Aktuell in den Filmclubs (25.9. – 1.10.2026) Walter Gasperi · Sep 2026 · Film
Der FKC Dornbirn zeigt diese Woche Ruth Beckermanns vielschichtigen Essayfilm „Wax & Gold“, in dem die Österreicherin Geschichte und Gegenwart Äthiopiens und seinem Verhältnis zur Welt nachspürt. Im Skino Schaan steht dagegen im Rahmen der Filmreihe „This is not America – Wie das Kino Amerika erfand“ mit Charles Laughtons „The Night of the Hunter“ ein düster-traumhafter Mix aus Film noir, Thriller und Märchen auf dem Programm.
Wax & Gold: Ruth Beckermann taucht ausgehend von einem von Kaiser Haile Selassie erbauten Luxushotel in Addis Abeba in die Vergangenheit ein. Zwar verlässt der Film räumlich erst ganz am Ende das Hotel, doch die österreichische Filmemacherin zeichnet mit ihrem Voiceover und Archivmaterial ein ambivalentes Bild nicht nur des 1974 nach 44-jähriger Herrschaft gestürzten Herrschers, sondern auch der Geschichte Äthiopiens und seiner Beziehungen zu Europa.
Persönliches und Politisches fließt dabei ineinander, wenn Beckermann sich an ihr jugendliches Bild von Haile Selassie als Lichtgestalt erinnert, das erst Risse bekam durch Ryszard Kapuścińskis 1984 auf Deutsch erschienenes Buch „König der Könige“, in dem dem Prunk an Selassies Hof die bittere Armut der Bevölkerung gegenübergestellt und Korruption angeprangert wird. Den Begegnungen mit Hotelgästen und dem Blick auf Festlichkeiten im Hotel von einer Hochzeit über eine Konferenz von Oberhäuptern verschiedener Religionsgemeinschaften bis zu einer Modeschau, bei der auch auf chinesische Geschäftsleute als die großen Player im heutigen Afrika hingewiesen wird, stehen historische Reminiszenzen gegenüber, in denen ein breites Netz gespannt wird.
Zusammengehalten wird dieser Essayfilm allein durch das Hotel als Schauplatz und das Voiceover der Filmemacherin. Stringenz darf man hier nicht erwarten, sondern weitschweifig ist „Wax & Gold“ in seinem Gedankenreichtum, aber auch anregend in der Hinterfragung des persönlichen und öffentlichen Geschichtsbilds. Wenn Beckermann einmal „Dies ist kein Dokumentarfilm“ auf ein Blatt Papier schreibt, verweist das auch auf den Anspruch des Films, der eben nicht Wahrheit abbilden oder aufdecken will, sondern vielmehr nach dieser suchen oder – wie es in Äthiopien heißt – das Gold der Fakten im Wachs der Fiktion aufspüren will.
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 30.9., 18 Uhr + Do 1.10., 19.30 Uhr (mehrsprachige OmU.)
The Night of the Hunter: Bei seiner Uraufführung 1955 stieß Charles Laughtons einzige Regiearbeit auf wenig Gegenliebe bei Publikum und Kritik, doch heute gilt dieser Mix aus Film noir, Thriller und düsterem biblischem Märchen als Klassiker. In traumhaften Schwarzweißbildern von Kameramann Stanley Cortez erzählt Laughton von einem zwielichtigen Wanderprediger (Robert Mitchum), der mit Predigten über ein göttliches Strafgericht durch das von der Depressionszeit gezeichnete ländliche Ohio der 1930er Jahre zieht. Als er von einem zum Tode verurteilten Raubmörder erfährt, dass er 10.000 Dollar versteckt hat, sucht er nach dessen Hinrichtung die Witwe (Shelley Winters) und deren beiden Kinder auf, und beginnt sie zu umgarnen, um an das Geld zu kommen.
Wie der Prediger auf seine Finger „Love“ und „Hate“ tätowiert hat, so treffen auch mit ihm selbst und den beide Kindern sowie einer von Stummfilmstar Lillian Gish gespielten alten Frau das absolut Böse und das reine Gute aufeinander. Wie im Märchen sind die Grenzen klar gezogen und auch die Bildsprache steigert mit überraschenden Kameraperspektiven, Stilmitteln des expressionistischen Stummfilms und der Filme D. W. Griffiths sowie poetischen Natur- und Unterwasserbildern den traumartigen Charakter dieses Films: Ein mehr von der Stimmung als von der konkreten Handlung lebendes, eigenwillig schönes und ziemlich einzigartiges Meisterwerk der Filmgeschichte.
Skino Schaan: Di 29.9., 20.15 Uhr (engl. OmU.)
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