Aktuell in den Filmclubs (30.1. – 5.2.2026) Walter Gasperi · Jän 2026 · Film
Am Spielboden Dornbirn steht diese Woche nochmals Eva Victors leises Drama „Sorry, Baby“ auf dem Programm. Beim „Kult Kino Dienstag“ im Cinema Dornbirn wird dagegen Jonathan Demmes meisterhafter und immer noch atemberaubend spannender Psychothriller „Das Schweigen der Lämmer“ gezeigt.
Sorry, Baby: Bei einem Besuch ihrer Studienkollegin und Freundin Lydie (Naomie Ackie) kommt die junge Literaturprofessorin Agnes (Eva Victor) auf einen sexuellen Übergriff ihres Professors zu sprechen, der ihr Leben erschütterte. In durch Kapitelüberschriften gegliederten Rückblenden zeichnet Eva Victor in ihrem Spielfilmdebüt den jahrelangen Prozess der Verarbeitung des Traumas nach.
Spürbar wird die Kraft der Freundschaft, wenn Lydie ruhig zuhört, ihrer Freundin Raum gibt und sie zu nichts drängt. In Kontrast zu dieser Innigkeit und dem tiefen Mitgefühl steht die Gleichgültigkeit der Öffentlichkeit, wenn Vertreterinnen der Universität zwar mehrfach betonen, dass sie Frauen seien, in diesem Fall aber nichts machen könnten, oder ein Arzt emotionslos Standardfragen zu dem Übergriff stellt. Doch auch die Widerstandskraft von Agnes wird sichtbar, wenn sie die Universität nicht verlässt, sondern dort schließlich sogar die Stelle und das Büro des übergriffigen Professors übernimmt. Immer wieder bricht aber das Trauma durch, gleichzeitig kehrt aber für Agnes auch das Leben langsam zurück, wenn sie ein streunendes Kätzchen bei sich aufnimmt oder sich mit ihrem Nachbarn (Lucas Hedges) anfreundet.
Wunderbar zurückhaltend und mit größtem Feingefühl ist das inszeniert. Nichts verharmlost oder beschönigt der weitgehend mit einem weiblichen Team gedrehte Film, aber trockener Witz sorgt dennoch immer wieder für Leichtigkeit und vor allem stellt Victor nicht den Übergriff ins Zentrum, sondern vielmehr die Widerstandskraft von Agnes und die Macht der Freundschaft, die im letzten Kapitel nochmals gefeiert wird.
Spielboden Dornbirn: Fr 30.1., 19.30 Uhr (engl. O.m.U.)
Das Schweigen der Lämmer: Um einen Serienmörder zu fassen, soll die FBI-Anwärterin Clarice Starling (Jodie Foster) mit Hilfe des wegen Kannibalismus in einem Hochsicherheitstrakt inhaftierten genialen, aber äußerst manipulativen Psychiaters Hannibal Lecter (Anthony Hopkins) ein Täterprofil erstellen.
1992 war Jonathan Demmes „Das Schweigen der Lämmer“ der große Sieger der Oscarverleihung. Nicht nur fünf der begehrten Statuetten gingen an den Psychothriller, sondern diese auch noch in den Hauptkategorien Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Bester Hauptdarsteller und Beste Hauptdarstellerin. Während viele Filme freilich rasch altern, hat dieser auch 35 Jahre nach seiner Entstehung nichts von seiner nervenzerrenden Spannung verloren, sondern wirkt so frisch wie bei seiner Erstaufführung.
Keine Schnörkel kennen das Drehbuch von Ted Tally und die Inszenierung von Jonathan Demme, sondern ökonomisch und stringent treiben sie von der ersten Einstellung an die Handlung voran. Zur klassischen Jagd auf einen Mörder, dessen Identität die Zuschauer:innen schon recht früh erfahren, kommt mit dem Blick auf Starling und Lecter eine verstörende Auseinandersetzung mit menschlichen Ängsten und der unerklärlichen Macht des Bösen. Denn so kultiviert und höflich Lecter auch gegenüber Starling auftritt, so lässt Hopkins doch immer die Gefährlichkeit spüren, die sich dahinter verbirgt.
Meisterhaft verzahnen Tally und Demme die verschiedenen Ebenen und erzeugen mit dem Wechsel zwischen subjektiven Kamerafahrten, die in die Perspektive Starlings versetzen, und objektiven Blicken auf die Szenen immer wieder große Spannung. Zum Höhepunkt wird dabei das Finale, in dem virtuos mit einer Parallelmontage gearbeitet wird, ehe es zum nervenzerrenden Showdown kommt.
„Kult Kino Dienstag“ im Cinema Dornbirn: Di 3.2., 19.30 Uhr (Deutsche Fassung)
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