Bam! Bam! Bam!
Tatort AMS – das anartTHEATER Hard zeigt die bissige Erbschaftskomödie „Jeeps“
Ingrid Bertel · Mär 2026 · Theater

Gabor (Gilbert Hämmerle) lebt in einer innigen Zweierbeziehung mit seinem Mercedes-Geländewagen (kein Jeep, bitte sehr!). Als er seiner einzigen großen Liebe auf kriminelle Weise beraubt wird, bricht er in ein derart herzzerreißend verzweifeltes Schluchzen aus, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt. Nun erklingt nicht „King of the Road“. Aber ansonsten markiert Regisseurin Dagmar Ullmann-Bautz die rasante Szenenfolge gern mit Klassikern aus Rock und Pop. „Sweet Caroline“ etwa (bam bam bam) oder ein paar Takte Tom Waits. Und wenn sich der graue Chor der Beamtinnen gegen die wild gemusterten Opfer in Stellung bringt, dröhnt bedrohlich die AC/DC-Hymne „Thunderstruck“. Unwillkürlich denkt man an das Video und den tanzenden Angus Young in kurzen Hosen und mit gezückter Stratocaster vor der riesigen Galerie der Gefangenen, denn Ausstatterin Evelyne Fricker bringt die Chöre auf Baugerüsten in Stellung.
In ihrem beweglichen Bühnenbild kann sich die Choreografie von Dagmar Ullmann-Bautz bestens entfalten, denn „Jeeps“ ist genauso viel Tanz wie Sprechtheater, in Szene gesetzt in der Textilhalle am Sägenkanal, die sich als perfekter Ort für die „Wartehalle A“ des AMS erweist. Hier werden Erbschaften gnadenlos umverteilt, und zwar per Los. Unbestechlicher Wächter über die Losbox ist Gabor, unbestechlich, weil gesichtsblind. Da mag die ehemalige Groschenheft-Autorin Maggie (Denise Partsch) noch so oft aufkreuzen, er kennt sie nicht. Maggie ist derart verarmt, dass sie selbst den monatlichen 1,12-Euro-Bildungssatz für Nahrungsmittel ausgibt. Und auch Viktoria (Ulli Filler) schützt ihre Karriere als Designerin (Laptops in Lederhosen) nicht vor sozialem Absturz. Am offenen Grab ihres Vaters wird ihr der Schlüssel zum Elternhaus abgenommen. Die Wohnung am Pfänderhang ist auch perdu, und selbst das verwahrloste Bootshaus muss sie hergeben.

Champions League

Sorgt die Umverteilung von Erbschaften für mehr Gerechtigkeit? Keineswegs! Nora Abdel-Maksoud hält sich in ihrer Erfolgskomödie nicht lange auf mit der Verteilungsdebatte um Vermögenssteuer, Arbeitslosengeld und Sozialhilfe. Sie konzentriert sich auf einen (recht klischeehaft gezeichneten) Beamt:innenapparat. Lustig ist das trotzdem, zumal wenn Armin (Hans Braun) seinen Charme entfalten kann. Oder wenn sich Maggie und Viktoria wechselweise anzicken und verbünden. Alle sind Opfer und und zugleich Stützen der Verhältnisse, und zwei entwickeln kriminelle Energie und ballern mit ungleichen Waffen los. Merkt eh keiner, schließlich beginnt gerade das Champions-League-Finale. Sie wissen eh, welche Hymne da gespielt wird. Bei der Premiere war der Applaus lauter als Freddie Mercury, und die Gesichter strahlten.

anartTHEATER: „Jeeps“ von Nora Abdel-Maksou
Termine: 1./3./4./9./10.4., jeweils 20 Uhr und 12./19.4., jeweils 18 Uhr
Faigle Textil GmbH, Am Sägenkanal 12-14, Hard  

www.anarttheater.at

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