Benutzerspezifische Werkzeuge

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

CD-Tipp

Goat Girl: On All Fours
CD-Tipp
04.02.2021 Peter Füssl

Vor zwei Jahren erregten vier junge Südlondonerinnen aus dem Umfeld des für die Alternativ-Szene äußerst einflussreichen The Windmill-Clubs – Sängerin Clottie Cream (bürgerlich: Lottie Pendlebury), Gitarristin L.E.D. (Ellie Rose Davies), Bassistin Naima Jelly (Naima Redina-Bock) und Drummerin Rosy Bones (Rosy Jones) – mit ihrem erfrischend unkonventionellen Debütalbum großes Aufsehen. Jetzt sind sie alle Anfang zwanzig, Holly Hole (Holly Mullineaux) hat anstelle von Bones den Bass übernommen, und im Gegensatz zum Erstling mit 19 Songs auf 40 Minuten enthält das Nachfolgealbum 13 Songs auf 50 Minuten, was auf ein etwas elaborierteres Songwriting schließen lässt.

zum Artikel >
Joe Lovano / Trio Tapestry: Garden of Expression
CD-Tipp
02.02.2021 Peter Füssl

Auf das letztes Jahr begeistert aufgenommene Debüt-Album des Trio Tapestry, zugleich Joe Lovanos Debüt als Leader beim renommierten Münchner Label ECM, folgt nun mit „Garden of Expression“ ein nicht weniger stimmungsvolles Kleinod, das den wendigen und stets einfallsreichen Saxophonisten, die experimentierfreudige Pianistin Marilyn Crispell und den soundmalerischen Schlagzeuger Carmen Castaldi auf dem Höhepunkt ihrer Trio-Kunst präsentiert.

zum Artikel >
Susanna Ridler: Geometrie der Seele
CD-Tipp
28.01.2021 Peter Füssl

Wer jemals das Glück hatte, Gert Jonke live zu erleben, war fasziniert, wie genial er Sprachskepsis und Sprachkritik, Sprachwitz, Ironie und Gesellschaftspolitisches, tiefsinnige Gedankengänge und phantasievolle, oft bis ins Surreale hineinreichende Spracherkundungen voller Poesie mit- und ineinander verwoben hat. Dabei entpuppte sich der vor- und nachher stets sympathisch zurückhaltend und freundlich agierende, zu den Großmeistern unter Österreichs Schriftstellern zählende Kärntner während der Lesung als ein sich rückhaltlos und impulsiv in seine mitunter schwindelerregenden Texte hineinlebender Interpret seiner selbst, dem man mit offenem Mund und größtem Vergnügen lauschte. Gert Jonkes Stimme aus Originalmitschnitten von Lesungen, Gesprächen und Interviews sozusagen als viertes Instrument neben Wolfgang Puschnig an Flöte/Altsaxophon, Peter Herbert am Kontrabass und ihre Stimme/Elektronik einzubauen, war folglich eine glänzende Idee Susanna Ridlers, die sich schon seit 2013 in unterschiedlichsten Projekten und Formationen eingehend mit dem tiefsinnigen Querdenker beschäftigte.

zum Artikel >
The Nels Cline Singers: Share The Wealth
CD-Tipp
29.12.2020 Peter Füssl

Zwei fatalen Irrtümern darf man keineswegs aufsitzen: Nels Cline ist zwar seit 2004 Gitarrist bei Wilco, aber diese Musik hat überhaupt keinen Bezug zu den Alternative Country/Indie-Rock-Klängen der smarten Band aus Chicago, und zweitens: Trotz der Band-Bezeichnung „Singers“ handelt es sich um ein reines Instrumental-Album. Und was für eines! Allerdings absolut nichts für schwache Nerven oder Menschen, die sich nicht vorbehaltlos in ein musikalisches Abenteuer weit jenseits üblicher Hörgewohnheiten fallen lassen können.

zum Artikel >
Frank Woeste: Pocket Rhapsody II
CD-Tipp
22.12.2020 Peter Füssl

Obwohl Frank Woeste vor vier Jahren mit seinem ACT-Debüt „Pocket Rhapsody“ ein exzellentes Album vorgelegt hat, kennt man den aus Hannover stammenden und seit mehr als 20 Jahren in Paris lebenden Pianisten international am ehesten noch als Tastenmann in der Band des Trompeters Ibrahim Maalouf. Vermutlich ändert sich das nun mit „Pocket Rhapsody II“, denn Woeste erweist sich einmal mehr als ausgesprochen kreativer Komponist, dessen songartigen Stücke durch starke Melodien, harmonische Raffinesse und treibende, oftmals fast hypnotisch wirkende Rhythmen geprägt sind. Manches erinnert nicht zufällig an Maalouf, weil Woeste dessen Leibarrangeur ist.

