Blues with a Twist
Ronny Rast mit Band im Alten Kino Rankweil
Darius Grimmel · Apr 2026 · Musik

Der Bluesgitarrist Ronny Rast hat ein Luxusproblem: Beim vergangenen Konzert in München hat er leider sämtliche für die Tour gedachten CD-Vorräte verkauft. Der Grund hierfür liegt nach der gelungenen Show im Alten Kino Rankweil auf der Hand. Man hat es mit einem ausgezeichneten Power-Trio zu tun!

Das Konzert beginnt schwungvoll mit einem schnellen instrumentalen Shuffle im klassischen 12-Takt-Blues-Schema. Es wird direkt deutlich, dass die drei Musiker sehr gut aufeinander eingespielt sind. In der zweiten Nummer zeigt sich direkt eine andere Seite der Combo: Erstens beweist Ronny Rast, dass er nicht nur ein fantastischer Gitarrist, sondern auch ein charismatischer Sänger ist, zweitens präsentiert die Band immer wieder erfrischende Abweichungen von gängigen Bluesfloskeln. Schon hier zeigt sich, dass das Jazz Studium des 20-Jährigen Frontmanns wohl seine Spuren hinterlassen hat, was auch später im Set in mehreren Soli immer wieder durchscheint. 
Während Ronny Rasts Gitarrenspiel offensichtlich stark von Stevie Ray Vaughan geprägt ist und immer wieder mit „dreckigen“ Spannungsakkorden auffällt, bietet Michele Limina am Bass weitaus mehr als ein solides Fundament für die Eskapaden seines Bandleaders. Vielmehr ist es eine Freude, Limina dabei zuzuhören, wie er all den freien Raum, der sich ihm in der minimalistischen Besetzung des Power-Trios bietet, mit spannenden Linien und ansteckenden Grooves ausfüllt und dabei hier und da eine geschmackvoll gesetzte Slap-Bass-Einlage aus dem Ärmel schütteln kann. Besonders das lebhafte Zusammenspiel zwischen Gitarre und Bass sorgt für authentische, situative Wechselspiele, die mit Sicherheit bei jedem Konzert anders klingen.
Schlagzeuger Jamal Risi ist offenkundig nicht nur im Blues sehr versiert und bringt hier und da auf effektvolle Weise Einflüsse aus Funk und Soul in den Bandsound ein. Der schlanke und edle Klang seiner Snare-Drum ist dabei ein besonderer Genuss. 

Farbenreiches und dynamisches Spiel im Blues-Rock Power-Trio

Die große Spieldynamik ist ein weiterer lobenswerter Aspekt dieses Konzertes, mit dem die Band in Rankweil ihr Österreichdebüt feierte. Nach einem energetischen Intro zu einem langsamen Blues, in dem alle Instrumente in Maximallautstärke aufbegehren, wechselt die Band im Bruchteil einer Sekunde in die Rolle der gefühlvollen und subtilen Begleiter, über denen Ronny Rast mit berührender, fast behutsamer Stimmfarbe die erste Strophe eröffnet. Mit der Gitarre lässt er auf ähnliche Weise einzelne Noten mühelos verzerrt hervorstechen und bietet im nächsten Moment bereits wieder den seidig weichen Wohlfühl-Sound von zuvor, der beinahe clean ist.
Dass die Band bestens miteinander improvisieren kann zeigt sich in einer groovigen Funk-Rock-Nummer. Nachdem Jamal Risi den Grundbeat vorlegt, der an frühe Hip-Hop Klassiker erinnert, fügen Bass und Gitarre passend dazu mit kleinen abgedämpften Deadnote-Loops weitere rhythmische Ebenen hinzu. Die Musiker schmücken den zugrundeliegenden Song mit ausführlichen Soli und Jam-Einlagen zu einem über Acht Minuten andauernden Rausch voller Spielfreude aus. Großartig!

Frisch und stilsicher aufbereitete Klassiker

Die nach einer kurzen Pause folgende zweite Hälfte des Sets beginnt Ronny allein und begleitet sich lediglich auf der E-Gitarre. Wenngleich die Idee, die eingängige Solonummer „Rachel“ an den Beginn des zweiten Blocks zu legen, nachvollziehbar und der Konzertdramaturgie zuträglich ist, kann nicht unbemerkt bleiben, dass Ronny Rast stimmlich erst während der folgenden Band-Nummer „Boogieman“ wieder zur gewohnten Souveränität zurückfindet. Insgesamt ist die zweite Konzerthälfte stärker von klassischen Bluessounds geprägt, die Ronny Rast mit seiner Band aber nicht nur authentisch wiedergibt, sondern zum Beispiel mit kleinen Veränderungen der Grooves im Bass oder dem einen oder anderen Gitarrenlick persönliche Färbungen verleiht. Das Ganze fügt sich stets so organisch zusammen, dass man wirklich den Eindruck hat, Ronny Rast atmet die Musik der alten Blues-Meister quasi rund um die Uhr. Besonders schön zeigt sich das im Klassiker „Born under a bad sign“, den die Band gegen Ende des Konzertes zum Besten gibt. 
Neben den überaus sympathischen Ansagen des Frontmanns sorgt dieser auch musikalisch immer wieder für Schmunzeln, wenn während einem geerdeten Blues zum Beispiel kurz Edvard Griegs „In der Halle des Bergkönigs“ auf der Gitarre gespielt, oder der Text von „When the saints go marchin' on“ als Grundlage für leidenschaftlichen Bluesgesang hergenommen wird.
Nach einem rasanten Song, dessen treibende Walking-Bassline an Gospel erinnert, wird der bekannte Blues „Talk to your daughter“ als Zugabe gespielt und das jubelnde Publikum darf hoffen, dass es Ronny Rast und seine Band bald wieder ins Ländle führt.

https://ronnyrast.ch/
Nächstes Konzert: 24.4.2026, 19.30 Uhr in Rorschach (Industrie36)
Debüt-EP: „Ronny Rast“, erschienen am 4.4.2025

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