Aktuell in den Filmclubs (3.4. – 9.4.2026) Walter Gasperi · Apr 2026 · Film
Am Spielboden Dornbirn steht diese Woche der ebenso eigenwillige wie aufregende argentinische Spielfilm „Kill the Jockey“ auf dem Programm. Der FKC Dornbirn zeigt dagegen im Cinema Dornbirn Emerald Fennells bildmächtige Verfilmung von Emily Brontës klassischem Liebesroman „Wuthering Heights – Sturmhöhe“.
Wuthering Heights – Sturmhöhe: Bevor man in Emerald Fennells Adaption von Emily Brontës 1847 erschienenem Roman etwas sieht, hört man Laute, die an Sex denken lassen, doch die Bilder brechen brutal mit dieser Vorstellung. Zu sehen ist nämlich eine Hinrichtung, bei der ein Mann am Galgen zuckt und der, ehe er stirbt, noch eine Erektion hat. Vorgegeben wird mit diesem drastischen Einstieg das Spannungsfeld von Sex und Gewalt, von Leidenschaft und Schmerz, das diesen Film bestimmt.
Im Mittelpunkt stehen Catherine (Margot Robbie), die Tochter eines durch Trink- und Spielsucht verarmten englischen Gutsbesitzers, und das Findelkind Heathcliff (Jacob Elordi). Gemeinsam wachsen sie auf und langsam entwickelt sich eine innige Beziehung, dennoch heiratet Catherine schließlich einen reichen Nachbarn. So flieht Heathcliff vom Hof, kehrt aber einige Jahre später als reicher Mann zurück und beginnt eine toxische Affäre mit seiner verheirateten Jugendliebe.
Weder die Rassismusthematik, die die Vorlage durch den im Original dunkelhäutigen Heathcliff anschneidet, noch das gesellschaftliche Gefälle zwischen den Protagonist:innen interessiert die Britin Emerald Fennell. Sie lenkt den Fokus ganz auf das Spannungsfeld von Begehren und Abhängigkeit. In der rauen Heidelandschaft findet sie dabei ein ebenso eindrückliches Bild für die ungezügelten Triebe wie im klinisch sauberen Hof für die gesellschaftliche Einengung und emotionale Kälte. Gesteigert wird die Kraft der stylischen Bilder durch die Musik, vor allem durch die Songs der britischen Popsängerin Charli xcx. Eindrücklich vermittelt Fennell so die irrationale Kraft der Leidenschaft, die hier auch und vor allem Leiden schafft, doch tiefer dringt „Wuthering Heights“ nie, sondern bleibt im visuellen Exzess stecken.
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 8.4., 18 Uhr + Do 9.4., 19.30 Uhr (engl. OmU.)
Kill the Jockey: Die erste Szene scheint den Ton vorzugeben: Wie ein blinder, ein geknebelter und ein beinloser Mann in einer Kneipe sitzen und die Kamera bald den Jockey Remo Manfredini (Nahuel Pérez Biscayart) in voller Reitmontur an der Jukebox erfasst, lässt eine absurde Komödie erwarten. Die farbsatten Bilder und die lakonische Abfolge von Großaufnahmen der ausdruckslosen Figuren wecken auch aufgrund von Aki Kaurismäkis Stammkameramann Timo Salminen Erinnerungen an die Tragikomödien des Finnen, doch so einfach lässt sich der Film des 45-jährigen Luis Ortega nicht einordnen.
Eine Gangsterfilm-Handlung setzt ein, wenn ein Mafioso und seine Handlanger den einst gefeierten Remo in der Bar unter Druck setzen, da sein Stern aufgrund von Drogenexzessen am Verglühen ist und er bei den Gangstern Schulden hat. Doch der gefallene Jockey will hier nicht mehr mitspielen und sich von der Last seiner alten Identität befreien …
Genrekino und Existentialismus verbindet Ortega so mit dem Gangsterplot und dem Streben nach Freiheit, doch dies sind nur zwei Ebenen dieses Films, der bald auch Geschlechterrollen und Familienkonzepte thematisiert. In keine Schublade lässt sich „Kill the Jockey“ so pressen, begeistert aber gerade mit seiner Eigenwilligkeit und seinem Einfallsreichtum. Denn einerseits machen großartige Bilder und mitreißende melancholische Musik diesen lakonisch inszenierten Mix aus Gangsterfilm, Sportlerdrama und Musical zu einem visuell-akustisch intensiven Erlebnis, andererseits wird auch inhaltlich mit zahlreichen Details ein Reichtum geboten, der vielfältige Interpretationen zulässt und auch ein mehrmaliges Sehen lohnt.
Spielboden Dornbirn: Do 9.4. + Fr 24.4. - jeweils 19.30 Uhr (span. OmU.)
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