zum Artikel >
Ólafur Arnalds: Some Kind 0f Peace
CD-Tipp
17.12.2020 Peter Füssl

Wenn der Ausdruck „Seelenmusik” jemals angebracht war, dann hier! Nach dem technologisch-experimentellen, unter anderem mit einem ganzen Arsenal an elektronischen Instrumenten, inklusive selbstspielender Stratus-Klaviere realisierten 2018-er Album „Re:member“ und einer Welttournee mit 140 Konzerten, hat Ólafur Arnalds mit „Some Kind of Peace“ sich und uns nun einen Ruhepol, einen Ort der Erholung und Kontemplation geschaffen. Es sei sein persönlichstes, von autobiographischen Erlebnissen inspiriertes Album, erklärt der 34-jährige Isländer, dessen zwischen Neo-Klassik, Pop, Rock und Elektronik pendelnde Kompositionen jenseits allen Kitsches einen universal wirksamen Wohlklang verströmen.

zum Artikel >
Shalosh: Broken Balance
CD-Tipp
15.12.2020 Peter Füssl

„Wir wollten die Extreme mehr ausreizen, wollten mehr links und rechts schauen und dramatischer sein. Emotion ist wichtiger als Intellekt“, erklären Pianist Gadi Stern, Kontrabassist David Michaeli und Drummer Matan Assayag zum neuen Album. Dabei war doch schon das 2019 erschienene ACT-Debüt „onwards and upwards“ ein grandioses Sammelsurium waghalsiger musikalischer Ideen, die sich auf wundersame Weise dennoch in einem alles überlagernden, durchgängigen Flow zusammenfügten.

zum Artikel >
Eels: Earth to Dora
CD-Tipp
10.12.2020 Peter Füssl

Ist 13 eine Unglückszahl, ein Synonym für Tod und Teufel? Und wenn schon! Mark Oliver Everetts 13. Album für die mittlerweile auch schon seit 25 Jahren bestehenden Eels ist jedenfalls ein Glücksfall, denn es gelingen ihm wieder zwölf unverschämt schöne Midtempo-Songs zu manchmal durchaus unschönen Themen.

zum Artikel >
Rebekka Bakken: Winter Nights
CD-Tipp
08.12.2020 Peter Füssl

Seit die Osloerin Rebekka Bakken Anfang der 2000-er mit dem Gitarristen Wolfgang Muthspiel via New York nach Österreich gezogen und somit auf unserer Bildfläche erschienen ist, hat sie eine steile Karriere hingelegt. Ihre ausdrucksstarke, wandlungsfähige Drei-Oktaven-Stimme, deren Spektrum sich über die Jahre hinweg permanent erweitert hat, ihr sicheres Gespür für kitschfreie Schönheit und ihr sympathisches Auftreten sind die Konstanten, während sie stilistisch durchaus die Abwechslung sucht.

zum Artikel >
Elina Duni: Lost Ships
CD-Tipp
02.12.2020 Peter Füssl

Die in Albanien geborene, seit 1992 in der Schweiz lebende und dort auch musikalisch ausgebildete, multilinguale Sängerin Elina Duni hat bereits mit ihrem aus eidgenössischen Musikern (Colin Vallon am Piano, Bänz Oester oder Patrice Moret am Bass, Norbert Pfammater an den Drums) zusammengestellten Quartett einige hervorragende Alben produziert. Auch auf den bei ECM erschienen „Matanë Malit“ (2012), „Dallëndyshe“ (2015) und ihrem Solo-Projekt „Partir“ (2018) beschäftigte sich Duni noch vorwiegend mit Traditionals aus dem albanischen oder mediterranen Raum.

zum Artikel >
Redi Hasa: The Stolen Cello
CD-Tipp
17.11.2020 Peter Füssl

Das gestohlene Cello hat sogar einen Namen, es heißt „Sophi“ und gehörte ursprünglich dem Konservatorium von Tirana. Der Namensgeber und Dieb heißt Redi Hasa, er hat dort studiert und das Instrument in den 1990-er Jahren bei der Flucht vor den bürgerkriegsähnlichen Zuständen und der Armut in Albanien als wertvollstes und überlebenssicherndes Gut einfach nach Italien mitgenommen. Eine Verzweiflungstat. Mittlerweile gehört der 43-jährige Redi Hasa, der als Sohn einer Cello-Lehrerin und eines Choreographen mit 13 Jahren bereits das klassische Repertoire beherrschte, seit zehn Jahren zum Stammensemble des überaus erfolgreichen Neo-Klassikers Ludovico Einaudi, auf dessen erfolgreichsten Alben er sich verewigt hat und mit dem er auf ausgiebigen Tourneen die ganze Welt bereiste.

