Bregenz einmal anders
Mit dem Theater Mutante durch die Stadt
Dagmar Ullmann-Bautz ·
Sep 2026 · Theater
Das Theater Mutante macht seit einigen Jahren immer wieder mit außergewöhnlichen Projekten auf sich aufmerksam. Die freie Gruppe hat es sich zum Ziel gesetzt, Veränderung anzustoßen – in der Sprache und durch Sprache. Immer wieder sucht sie nach Themen, die die Menschen in der Region bewegen, um gemeinsam mit ihnen Geschichten zu erzählen.
So auch in ihrer neuesten Arbeit „Pipeline“, die am vergangenen Donnerstag in Bregenz Premiere feierte.
Zwischen Stadtgeschichte und Gegenwart
„Pipeline“ ist ein performativer Spaziergang durch Bregenz, beginnend bei der Lourdesgrotte in der Gallusstraße und endend in der Mili, dem ältesten Seebad am Bodensee. Sascha Jähnert und Lisa Perner geben dabei die professionellen Stadtführer – allerdings auf ihre ganz eigene Art.
Singend, spielend und erzählend führen sie durch die Stadt und lenken den Blick auf Bekanntes und weniger Bekanntes: auf historische Ereignisse, Straßen und Ecken, auf Menschen, die Spuren hinterlassen haben. Gleichzeitig geht es um sehr gegenwärtige Fragen – um Leerstand und beinahe hoffnungslose Wohnungssuche, um Abriss und Neubauten und um die unterschiedlichsten Sichtweisen auf eine Stadt und ihre Bewohner:innen.
Für den Text verantwortlich sind Bernadette Heidegger und Andreas Jähnert, der auch das Konzept entwickelt und Regie geführt hat.
Stimmgewaltig, kritisch, fragend
Lisa Perner überzeugt mit ihrer großartigen, kraftvollen Stimme und zieht mit ihrer positiven Präsenz und Ausstrahlung in den Bann. Sascha Jähnert bildet dazu den Gegenpol: ruhiger, mahnender, kritischer und immer wieder fragend.
Gerade dieses Zusammenspiel trägt den Abend und sorgt dafür, dass „Pipeline“ nicht zur gewöhnlichen Stadtführung wird, sondern immer wieder neue Perspektiven eröffnet.
Auch der Abschluss – Sascha Jähnert allein im kleinen Ruderboot und später draußen auf dem Floß – setzt einen stimmigen Schlusspunkt. Nach dem langen Spaziergang und den vielen Eindrücken fällt dieser Moment allerdings etwas zu klein aus, um noch einmal die volle Aufmerksamkeit zu bündeln. Seine Frage „Kann ich mein Leben wirklich selbst gestalten?“ hätte mehr Raum und Gewicht verdient.
Wenn die ganze Stadt mitspielt
Eine besondere Stärke des Abends sind die vielen Menschen, die an den einzelnen Stationen auftauchen. Jede:r hält eine neue Überraschung bereit: Es wird gesungen, getanzt, gespielt – und plötzlich wird die Stadt selbst zur Bühne.
Das Theater Mutante hat 15 Vereine und Organisationen für die Mitwirkung gewonnen, jeweils acht davon sind abwechselnd bei den Spaziergängen dabei.
Bei der Premiere waren es die Schwestern der Hl. Klara, die Südtiroler Volkstanz- und Singgruppe „Rosengarten“, die DevelopDance Connection, die Naturfreunde Bregenz, der Verein Bregenzer Handball, das Dowas, die mexikanische Tanzgruppe Baila y no Llores, das Bregenzer Alphorntrio und der Zauberkünstler Edi 2000.
Weiters mit von der Partie sind Judo Bregenz, der Verein Motif, der Motorbootclub Bregenz, die Caritas Vorarlberg, die Offene Jugend- und Kulturarbeit und die Trachtengruppe Bregenz.
Gemeinsam geht mehr
Es ist eine beachtliche Leistung der Mutante-Leitung, all diese unterschiedlichen Menschen, Vereine und Organisationen mit ins Boot zu holen. Und genau darin liegt vielleicht die stärkste Aussage dieses Projekts: Eine Stadt besteht nicht nur aus Häusern, Straßen und Geschichte, sondern vor allem aus den Menschen, die in ihr leben.
„Pipeline“ zeigt auf eindrucksvolle Weise, was entstehen kann, wenn unterschiedliche Menschen zusammenkommen, einander zuhören und gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Solidarität und gegenseitige Wertschätzung bleiben dabei nicht bloß Behauptung – sie werden an diesem Abend ganz konkret sichtbar und erlebbar.
Weitere Vorstellungen:
18./19. und 25./26.9., jeweils 18 Uhr
Schönwetter: Lourdesgrotte, Gallusstraße 3
Schlechtwetter: Herz Jesu Kirche, Kolpingplatz
www.theatermutante.com/pipeline