Aktuell in den Filmclubs (4.9.– 10.9.2026) Walter Gasperi · Sep 2026 · Film
Im Skino Schaan startet diese Woche mit John Fords großem Western „The Searchers“ die Filmreihe „This is not America – Wie das Kino Amerika erfand“, die von moderierten Gesprächen begleitet wird. Beim Filmforum Bregenz / Kino Lindau versetzt dagegen der griechische Spielfilm „Kota – Lebensansichten eines Huhns“ in die Perspektive eines Federviehs, dessen Schicksal auch menschliche Erfahrungen spiegelt.
The Searchers: Als „Moby Dick“ der Prärie gilt John Fords 1956 entstandenes Meisterwerk, in dem sich John Wayne als vom Leben gezeichneter Westerner vor der grandiosen Kulisse des Monument Valley auf eine mehrjährige Suche nach seiner von Native Americans entführten Nichte macht. Spiegelbildliche Figuren sind dabei der rassistische Protagonist und sein indigener Antagonist, denn für beide ist in der veränderten Gesellschaft kein Platz mehr. Ford bündelt dabei die ganze Frontier- und Westernmythologie im ikonischen Blick durch die Türöffnung einer Farm in die weite Landschaft des Monument Valley: Nicht nur Dunkelheit und Helligkeit und Enge und Weite treffen hier aufeinander, sondern auch Zivilisation und ungezähmte Natur – und dazwischen der Westerner, der die zivilisatorische Entwicklung ermöglichte, der sich aber darin nicht einfinden kann, sondern weiterziehen wird. – Zahllos sind die Bewunderer dieses Films: Martin Scorsese ließ sich davon bei „Taxi Driver“ inspirieren, Wim Wenders’ „Paris, Texas“ ist unübersehbar davon beeinflusst und Sergio Leone, David Lean, Francis Ford Coppola und George Lucas gehören ebenso zu dessen Fans wie Herbert Achternbusch, der über „The Searchers“ schrieb: „Wenn dieser Film von mir wäre, hätte ich nichts mehr zu sagen.“
Skino Schaan: Di 8.9., 20.15 Uhr (engl. OmU.)
Kota – Lebensansichten eines Huhns: Ein Huhn entgeht der Schlachtung, doch auch das Leben außerhalb der Legebatterie birgt jede Menge Gefahren.
Quasidokumentarisch ist die Schilderung der industriellen Geflügelzucht, doch nicht nur hier kommt der Ungar György Pálfi, der sich schon mit seinem Debüt „Hukkle – Das Dorf“ (2002) und „Taxidermia“ (2006) als Spezialist für eigenwillige Filme präsentiert hat, nahezu ohne Worte aus. Fast durchgängig erzählt er nämlich in seinem in Griechenland spielenden Film aus der Perspektive des namenlos bleibenden Huhns. Mit dessen Perspektive werden von Menschen weitgehend nur die Hände oder die Beine wahrgenommen. Im Gegensatz zu Disney- und anderen Animationsfilmen vermenschlicht Pálfi sein Huhn aber nicht durch eine Stimme und setzt auch kein Voiceover ein. Auch auf KI verzichtete er, verwendete aber zur Verkörperung seiner Protagonistin acht unterschiedliche Hühner, die im Nachspann namentlich angeführt werden. Wird dadurch einerseits eine Vermenschlichung des Huhns vermieden, stellt sich diese durch den intensiven Kamerablick von Giorgos Karvelas auf das Huhn und die Übernahme der Hühnerperspektive dann aber doch wieder ein. Nicht instinktiv scheint dieses nämlich hier immer wieder zu handeln, sondern ganz menschlich seine Aktionen zu überlegen und zu planen.
Erst als das Huhn in einem idyllisch am Meer gelegenen, aber heruntergekommenen Bauernhof mit Fischrestaurant landet, gewinnt die menschliche Ebene an Gewicht. Denn wie Schlepper auf dem Hof Flüchtlinge in Containern zusammenpferchen, werden die Hühner im Stall zusammengepfercht. Überzeugen kann diese Parallelisierung aber nicht, ist der Erzählton des von seinem originellen Ansatz, der ungewöhnlichen Erzählweise und den vielfältigen Abenteuern des Huhns lebende Film angesichts der menschlichen Katastrophe doch zu leicht und zu komödiantisch.
Filmforum Bregenz im Kino Lindau: Do 10.9., 19.30 Uhr (griech. OmU.)
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