Aktuell in den Filmclubs (30.10. – 5.11.2026) Walter Gasperi · Okt 2026 · Film

Beim TaSKino Feldkirch steht diese Woche mit der britischen Bestsellerverfilmung „H Is for Hawk – H wie Habicht“ ein stark gespielter und feinfühlig inszenierter Spielfilm über eine ungewöhnliche Trauerbewältigung auf dem Programm. Der Spielboden Dornbirn zeigt dagegen in der Reihe GoWest Bunte Streifen mit „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ eine ziemlich abgefahrene Hommage an den Slasher-Film, in der extreme Künstlichkeit und Realismus, Film-im-Film und Realität sowie blutige Slasherszenen und intime Momente ständig ineinander übergehen.

H Is for Hawk – H wie Habicht: Eine britische Universitätsdozentin (Claire Foy) stürzt durch den plötzlichen Tod ihres geliebten Vaters in tiefe Trauer. Um dem Verstorbenen nahe zu sein, legt sie sich einen Habicht zu. Viel Zeit lässt sich Philippa Lowthorpe, die gemeinsam mit der irischen Autorin Emma Donoghue auch für die Adaption von Helen Macdonalds 2014 erschienenem autobiografischen Bestseller verantwortlich zeichnet, für die detailreiche Schilderung dieser Zähmung und Abrichtung. Im genauen Blick und der Ausführlichkeit, mit der Einblick in die Schwierigkeiten geboten wird, spürt man Lowthorpes Herkunft vom Dokumentarfilm. Intensiv vermittelt die 64-jährige Regisseurin bei einem Stadtspaziergang mit verstärkten Verkehrs- und Alltagsgeräuschen die hochempfindliche Wahrnehmung des Raubvogels und beschwört in Nahaufnahmen auch immer wieder eindringlich die Pracht dieses majestätischen Tiers. Nichts von der Süßlichkeit klassischer Mensch-Tier-Filme wie „Lassie“ oder „Flipper“ hat „H Is for Hawk“ dabei aber, denn durchgehend lässt der Film auch die Gefährlichkeit dieses Tiers spüren und feiert mit fliegender Kamera mitreißend die ebenso präzise wie tödliche Jagd des Habichts auf Kleintiere wie einen Hasen. Gleichzeitig wird aber auch erfahrbar, wie die junge Frau durch die Fokussierung auf ihren Vogel zunehmend vereinsamt.
Unterstützt von der stimmungsvollen Musik von Emilie Levienaise-Farrouch erzählt Lowthorpe unaufdringlich, aber feinfühlig diese ungewöhnliche Geschichte. Vertrauen kann sie dabei auch auf eine großartige Claire Foy, die in jeder Szene präsent ist. Mehr als mit Worten lässt sie mit Blicken und Gesten nicht nur spüren, wie die Trauer die Protagonistin aus der Bahn wirft, sondern auch, wie die Beziehung zum Habicht von der ersten Begegnung beim Kauf an sukzessive intensiver wird.   
TaSKino Feldkirch im Kino GUK: Do 29.10. bis Sa 31.10. (engl. OmU.)

Teenage Sex and Death at Camp Miasma: Mit viel Liebe zum Detail und genauer Kenntnis von Slasher-Klassikern wie „Halloween“ (1978) und „Freitag der 13.“ (1980) zeichnet Jane Schoenbrun im Vorspann die Geschichte des fiktiven 1980er-Jahre-Horrorfilms „Camp Miasma“ und des Franchises nach, das sich mit drittklassigen Fortsetzungen, Spielen und Merchandise-Artikeln daraus entwickelte. Nun plant eine queere junge Filmemacherin (Hannah Einbinder) einen Reboot des Originals. Dazu besucht sie die Darstellerin Billy (Gillian Anderson), die im Original das Final Girl spielte, sich aber nach dem Erfolg von der Schauspielerei zurückzog und abgeschieden am einstigen Drehort in den Wäldern lebt.
Unübersehbar eine Reverenz an Billy Wilders Klassiker „Sunset Boulevard“ ist, wie die beiden Protagonistinnen, die mit sichtlichem Vergnügen von Hannah Einbinder und Ex-„Akte-X“-Star Gillian Anderson gespielt werden, gemeinsam im Haus den alten Slasher-Hit ansehen. Gleichzeitig vermischen sich aber auch Film-im-Film und Realität zunehmend, wenn Schoenbrun schon bei der Fahrt durch die tief verschneite Winterlandschaft zum abgelegenen Haus mit klassischen Motiven und inszenatorischen Mitteln des Horrorkinos arbeitet. Verstärkt werden diese Verbindungen, wenn die beiden Frauen sich zwar einerseits näherkommen, sich andererseits die Filmemacherin aber auch zunehmend bedroht fühlt: Geistert der Killer von damals immer noch durch die Gegend?
Lustvoll spielt Schoenbrun so mit den Mustern des Slasher-Films, rückt das Fleisch und die Körperflüssigkeiten, um die es laut Billy in diesen Filmen immer geht, ins Zentrum. Dey – das Pronomen für nichtbinäre Personen wie für Schoenbrun – spürt dabei der Verbindung von Begehren, Sex und Tod nach, stellt aber der repressiv-homophoben Haltung dieser Filme eine bewusst queere Perspektive gegenüber. Aufregend spielt dey aber auch mit extremer Künstlichkeit, wenn beispielsweise der realistischen Inszenierung einer Tankstelle ein märchenhaft verschneiter Wald gegenübersteht, bei dem die Berge im Hintergrund sichtlich nur gemalt sind. Zudem rechnet diese an Einfallsreichtum übersprühende Hommage an den Slasher-Film mit Hollywood-Produzent:innen ab, die nur der kommerzielle Erfolg, nicht aber die künstlerische Vision der Filmemacher:innen interessiert.
Spielboden Dornbirn: Sa 31.10., 17 Uhr (engl. OmU.)

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