Aktuell in den Filmclubs (29.5. – 4.6.2026) Walter Gasperi · Mai 2026 · Film
Neben Ingmar Bergmans Meisterwerk „Das siebente Siegel“ (FKC Dornbirn) fallen diese Woche vor allem zwei Dokumentarfilme in den Programmen der Filmclubs auf: Im Heerbrugger Kinotheater Madlen bietet Michael Schwarz in „Der Tod ist ein Arschloch“ Einblick in die Arbeit des Bestatters Eric Wrede, während am Spielboden Dornbirn und beim Filmforum Bregenz / Parktheater Lindau „Siri Hustvedt – Dance Around the Self“ ein vielschichtiges Porträt der amerikanischen Schriftstellerin zeichnet.
Der Tod ist ein Arschloch: Michael Schwarz bietet in seinem Dokumentarfilm Einblick in die Arbeit Eric Wredes, der durch Bücher und den Podcast „The End – Der Podcast auf Leben und Tod“ zum wohl bekanntesten Bestatter Deutschlands wurde. Unterstützt von der Montage von Melanie Dietz entwickelt Schwarz die Handlung im Wechsel von Interviews mit Wrede und seinem Team, die über ihren Weg zum Beruf des Bestatters berichten, und kommentarloser Begleitung der Arbeitsabläufe. Der Bogen spannt sich hier von der behutsamen Reinigung und dem Ankleiden der Leiche über die Vorbereitung der Abschiedsfeier und die Einäscherung im Krematorium bis zu einem Workshop mit Jugendlichen, die über ihre Erfahrungen mit dem Tod sprechen und auch in einem Sarg probeliegen dürfen.
Trotz des ernsten Themas entwickelt „Der Tod ist ein Arschloch“ dabei viel Witz, gleichzeitig berührt dieser sehr menschliche Film aber durchgängig durch seinen empathischen und respektvollen Blick, der mit der behutsamen Arbeitsweise der Bestatter:innen korrespondiert. Zentrale Rolle spielen die Treffen mit Betroffenen, mit denen die Form der Trauerfeier besprochen wird. Spürbar wird im achtsamen Umgang mit den Verstorbenen und der feinfühligen Vorbereitung ihrer Bestattung auch, wie hier den Menschen über den Tod hinaus Respekt erwiesen und ihre Würde gewahrt wird. Tröstlich ist dieser warmherzige Film in diesem wertschätzenden Umgang mit Verstorbenen und regt auch zu einer Bestattungskultur an, die die individuellen Wünsche der Verstorbenen berücksichtigt.
Nie wird aber ausgeblendet, dass der Tod ein Ende darstellt, nachdem nichts mehr verändert oder bewegt werden kann – er ist nun mal ein Arschloch. So ruft der Regisseur durch den Blick auf das Unausweichliche gleichzeitig dem Publikum zu, die Lebenszeit, die jedem gegönnt ist, möglichst intensiv zu nützen und zu genießen.
Kinotheater Madlen, Heerbrugg: Mo 1.6., 20.15 Uhr (deutsche Originalfassung)
Siri Hustvedt – Dance Around the Self: Der Einstieg gibt die verspielt-poetische Erzählweise dieses Dokumentarfilms vor. Zum Voice-over, das über den Aufbruch der 1955 geborenen Siri Hustvedt aus dem ländlichen Minnesota in die Metropole New York informiert, sieht man nicht nur grobkörnige Super-8-Aufnahmen einer jungen Frau, die durch die Straßen der Großstadt streift, sondern auch die Schwarzweißzeichnung einer Frau, die mit Riesenschritten der Provinz zu entkommen versucht.
Immer wieder bricht Sabine Lidl, die auf Off-Kommentar verzichtet, mit solchen Einschüben ihren Film auf. Den größten Raum nehmen insgesamt aber doch von Hustvedt selbst gelesene Passagen aus ihren Romanen ein sowie Kommentare zu ihrem literarischen Schaffen und ihrem Leben. Nicht nur Einblick in ihr Werk, sondern auch in ihre Person wird dabei geboten, verarbeitete sie in ihrem Roman „Die unsichtbare Frau“ (1993) doch ebenso ihre Migräne wie in „Die zitternde Frau. Die Geschichte meiner Nerven“ (2010) eine Zitterattacke. Doch auch an ihr Engagement für die in der Kunst und Wissenschaft über Jahrhunderte benachteiligten Frauen wird erinnert.
Kontrast zu den Romanpassagen und intellektuellen Ausführungen Hustvedts bilden die Szenen, in denen sie sehr persönlich über die innige Beziehung zu ihrer Mutter und ihr ambivalentes Verhältnis zu ihrem Vater spricht. Aber auch ihr Ehemann Paul Auster, mit dem Hustvedt 43 Jahre verheiratet war, kommt zu Wort.
Wie die Intellektuelle das Leben als großen, nie ruhenden Fluss beschreibt, so fließt auch dieser Dokumentarfilm dahin. Nie lässt er sich ganz fassen, sondern mäandert leichthändig zwischen dem literarischen Schaffen und der privaten Geschichte, holt beim Blick auf die Zitterattacke zu einem Exkurs über die Geschichte der Hysterie und das Verhältnis von Psychologie und Neurologie aus, um dann wieder zu ihren Romanen, zu ihrem Ehemann und zu ihrer Familie zurückzukehren. Trotz der Fülle und dem Tod Austers wird „Siri Hustvedt – Dance Around the Self“ aber nie schwer, sondern bewahrt nicht zuletzt dank der wunderbar flüssigen und runden Montage von Maxine Goedicke und der Musik von Balz Bachmann, die die poetische Stimmung verstärkt, durchgängig große Leichtigkeit.
Spielboden Dornbirn: Mi 3.6., 19.30 Uhr (engl. OmU.)
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi 3.6., 19.30 Uhr (engl. OmU.)
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