Alle Neun
Unter diesem Titel fand am Donnerstagabend die „Lange Nacht der österreichischen Musikuniversitäten und Musikhochschulen“ in Feldkirch statt.
Michael Löbl · Mär 2026 · Musik

Einmal jährlich treffen einander Rektor:innen und Studierende dieser neun Musikausbildungsinstitute jeweils in einer anderen Stadt. 2026 war die Stella Privathochschule für Musik an der Reihe.

Ein Treffen aller neun Musikuniversitäten und -hochschulen ist schon eine große Sache, auch eine Live-Übertragung in Ö1 ist ja nichts Alltägliches. Das Publikum erlebte bei freiem Eintritt einen musikalisch abwechslungsreichen, informativen und unterhaltsamen Abend im Festsaal der Stella Musikhochschule in Feldkirch.

Lockere Moderation

Mit bewundernswerter Souveränität führte die Ö1-Redakteurin Eva Teimel alle Anwesenden durch das Programm. Neun sehr unterschiedliche Gesprächspartner:innen, viele teils weniger geläufige Namen, dazu die Zeitvorgaben einer Livesendung – nichts schien Eva Teimel aus der Ruhe zu bringen. Humorvoll und sympathisch stellte sie die richtigen Fragen, umschiffte alle Hürden inklusive des kurzen Mikrofonausfalls, nur beim Titel eines Vorarlberger Volksliedes kam auch Eva Teimel an ihre Grenzen. Verständlich.
Es scheint logisch – neun Bundesländer, folglich auch neun hochschulähnliche Musikausbildungsstätten. Ist aber nicht so. Natürlich hat Wien als musikalische Weltstadt deren drei, während Niederösterreich und Tirol am Donnerstagabend gar nicht vertreten waren. Beide Bundesländer setzen noch auf das totgesagte, gute alte Konservatorium. In St. Pölten ist das Angebot ein spezielles, ausschließlich auf Kirchenmusik ausgerichtetes; das Studienangebot des traditionsreichen Tiroler Landeskonservatoriums in Innsbruck ist hingegen breit gefächert. Durch Kooperationen mit der Musikuni Wien und dem Mozarteum Salzburg können Studierende dort ECTS-Punkte erwerben und bis zum Bachelor fast alles studieren. Das ist zwar organisatorisch etwas umständlicher, erspart dem Land Tirol aber mit Sicherheit richtig viel Geld.

Starker Auftakt

Die informativen kurzen Gespräche mit den neun Rektor:innen gaben interessante Einblicke in das österreichische Hochschulwesen und zeigten, dass tatsächlich jedes Institut ein Alleinstellungsmerkmal aufweist. Natürlich brachte jedes Haus ein musikalisches Geschenk mit nach Feldkirch, und so ergab sich ein kurzweiliger Abend mit unterschiedlichsten Programmpunkten.
Der musikalische Teil begann mit einem starken Akzent des Gastgebers. Das Ensemble „Stella Ventus“ präsentierte ein mitreißendes Werk des Schweizer Romantikers Joachim Raff, seine Sinfonietta für 10 Bläser op. 188. Das war ein äußerst gelungener Auftakt, perfekt einstudiert, überzeugend dargeboten und zeigte einmal mehr die herausragende Qualität der derzeitigen Bläsergeneration der Stella Hochschule.
So viel Klangvolumen hätte man sich auch für manche der dann folgenden Programmpunkte gewünscht. Siheon Ryu von der Musikuni Wien ist ein absoluter Virtuose auf dem Kontrabass, dem das hochvirtuose fis-moll-Konzert von Giovanni Bottesini keinerlei Probleme zu bereiten schien. Dass man die wahnwitzigen Akkordzerlegungen auf den unteren Saiten mehr sehen als hören konnte, liegt an der Problematik des Kontrabasses als Soloinstrument. Die Harfenistin Julia Dietrich studiert ebenfalls an der mdw Wien. Ihre Transkription des letzten Satzes von Beethovens Klaviersonate op. 13, der „Pathétique“, klang so, als wäre sie tatsächlich für Harfe komponiert worden. Wirklich faszinierend, auch wegen des hochmusikalischen und glasklaren Spiels von Julia Dietrich. Diese beiden Programmpunkte klangen übrigens im Radio weitaus präsenter als im Saal, bei Interesse bitte unbedingt auf Ö1 nachhören!
Die Anton Bruckner Privatuniversität Linz entsandte das Gitarreduo „Fretboard Fusion“, die Gustav Mahler Privatuniversität Klagenfurt das „Cosi Streichquartett“ und die Joseph Haydn Privathochschule Burgenland ein Violinduo.

Neue Klangerfahrung

Zeitgenössisches kam von der Kunstuni Graz. In seinem Zyklus „Voices and Piano“ versucht der Komponist Peter Ablinger, Sprachaufnahmen von bekannten Persönlichkeiten musikalisch und vor allem rhythmisch möglichst originalgetreu abzubilden. Gespielt von Anna Leyerer am Klavier, kamen per Zuspielung die Schauspielerin Hanna Schygulla und die Choreographin Pina Bausch zu Wort. Hat so etwas schon vorher irgendjemand ausprobiert? Soll man als Zuhörer:in den Text eigentlich verstehen? Bei Schygulla war es nicht so, Pina Bausch hingegen erklang klar und deutlich. Auf jeden Fall eine absolut verblüffende Klangerfahrung.
Das Jam Music Lab in Wien hat sich auf Medienmusik spezialisiert, also Soundtracks für Filme, Werbung und Gaming. Das Institut arbeitet zusammen mit dem Red Bull Media House, zumindest haben sich zwei der Student:innen für das Red Bull Musikproduktionsteam qualifiziert.
Die mdw – die Universität für Musik und darstellende Kunst – darf nicht verwechselt werden mit der MUK – der Musik und Kunst Privatuniversität Wien. Früher einmal waren beide Nachbarn in der Wiener Johannesgasse, die mdw als staatliche Hochschule, die MUK als Konservatorium der Stadt Wien. Die MUK hatte zwei sehr unterschiedliche Ensembles im Reisegepäck, das „Ensemble Oida“ (genialer Name!) spielte barocke Volksmusik aus Schottland, während das Jazzquartett „Still Currents“ mit einem Stück seines Pianisten Felix Niederstätter zu hören war.
Das „Vokalensemble Sonance“ vom Mozarteum Salzburg beendete diesen vergnüglichen Abend unter anderem mit dem Vorarlberger Volkslied „Brunälla“ von Bruno Wiederin.
Den neuen Superstar am Musikhimmel hat man am Donnerstag nicht entdeckt, dafür bekam man Einsicht in die Vielfalt der österreichischen Musikausbildung und lernte einige deren Protagonist:innen kennen.

 

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