Aktuell in den Filmclubs (26.6.–2.7.2026) Walter Gasperi · Jun 2026 · Film

Der FKC Dornbirn zeigt diese Woche (und die LeinwandLounge in der Remise Bludenz im September) den großartigen Wanderfilm „The North“. Im Kinotheater Madlen in Heerbrugg steht dagegen mit „DJ Ahmet“ eine im ländlichen Nordmazedonien spielende Coming-of-Age-Komödie auf dem Programm, in der Traditionen und Moderne aufeinanderprallen.

The North: Nicht nur Weitwanderwege boomen, sondern auch Wanderfilme vom Jakobsweg bis zum britischen South West Coast Path („Der Salzpfad", 2024). Stellen sich dabei immer wieder dramatische Ereignisse und spannende Begegnungen ein, so setzt Bart Schrijver in „The North“ auf eine geradezu unverschämt unaufgeregte Erzählweise. Keine Rückblenden bieten Einblick in die Vorgeschichte des Niederländers Chris (Bart Harder) und des Spaniers Lluis (Carles Pulido), die in rund einem Monat auf dem West Highland- und dem Cape Wrath-Trail 600 Kilometer quer durch die schottischen Highlands bis zum nordwestlichsten Punkt Großbritanniens wandern wollen. Ganz auf die Zeit der Wanderung konzentriert sich der Film und kurz gehalten sind auch die Begegnungen mit anderen Menschen. 
Der Fokus liegt ganz auf den Freunden, die sich im Laufe der Wanderung nicht nur ihrer Verschiedenheit bewusst werden, sondern auch ihrer persönlichen Probleme. Nur beiläufig treten diese aber zutage, denn Schrijver konzentriert sich auf den Alltag des Wanderns. Vor der ebenso grandiosen wie rauen Landschaft kämpft das Duo zwar immer wieder mit Mückenschwärmen ebenso wie mit Regengüssen und heftigem Wind, doch gefährliche Situationen und überraschende Wendungen bleiben aus. Pittoresken Postkartenansichten verweigert sich Kameramann Twann Peeters konsequent, aber gerade durch diese Ungeschminktheit und die ganz auf Naturgeräusche statt auf Musik vertrauende Erzählweise entwickelt „The North“ eine quasidokumentarische Qualität, die tief in die meditative Wirkung und befreiende Kraft des Wanderns eintauchen lässt. 
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 1.7., 18 Uhr + Do 2.7., 19.30 Uhr (engl. OmU.)
LeinwandLounge in der Remise Bludenz: Mi 30.9., 19 Uhr (engl. OmU.)

DJ Ahmet: Fest verankert sind im ländlichen Nordmazedonien noch die patriarchalen Strukturen, doch die Jugendlichen rebellieren langsam gegen die Generation der Väter und wollen ein selbstbestimmtes Leben führen. So hört auch der 15-jährige Ahmet (Arif Jakub) lieber Popmusik statt auf dem Feld die Schafe zu hüten. Wie das pinke Schaf, das plötzlich auftaucht, wirkt in dieser Welt nicht nur er selbst als Fremdkörper, sondern auch Aya (Dora Akan Zlatanova), die mehrere Jahre in Deutschland lebte, nun aber von ihrem Vater in die Heimat zurückgeholt wurde, um verheiratet zu werden. Als Ahmet bei der Suche nach einem verlorenen Schaf mitten im Wald nachts die junge Frau bei einer Techno-Party erblickt, ist es um ihn geschehen. Doch Ayas Vater stellt sich gegen die Beziehung und will die geplante Verheiratung seiner Tochter durchziehen.
Genau ist der Blick Georgi M. Unkovskis in seinem beim Sundance Film Festival 2025 mit dem Publikumspreis ausgezeichneten Debüt auf diese von Traditionen bestimmte Gesellschaft, dennoch verfällt der Film nicht in Pessimismus, sondern verbreitet durch die Lebensfreude und Widerstandskraft der Jugendlichen und ein feines Gespür für Humor Hoffnung. Klug verzichtet der 1988 in New York geborene und in Nordmazedonien lebende Regisseur, der an der berühmten Prager Film- und Fernsehfakultät FAMU studierte, zwar auf ein Happy End, mit dem sich alles in Wohlgefallen auflöst, stellt aber doch eine Versöhnung und die Feier familiären Zusammenhalts ans Ende seines atmosphärisch dicht im bäuerlichen Milieu verankerten, herzerwärmenden Coming-of-Age-Films.
Kinotheater Madlen, Heerbrugg: Mo 29.6., 20.15 Uhr (türk.-mazed. OmU.)

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