind, spielen Pianist Marcin Wasilewski, Kontrabassist Slawomir Kurkiewicz und Drummer Michal Miskiewicz schon seit 27 Jahren im selben Trio, das um die Jahrtausendwende dank ihres Engagements beim legendären Tomasz Stanko und damit verbunden beim ECM-Label einen enormen Popularitätsschub erlebte. Mittlerweile haben sie ein Dutzend Alben veröffentlicht, die Hälfte davon bei den Münchnern, aber so etwas wie Routine oder künstlerisches Sicherheitsdenken liegt den drei Polen völlig fern. Vielmehr scheinen sie jedes Album mit ungebrochenem Elan und unerschöpflicher Experimentierlust anzugehen und sich gerne auch einmal passende Partner für ihre musikalischen Abenteuer zu holen. Mit dem kraftvoll-expressiven Tenorsaxophonisten Joe Lovano haben sie einen absoluten Glücksgriff getan, denn der Amerikaner verfügt wie die Polen über ein enorm breites stilistisches Spektrum, kann sich genüsslich an wunderschönen Melodien delektieren, fintenreich mit Ecken und Kanten Versehenem musikalische Brillanz verleihen und in spontanen Improvisationen einen höchst einfallsreichen und wendigen Kommunikationspartner abgeben.

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Ambrose Akinmusire: On The Tender Spot Of Every Calloused Moment
CD-Tipp
08.07.2020 Peter Füssl

Der 38-jährige, aus Oakland stammende, in L.A. lebende Ambrose Akinmusire zählt nicht nur zu den herausragenden Trompetern und souverän aus allen Epochen des Jazz schöpfenden, wegweisenden Musikern seiner Generation, er fällt auch durch sein konsequentes politisches Engagement für die Black Community auf. Künstlerisches und politisches Statement sind mit großem Selbstverständnis ineinander verwoben, fühlen sich so wahr, tiefsinnig, anspruchsvoll und gleichzeitig mit einem großen Hörgenuss verbunden, wie dies etwa vor vierzig, fünfzig Jahren beim Art Ensemble of Chicago und anderen Projekten Lester Bowies und der AACM der Fall war.

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Benjamin Moussay: Promontoire
CD-Tipp
01.07.2020 Peter Füssl

“Ausgeschriebene Vorgaben werden dem jeweiligen Moment gemäß unendlich verändert. Als Solopianist kenne ich den Ausgangspunkt und das Ziel. Das Geheimnis liegt in den Überraschungen der Reise“, erklärt Benjamin Moussay seinen musikalischen Ansatz, in dem Komponiertes und Improvisiertes symbiotisch ineinander übergehen. Die Worte „Reise“ und „Überraschungen“ klingen natürlich immer sehr verlockend in den Ohren des aufgeschlossenen Musik-Fans, und die Erwartungen in das erste Solo-Album des längjährigen Mitstreiters von Louis Sclavis werden auch durchwegs erfüllt.

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Bob Dylan: Rough and Rowdy Ways
CD-Tipp
25.06.2020 Peter Füssl

Auch das 39. Studioalbum in seiner bald sechzig Jahre währenden Karriere, die sich bislang in 125 Millionen verkauften Tonträgern niedergeschlagen und ihm den Literaturnobelpreis eingebracht hat, wird die beiden Lager der Dylan-Fans und Dylan-Verächter nicht miteinander versöhnen können. Denn die zehn neuen Songs, die ersten seit dem vor acht Jahren erschienenen Album „Tempest“, bringen nichts grundsätzlich Neues, vereinen aber auf sehr hohem Niveau alles, was man an dieser lebenden Legende mag oder eben nicht mag.

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Jazz at Berlin Philharmonic X: East West
CD-Tipp
16.06.2020 Peter Füssl

Das Münchner ACT-Label genießt in Sachen Jazz meets Worldmusic einen exzellenten Ruf, dasselbe gilt für die von Label-Chef Siggi Loch kuratierte Reihe „Jazz at Berlin Philharmonic“, deren zehnte Auflage letzten November live aufgenommen wurde. Hervorragende Voraussetzungen also, zumal sich auf der Bühne erstklassige MusikerInnen mit den unterschiedlichsten Wurzeln und Backgrounds trafen, die sich alle zusammen wenig um Genregrenzen scheren.