zum Artikel >
Tingvall Trio: Dance
CD-Tipp
10.11.2020 Peter Füssl

Klar, wo „Tingvall Trio” draufsteht, ist auch Tingvall Trio drinnen. Das gilt auch für das siebte Studio-Album des sich seit 17 Jahren auf Erfolgskurs befindlichen südschwedisch-deutsch-kubanischen, in Hamburg stationierten Dreiers. Leicht ins Ohr gehende Melodien, fesselnde Rhythmen, Lyrisches, das sich – eine hypnotische Sogwirkung entfaltend – dynamisch zu ganz großen Emotionen steigert, all das findet sich auf diesem Album wieder. Aber man setzt auch neue Akzente.

zum Artikel >
Adam Bałdych – Vincent Courtois – Rogier Telderman: Clouds
CD-Tipp
05.11.2020 Peter Füssl

Der 34-jährige polnische Geiger Adam Bałdych und der französische Cellist Vincent Courtois setzen immer wieder neue Maßstäbe für ihre im Jazz doch immer noch eher als exotisch geltenden Streichinstrumente, wobei beide durchaus gerne auch aus den Erfahrungen der Klassik und Romantik, aber auch der zeitgenössischen Moderne und Avantgarde schöpfen. Im Trio mit dem erst 28-jährigen niederländischen Pianisten Rogier Telderman, der diese Formation vor zwei Jahren für das „Sound of Europe“-Festival in Breda ins Leben gerufen hat, schwelgen sie in melodienverliebten, weitgehend harmonischen, oftmals impressionistisch angehauchten Klangbildern.

zum Artikel >
Rymden: Space Sailors
CD-Tipp
02.11.2020 Peter Füssl

Eine großartige Erfolgsgeschichte, besonders wenn sie tragisch geendet hat, kann wie eine Hypothek auf Musikern lasten. Das Esbjörn Svensson Trio, unter dem Kürzel e.s.t. mit seinem exzellenten Mix aus Pop-, Rock- Jazz- und Clubmusik-Elementen in die Jazz-Geschichte eingegangen, fand nach fünfzehn überaus erfolgreichen Jahren 2008 ein jähes Ende durch den tragischen Tod des namensgebenden Pianisten bei einem Tauchunfall. Bassist Dan Berglund und Drummer Magnus Öström gründeten in der Folge durchaus interessante eigene Bands und beteiligten sich an Projekten anderer Musiker, ein neues Piano-Trio mit den beiden konnte man sich aber nur schwer vorstellen, weil zu befürchten war, der Schatten Svenssons würde stets überlebensgroß im Hintergrund stehen. Vor zwei Jahren wagten die beiden Schweden diesen risikoreichen Schritt gemeinsam mit Bugge Wesseltoft, einer der Zentralgestalten der gleichermaßen experimentierfreudigen wie einflussreich agierenden zeitgenössischen Musikszene Norwegens.

zum Artikel >
Ron Miles: Rainbow Sign
CD-Tipp
27.10.2020 Peter Füssl

Mit Gitarrist Bill Frisell, Pianist Jason Moran, Bassist Thomas Morgan und Drummer Brian Blade stand dem Trompeter Ron Miles eine Traumbesetzung zur Verfügung, die nicht nur anlassbedingt zusammengewürfelt wurde, sondern mit der er bereits vor drei Jahren das vielgepriesene Album „I Am a Man“ (Enja) eingespielt hat. Die Musiker hatten aber auch schon früher viele Berührungspunkte untereinander und weisen als weiteren gemeinsamen musikalischen Nenner eine tiefe Kenntnis der Jazz-Tradition auf, bei gleichzeitiger Offenheit für alle neuen Einflüsse.

zum Artikel >
Anja Lechner / François Couturier: Lontano
CD-Tipp
22.10.2020 Peter Füssl

Am erstaunlichsten an diesem Album ist wohl die Tatsache, dass wir es hier mit komplett improvisierter Musik zu tun haben, aus dem Hier und Jetzt geboren, aus dem unglaublich umfangreichen Erfahrungsschatz zweier außergewöhnlicher Musikerleben herausdestilliert. Die deutsche Cellistin Anja Lechner schöpft unter anderem aus Erfahrungen mit dem Rosamunde Quartett, mit Vassilis Tsabropoulos oder Dino Saluzzi, die musikalischen Wege des französischen Pianisten François Couturier kreuzten sich unter anderem mit John McLaughlin, Michel Portal, Anouar Brahem oder Dominique Pifarély. Direkte Berührungspunkte, aus denen sich längst eine einzigartige, gemeinsame musikalische Sprache entwickelt hat, fanden Lechner und Couturier ab 2006 gemeinsam mit dem Saxophonisten Jean-Marc Larché und dem Akkordeonisten Jean-Louis Matinier im außergewöhnlichen Tarkovsky Quartett.

