Beziehung im Ausnahmezustand – hautnah serviert!
Eine Ehe in zehn Sitzungen im Theater Kosmos
Dagmar Ullmann-Bautz · Dez 2025 ·

Eine Bar, ein paar Tische – auch für das Publikum. So sitzt man gleich zu Beginn mittendrin im Geschehen, mittendrin in den zehn Sitzungen, in denen Louise und Tom ihre Ehe auf den Prüfstand stellen. „Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst“, die Bühnenadaption von Nick Hornbys pointiertem Beziehungsporträt, feierte am Donnerstag im Theater Kosmos Premiere. Regie führte Augustin Jagg.

Bei Bier und Weißwein

Louise und Tom sind seit vielen Jahren verheiratet, haben zwei Kinder – und stehen mittlerweile vor den Trümmern ihres Alltags. Die Gespräche sind versiegt, die Nähe ist verschwunden, der Sex schon lange kein Thema mehr. Louise hat sich in eine kurze Affäre geflüchtet, für sie ein „Fehltritt“, der eher aus Hilflosigkeit als aus Leidenschaft entstand. Schließlich beschließen sie, es mit Paartherapie zu versuchen – halbherzig, ohne rechten Plan.
Was wir auf der Bühne sehen, sind die Gespräche vor jeder Therapiesitzung. Die beiden treffen sich im Pub gegenüber der Praxis der Therapeutin, trinken Bier und Weißwein, sprechen über alte Wunden, kleine Kränkungen, Missverständnisse, über Dinge, die sie aneinander nerven – und über das, was fehlt: Nähe, Lust, körperliche Verbindung. Über Sex als wichtigen Teil, auch als Motor einer Beziehung, der einst so lebendig und leidenschaftlich war, erst zur Routine wurde und irgendwann einfach gestorben ist.

Bekannte Themen, nah am echten Leben

Hornbys Text bringt keine neuen Einsichten über langjährige Beziehungen, aber gerade in dieser Vertrautheit liegt seine Stärke. Vieles erkennt man wieder, wenn man selbst schon länger mit jemandem durchs Leben geht – die schleichende Distanz, das Ringen um Nähe oder das Weh der verpassten Momente. Dass sich Louise und Tom eigentlich mögen, ist von Beginn an fühlbar und somit auch der Schluss keine Überraschung. Ein bisschen mehr Wärme hätte der Dynamik dennoch gutgetan.

Zwei starke Hauptrollen

Julia Sewing verleiht Louise eine Mischung aus Stärke, Professionalität und leichter Abgebrühtheit. Als erfolgreiche Ärztin bestimmt sie auch zu Hause den Takt, stemmt den Familienalltag finanziell und organisatorisch. Felician Hohnloser zeichnet Tom als sensiblen, leicht verloren wirkenden Musikjournalisten – einst idealistisch, nun arbeitslos, ein Träumer, dem die Träume abhanden gekommen sind. Suat Ünaldı ergänzt das Duo als Barkeeper – unaufdringlich und doch aufmerksam.

Konzentration auf das Wesentliche

Augustin Jaggs Inszenierung verzichtet auf jede Effekthascherei. Ein Kammerspiel, das ganz auf Dialog und Spiel der beiden Figuren setzt. Sprache und Rhythmus sind fein herausgearbeitet, jede Geste, jeder Ton, jede Pause sitzt. Dabei bleibt leider etwas von Hornbys typisch britischem Humor und auch die Leichtigkeit der Komödie ein bisschen auf der Strecke.

Stilvolle Bühne, atmosphärische Details

Die Bühne, entworfen von Mandy Hanke gemeinsam mit Augustin Jagg, zeigt ein stilisiertes Pub, das in den Zuschauerraum hineinragt – leicht verschwimmen die Grenzen zwischen Bühne und Publikum. Die rot-schwarze Bar, umgeben von einem transparenten Schnurvorhang, wirkt elegant. Der Vorhang dient auch als Projektionsfläche für die Szenenüberschriften – ein dezenter, sehr gelungener visueller Rahmen. Nicole Wehingers Kostüme treffen die Figuren exakt und unterstützen deren Charakterzeichnung. Herwig Hammerl steuert einen feinen, leichtfüßigen Jazz für die Übergänge bei – unaufdringlich, aber wirkungsvoll.
Am Ende finden Louise und Tom wieder zueinander – kein Knalleffekt, sondern ein stiller, glaubwürdiger Moment. Das Publikum freute sich mit, spendete langen und kräftigen Applaus.

Weitere Vorstellungen: 6./7./13./14.12.25 und 9./10./11./16./17./18.1.26, jeweils 20 Uhr, Sonntagsvorstellung 17 Uhr
www.theaterkosmos.at

Teilen: Facebook · E-Mail