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John Scofield / Bill Stewart / Steve Swallow: Swallow Tales
CD-Tipp
09.06.2020 Peter Füssl

„Manchmal wenn wir spielen, klingen der Bass-Part und mein Part zusammen wie eine einzige große Gitarre“, schwärmt Saitenstar John Scofield über Steve Swallow, seinen Mentor als Student in Berklee Anfang der 70-er Jahre und seitherigen Langzeitpartner. „Und was Bill macht, ist weit mehr als Schlagzeuspielen. Er ist eine melodische Stimme, setzt Kontrapunkte und begleitet, und ist immer wirklich hart am Swingen“, so charakterisiert er Drummer Bill Stewart, der schon in den 1990-er Jahren Adam Nussbaum in diesem Trio ablöste und auch in vielen anderen Formationen des Gitarristen mitwirkte.

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Joan As Police Woman: Cover Two
CD-Tipp
02.06.2020 Peter Füssl

Auf dem 2009 erschienenen Album „Cover“ nahm sich Joan Wasser alias Joan As Police Woman Kompositionen von unter anderem Jimi Hendrix, David Bowie, Nina Simone, Public Enemy, Iggy Pop oder Britney Spears vor und drückte ihnen ihren unverwechselbaren musikalischen Stempel auf. Nicht weniger disparat wirkt die Zusammenstellung auf „Cover Two“, aber auch hier gelingt es ihr, die verschiedenartigsten Songs auf unorthodoxe Weise ganz zu ihren eigenen zu machen.

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Jean-Louis Matinier / Kevin Seddiki: Rivages
CD-Tipp
28.05.2020 Peter Füssl

Akkordeonist Jean-Louis Matinier und Gitarrist Kevin Seddiki – beide klassisch ausgebildet und längst in unterschiedlichsten musikalischen Gefilden von Jazz, neuer Musik und Ethno bis hin zur freien Improvisation zuhause – zelebrieren auf „Rivages“ die hohe Kunst des Duos. Während Matinier von diversen Projekten mit Anouar Brahem, Louis Sclavis oder François Couturier her den ECM-Freunden ein Begriff ist, bestreitet sein französischer Landsmann mit diesem Album sein Label-Debut. Man kennt sich schon seit zehn Jahren und hat in diversen Formationen miteinander gespielt, etwa im Trio mit Bijan Chemirani – dementsprechend leicht von der Hand gehen die abwechslungsreich hingezauberten, stimmungsvollen Seelenlandschaften.

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Matthieu Saglio: El camino de los vientos
CD-Tipp
12.05.2020 Peter Füssl

Auf äußerst positive Weise fühlt man sich an die emotionsgeladenen Alben des Kontrabassisten Renaud Garcia-Fons oder an die gelungene „Mare Nostrum“-Trilogie von Fresu/Galliano/Lundgren erinnert, denn auch Matthieu Saglio hat eine wundervolle Melange aus Jazz, Klassik, afrikanischer und orientalischer Folklore mit einem alles überstrahlenden, mediterranen Touch erschaffen. Wie der Wind, so legt es der Albumtitel nahe, verbindet auch der seit 20 Jahren im quirligen Melting-Pot Valencia lebende Franzose mühelos Kontinente und Stile und kombiniert die elf Eigenkompositionen zu einem eindrucksvollen Panoptikum aus Stimmungen, Farben und unaufdringlich praktizierter Virtuosität.

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Grégoire Maret: Americana
CD-Tipp
06.05.2020 Peter Füssl

Man kann natürlich auch ein „Americana“ getauftes Album gleich mit etwas völlig Unerwartetem starten, nämlich mit dem unter den Eindrücken des Falkland-Krieges 1982 von Dire Straits-Gitarrist Mark Knoepfler geschriebenen, melancholischen Titelstück des Millionensellers „Brothers in Arms“. Ein „britischer“ Song, wenn man so will, der sich aber auf Mundharmonika-Piano getrimmt nahtlos in das erträumte musikalische Cinemascope-Bild aus prasselndem Lagerfeuer, im Wind über die unendliche Weite treibenden Präriegrasbüscheln und durch staubige Ebenen mäandernden Flüssen, an denen einsame Westerngeisterstädte liegen, einfügt.

