Aktuell in den Filmclubs (27.3. – 2.4.2026) Walter Gasperi · Mär 2026 · Film
In der Kinothek Lustenau und bei der LeinwandLounge in der Remise Bludenz wird diese Woche mit „Hamnet“ Chloé Zhaos mitreißendes, aber weitgehend fiktives Drama über die Entstehung von Shakespeares Tragödie „Hamlet“ gezeigt. Beim Spielboden Dornbirn steht dagegen Isabella Brunäckers lakonisches Roadmovie „Sugarland“ auf dem Programm.
Hamnet: Was inspirierte William Shakespeare zu „Hamlet“? – Chloé Zhao verknüpft in einer Mischung von historischen Fakten und Fiktion die Liebesgeschichte Shakespeares (Paul Mescal) mit Agnes Hathaway (Jessie Buckley) und den frühen Tod ihres gemeinsamen Sohnes Hamnet mit der Entstehung der berühmten Tragödie.
Abgesehen von einigen Visionen von Agnes erzählt Zhao geradlinig. Sie folgt Shakespeare auch nicht, als dieser als Theaterautor nach London geht, sondern bleibt weitgehend im Dorf bei Agnes und ihren Kindern. Mit der perfekten Ausstattung von Fiona Crombie und der Kameraarbeit von Łukasz Żal evoziert die vorwiegend in den USA arbeitende chinesische Regisseurin dicht die Stimmung des späten 16. Jahrhunderts. Wie Gemälde wirken die vielen nur von Kerzenlicht erhellten Bilder, und Żal lässt ihnen auch Zeit, ihre Wirkung zu entfalten. Da gibt es keinen hektischen Schnitt, sondern gerade mit seiner langsamen Erzählweise baut „Hamnet“ Emotionen auf und zieht die Zuschauer:innen immer tiefer ins Geschehen hinein. Gleichzeitig erzeugt ein wiederholter Blick aus erhöhter Perspektive aber auch immer wieder ein Gefühl der Ausgeliefertheit an eine höhere Macht.
Großartig wird die Intensität gesteigert durch die Musik von Max Richter, die eher zurückhaltend eingesetzt wird, bald leise Töne anschlägt, dann lauter wirkt und im Finale mitreißend die Befreiung vermittelt. Getragen wird der auf allen Ebenen perfekt inszenierte Film aber von seinen beiden großartigen Hauptdarsteller:innen. Intensiv macht Paul Mescal die Zerrissenheit Shakespeares zwischen der Liebe zu seiner Familie und dem Wunsch in London zu arbeiten erfahrbar, aber das Zentrum des Films ist eindeutig Jessie Buckleys Agnes. Sie lässt nicht nur spüren, welche Kraft es für sie in dieser Gesellschaft braucht, ihren eigenen Weg zu gehen und sich immer wieder von ihrer Ziehmutter zu distanzieren, sondern vor allem, wie sehr sie ihre Kinder liebt.
Kinothek extra in der Kinothek Lustenau: Mo 30.3., 18 Uhr (engl. OmU.)
LeinwandLounge in der Remise Bludenz: Mi 1.4., 19 Uhr (engl. OmU.)
Sugarland: Isabella Brunäcker beschränkt sich in ihrem Langfilmdebüt fast ausschließlich auf Iga (Jana McKinnon), die mit dem Auto von Wien nach Schottland unterwegs ist, und Ethan (Bill Caple), der per Autostopp nach London kommen will. Ablehnend verhält sich die junge Frau zunächst zwar, als der Engländer sie an einer Autobahnraststätte mit der Bitte um Mitnahme anspricht, willigt dann aber doch ein. Unsicher und einsilbig sind die Gespräche zunächst, kreisen um musikalische Vorlieben und das Verhalten der Menschen im Allgemeinen, bis langsam doch persönliche Geheimnisse – zumindest von Iga – gelüftet werden.
Unspektakulär und lakonisch ist das erzählt. Nicht viel passiert und in langen Einstellungen blickt die Kamera in dem auf körnigem 16-mm-Film gedrehten Roadmovie immer wieder vom Rücksitz vorbei an den beiden Reisenden auf die vielbefahrene Autobahn, lässt sie später verschwindend klein wirken, wenn sie am belgischen Sandstrand vor grauem Meer und grauem Himmel spazieren, oder blickt bei der Überfahrt nach England aufs raue Meer und die kreisenden Möwen. Kurz kommt zwar einmal Dramatik auf, doch davon abgesehen konzentriert sich Brunäcker in ihrem minimalistischen Roadmovie ganz auf die Interaktion zwischen den beiden Protagonist:innen. Wie sich diese dabei zwar langsam näherkommen und Sehnsüchte sichtbar werden, aber sich nur unterschwellig und nur einseitig eine Liebesgeschichte entwickelt, begeistert, weil die Figuren, die Gefühle und die Dialoge echt wirken.
Spielboden Dornbirn: Do 2.4. + Sa 11.4., jeweils 19.30 Uhr (engl. OmU.)
Weitere Filmkritiken, Streamingtipps, DVD-Besprechungen und Regisseur-Porträts finden Sie auf meiner Website https://www.film-netz.com.