zum Artikel >
Michel Benita: Looking At Sounds
CD-Tipp
15.10.2020 Peter Füssl

Kontrabassist Michel Benita, seit vierzig Jahren eine der zentralen und vielbeschäftigten Figuren der umtriebigen französischen Jazzszene, hat ein exzellentes Händchen für schöne, eingängige Melodien und ein Faible für spezielle Soundideen. Ersterem wird er mit einem knappen Dutzend neuer Eigenkompositionen für dieses Nachfolge-Album zu seinem 2016 erschienenen ECM-Debüt „River Silver“ gerecht, Letzteres betreffend integriert er dieses Mal anstelle der japanischen Koto-Virtuosin Mieko Miyazaki und des norwegischen Gitarristen Eivind Aarset den Belgier Jozef Dumoulin auf der Fender Rhodes.

zum Artikel >
Betty LaVette: Blackbirds
CD-Tipp
13.10.2020 Peter Füssl

„Alles, was sie singt, ist geprägt von der wilden, bekenntnishaften Intensität einer Künstlerin, die gerade so überlebt hat, um ihre Geschichte zu erzählen“, schreibt die „New York Times“, und in der Tat ist die nunmehr sechs Jahrzehnte andauernde Karriere von Bettye LaVette mit vielen Erfolgen und noch mehr Niederlagen gespickt. Als Teenager in den Hitparaden, bald mit den ganz Großen auf der Bühne, dann immer wieder hoffnungsvolle Projekte im Visier, die ebenso sicher wieder in der Versenkung verschwinden. Die falschen Männer im Bett, den falschen Whiskey im Glas, wie ihre Autobiographie „A Woman Like Me“ nahelegt, und nicht zu vergessen, wie viele talentierte schwarze Frauen ihrer Generation von der Musikindustrie erbarmungslos ausgenützt.

zum Artikel >
Sevdaliza: Shabrang
CD-Tipp
08.10.2020 Peter Füssl

Das außergewöhnliche Coverfoto der in Teheran geborenen und ab ihrem fünften Lebensjahr in den Niederlanden aufgewachsenen Sevdaliza (amtlich: Sevda Alizadeh) assoziiert man auf den ersten Blick mit Gewalttätigkeit, Misshandlung und Verletzung. Zwar bilden auch – wie auf ihrem vor drei Jahren erschienenen Debütalbum „Ison“ – Erfahrungen von Leid, Enttäuschungen und Verlusten den Hintergrund ihrer 14 neuen Songs, im Vordergrund steht aber ganz bewusst die Überwindung dieser negativen Gefühle, der Versuch, sie in Stärke zu transformieren. Die 33-jährige ehemalige Basketball-Nationalspielerin und nunmehr höchst kreative Singersongwriterin, Produzentin und Filmemacherin bezeichnet dieses Album als eine Art Brief an sich selbst, als ihre ganz persönliche Bibel, mit der Aufforderung, eben nicht in Depressionen zu verfallen, sondern auf das Leben, die Liebe und auf sich selbst als Mensch zu vertrauen.

zum Artikel >
Michael Wollny: mondenkind
CD-Tipp
06.10.2020 Peter Füssl

Genau 46 Minuten und 38 Sekunden lang ist Michael Wollnys erstes Soloalbum, das entspricht exakt jener Zeitdauer, die der Apollo 11-Astronaut Michael Collins am 20. Juli 1969 bei jeder seiner Umrundungen des Mondes im Raumschiff Columbia ohne jeglichen Blick- oder Funkkontakt zur Erde war, während seine Kollegen Neil Armstrong und Edwin „Buzz“ Aldrin die ersten Schritte der Menschheit auf den Erdtrabanten setzten. Die Presse stilisierte Collins damals zum „vermutlich einsamsten Menschen aller Zeiten“, er selbst schilderte seinen damaligen, ausnahmemäßigen Gemütszustand hingegen als „Bewusstheit, Erwartung, Zufriedenheit, Zuversicht, ja beinahe Jubel“. Ähnlich gelagert dürften auch die Erfahrungen des 42-jährigen Pianisten, der die Jazzwelt bislang vor allem mit Alben in Duo- und Trio-Formaten und in Kooperation mit exzellenten europäischen Ausnahmemusikern erobert hatte, bei seiner ersten Soloproduktion gewesen sein.

zum Artikel >
Artikelaktionen