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Kandace Springs: The Women Who Raised Me
CD-Tipp
28.04.2020 Peter Füssl

Mit ihren beiden auf dem renommierten Blue Note-Label erschienenen Alben „Soul Eyes“ (2016) und „Indigo“ (2018) hat sich die 1989 in Nashville geborene und lebende Sängerin und Pianistin Kandace Springs bereits einen hervorragenden Namen im Spannungsfeld aus Jazz, Soul und diversen Black-Music-Genres gemacht. Sie versteht es hervorragend, die traditionellen Errungenschaften der stilprägenden großen Diven mit jenen der bekannten zeitgenössischen Vokalistinnen zu kombinieren und dabei durchaus ein eigenes, unverwechselbares Profil zu entwickeln. Mit ihrem dritten Album zollt sie nun all jenen großartigen Sängerinnen Tribut, die sie auf ihrem bisherigen Lebensweg geprägt und, wie sie selbst sagt, zu der gemacht haben, die sie heute ist.

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Giorgi Mikadze: Georgian Microjamz
CD-Tipp
21.04.2020 Peter Füssl

Als der 1989 in Tiflis geborene, klassisch ausgebildete Pianist und Komponist Giorgi Mikadze, der in seiner georgischen Heimat bereits mit 12 Jahren als Solist sinfonischer Klavierkonzerte auftrat, seine Studien am Berklee College of Music und an der Manhattan School of Music aufnahm, traf er auf MusikerInnen aus Afrika, Indien und Asien: „Ihre Musik zu hören, inspirierte mich dazu, meine eigenen Wurzeln zu erforschen, und entfesselte zugleich den leidenschaftlichen Wunsch in mir, etwas bisher Noch-nie-Gehörtes zu erschaffen.“

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Shabaka And The Ancestors: We Are Sent Here By History
CD-Tipp
14.04.2020 Peter Füssl

Der Saxophonist/Klarinettist Shabaka Hutchins ist das kreative und äußerst produktive Epizentrum der seit einigen Jahren weltweit gehypten Londoner Jazz-Szene. Mit drei Bandprojekten hat er das traditionsreiche und prestigeträchtige, aber in den vergangenen Jahrzehnten in Bedeutungslosigkeit versunkene, amerikanische Impulse!-Label wieder ins Rampenlicht der zeitgenössischen Jazz-Szene katapultiert, wobei es ihm immer auch um gesellschaftspolitische Anliegen geht.

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Wolfgang Muthspiel – Scott Colley – Brian Blade: Angular Blues
CD-Tipp
07.04.2020 Peter Füssl

Wolfgang Muthspiel genießt sowohl als Gitarrist als auch als Komponist längst einen hervorragenden Ruf, völlig zurecht, wie sein viertes ECM-Album mit sieben neuen Stücken und den Standards „Everything I Love“ und „I’ll Remember April“ eindrucksvoll unter Beweis stellt. Sein melodischer und harmonischer Einfallsreichtum verblüfft immer wieder, ebenso seine stupende Fingerfertigkeit, mindestens so wichtig ist aber auch sein exzellentes Händchen für die Wahl der geeigneten Partner, denen er die Musik gerne auf den Leib schreibt. Das Trio war immer schon ein Lieblingsformat Muthspiels – besonders bekannt ist natürlich jenes mit Larry Grenadier und Brian Blade, mit dem er 2014 sein vielgepriesenes ECM-Debüt „Driftwood“ veröffentlichte. Letzterer hat auch auf „Angular Blues“, das zur Krönung von sechs Konzerten im „Cotton Club“ in Tokio dort im Studio Dede auch gleich aufgenommen wurde, den Schlagzeug-Part übernommen.

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