Aktuell in den Filmclubs (5.12. – 11.12. 2025) Walter Gasperi · Dez 2025 · Film

Der Spielboden Dornbirn zeigt diese Woche mit Agnieszka Hollands „Franz K.“ ein eigenwilliges, aber überambitioniertes Biopic über Franz Kafka. Im Gasthof Jöslar in Andelsbuch brilliert dagegen Jennifer Lawrence in Lynne Ramsays ebenso intensivem wie forderndem Drama „Die My Love“.

Franz K.: Agnieszka Holland will in ihrem Spielfilm nicht nur Einblick in Leben und Werk Franz Kafkas bieten, sondern auch in das weitere Schicksal seiner Familie und dessen heutige Präsenz. Fließend wechselt sie dabei in assoziativer Erzählweise nicht nur zwischen Szenen aus Kindheit und Erwachsenenalter, sondern lässt auch eine heutige Museumsführerin Tourist:innen über Kafka informieren. Auch stilistisch wagt die Polin dabei kühne Wechsel, wenn konventionell erzählten Familienszenen Momente gegenüberstehen, in denen Bekannte Kafkas die vierte Wand durchbrechen und direkt ans Publikum gerichtet ihre Gedanken zum Porträtierten äußern oder bei einer Lesung die Erzählung „In der Strafkolonie“ als Kurzspielfilm visualisiert wird.
Eindrücklich lässt Idan Weiss mit seinem abgemagerten Körper zwar die Fragilität und Unsicherheit Kafkas spüren, doch viel Neues erfährt man über ihn nicht. Allzu bekannt ist doch der Konflikt mit dem übermächtigen Vater, dessen Dominanz hier schon durch den massigen Körper Peter Kurths vermittelt wird. Nicht neu sind auch Kafkas Zweifel an seinem schriftstellerischen Werk, das nur erhalten blieb, weil sein Freund Max Brod (Sebastian Schwarz) gegen Kafkas Willen dessen Verbrennung verhinderte, und auch über die Liebe zu Felice Bauer (Carol Schuler) und deren Freundin Grete Bloch (Gesa Schermuly) erfährt man kaum mehr als im Wikipedia-Artikel zu Kafka.
Im kaleidoskopartigen Wechsel der Szenen kommt nicht nur nie ein Erzählfluss auf, sondern es kann auch kaum ein Moment Tiefe und Intensität und – abgesehen von Kafka selbst und seinem Vater – kaum eine Figur markantes Profil entwickeln. So bleibt „Franz K.“ in der oberflächlichen Bebilderung von Lebenssituationen stecken, und auch die wiederholten Sprünge in die Gegenwart zur Museumsführung bieten kaum mehr als Infotainment.
Spielboden Dornbirn: Fr 5.12., 19.30 Uhr

Die My Love: Schon in den ersten beiden Szenen lässt die schottische Regisseurin Lynne Ramsay extreme Gegensätze aufeinanderprallen. In einer langen, statischen und tiefenscharfen Einstellung blickt die Kamera von Seamus McGarvey in dem im engen 4:3-Format auf 35mm gedrehten Film zunächst von der Küche über das Wohnzimmer bis zur Veranda quer durch ein heruntergekommenes Haus. Viel Zeit wird hier Grace (Jennifer Lawrence) und Jackson (Robert Pattinson) gelassen, um im Gespräch über ihre Berufe als Schriftstellerin bzw. als Musiker und über den Umstand zu informieren, dass sie dieses Haus von Jacksons Onkel Frank geerbt haben. Abrupt kippt die Stimmung aber mit einem Schnitt ins Gegenteil, wenn nun zu dröhnender Heavy-Metal-Musik mit stakkatoartigem Schnitt eine heftige Liebesszene folgt, die immer wieder von Bildern eines in Flammen aufgehenden Waldes unterbrochen wird.
Das Aufeinanderprallen solcher Gegensätze, das schon beim Titel mit der Opposition von „Tod“ und „Liebe“ beginnt, bestimmt „Die My Love“ und kehrt die innere Zerrissenheit von Grace zwischen nicht erfüllter, grenzenloser Lebensgier und Zerstörungstrieb aufregend und intensiv nach außen. Keine stringente Geschichte erzählt Ramsay dabei, sondern reiht vielmehr fragmentarische Szenen ohne zwingende Kausalität aneinander, fügt ansatzlos auch wenige Rückblenden ein und lässt bei manchen Szenen offen, ob sie geträumt oder real sind.
Das Ereignis dieses Films ist dabei zweifellos die schauspielerische Leistung von Jennifer Lawrence. Während Robert Pattinson mit seinem zurückhaltenden Spiel überzeugend die Hilflosigkeit und Überforderung von Jackson vermittelt, kennt Lawrence bei ihrer Verkörperung von Grace kein Halten und keine Grenzen, sondern sie spielt mit enormer Leidenschaft und größtem Körpereinsatz. 
Gasthof Jöslar, Andelsbuch: So 7.12., 20 Uhr (Filmbeginn); 18 Uhr: Drei-Gang-Menü (Reservierung erforderlich)

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