Aktuell in den Filmclubs (26.12.2025 – 1.1.2026) Walter Gasperi · Dez 2025 · Film

Das TaSKino Feldkirch und die LeinwandLounge in der Remise Bludenz (7.1.) entführen mit dem poetischen Dokumentarfilm „Fiore mio“ in die großartige Bergwelt des Monte-Rosa-Massivs. Das Filmforum Bregenz startet dagegen im Parktheater Lindau mit Stefan Haupts Verfilmung von Max Frischs Roman „Stiller“ ins Jahr 2026.

Fiore mio: Ausgehend vom versiegenden Wasser des Brunnens seiner auf 1700 Metern gelegenen Hütte im Aostatal bricht Paolo Cognetti in seinem Dokumentarfilm mit seinem Hund Laki als treuem Begleiter mehrfach ins vegetationsarme, von Felsen und Gletschern dominierte Monte-Rosa-Massiv auf, um zu erforschen, woher das Wasser eigentlich kommt. Die Wanderungen, die sich vom Frühsommer, in dem der Aufstieg noch mit Tourenski erfolgt, bis in den Herbst spannen, bieten dem Bestsellerautor die Möglichkeit, die atemberaubende, unberührte Natur ebenso wie die Kulturlandschaft ins Bild zu rücken und mit den Wirt:innen von drei Berghütten Gespräche zu führen.
Cognetti presst keine zwingende Dramaturgie in seinen Film, sondern lässt diese Begegnungen und Erzählungen stehen, ohne sie weiterzuentwickeln. Nichts wird hier den Zuschauer:innen aufgezwungen, sondern der Film lässt ihnen Raum, um zu schauen, hinzuhören, durchzuatmen, zu staunen und in den Rhythmus und die Ruhe dieser von der modernen Zivilisation unberührten Welt einzutauchen.
Diese unaufgeregte Erzählweise, der lockere Wechsel zwischen Naturaufnahmen und Gesprächen verleiht „Fiore mio“ seine ganz eigene Stimmung und seinen Reiz. Nur am Rand wird so auch der Klimawandel angesprochen und auch auf spektakuläre Bilder von Eisabbrüchen wird verzichtet. Vielmehr beschwört Cognetti mit seinem sehr sinnlichen und empathischen Film intensiv ein Gefühl für die Schönheit der Natur und den Traum von einer Harmonie von Mensch und Natur.
TaSKino Feldkirch im Kino GUK: Sa 27.12. bis Mo 29.12. (ital. O.m.U.)
LeinwandLounge in der Remise Bludenz: Mi 7.1., 19 Uhr (ital. O.m.U.)

 

Stiller: „Ich bin nicht Stiller!“ beharrt James Larkin White (Albrecht Schuch), als er in den frühen 1950er Jahren bei einer Zugfahrt durch die Schweiz verhaftet wird. Doch nicht nur ein Mitreisender glaubt in dem Amerikaner den vor sieben Jahren verschwundenen Bildhauer Anatol Stiller zu erkennen, sondern auch seine Bekannten bis hin zu Stillers Ex-Frau Julika (Paula Beer).
Stefan Haupt hat zusammen mit Co-Drehbuchautor Alexander Buresch Max Frischs Roman „Stiller“, der dem Schweizer Autor 1954 den internationalen Durchbruch brachte, geschickt gestrafft. Im Kern erzählt er einen Krimiplot, der an Hitchcocks ebenfalls um Identitätsfragen kreisenden „The Wrong Man“ (1956) erinnert, doch wichtiger als die Krimiebene ist hier die Frage nach Identität, Männerbildern und der Möglichkeit eines völligen Bruchs mit seinem früheren Leben und der Veränderung seines Charakters.
Auf zwei Zeitebenen erzählt Haupt so einerseits von der Ehe Stillers, andererseits von der sich entwickelnden Beziehung Whites zu Stillers Ex-Frau. Als Clou muss man die Besetzung Whites mit Albrecht Schuch und Stillers mit Sven Schelker ansehen, denn beide ähneln sich – auch aufgrund entsprechender Maske – zum Verwechseln. Eindrücklich vermittelt Schelker so Stillers tiefe Ängstlichkeit und Verunsicherung, der die Abgeklärtheit und Sicherheit von Schuchs White gegenübersteht. Beide harmonieren auch bestens mit Paula Beer, die trotz der eher kleinen Rolle ihrer Julika eine starke Präsenz verleiht. 
Haupt ist so auch dank sorgfältiger Ausstattung ein solides Kinostück gelungen. Andererseits ist aber auch nicht zu übersehen, dass diese Literaturverfilmung letztlich nicht über eine ziemlich uninspirierte Bebilderung des Romans hinauskommt. Einen eigenen interpretatorischen Ansatz oder aufregende filmische Gestaltung, Esprit und Leidenschaft in der Inszenierung sucht man vergebens, sodass „Stiller“ insgesamt doch auch eine sehr konventionelle und biedere Angelegenheit bleibt. 
Filmforum Bregenz im Parktheater Lindau: Do 1.1., 19.30 Uhr (Deutsche Originalfassung)

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