Aktuell in den Filmclubs (2.10. – 8.10.2026) Walter Gasperi · Okt 2026 · Film
Beim FKC Dornbirn und in der Kinothek Lustenau ist diese Woche die deutsche Filmemacherin Birgitta Weizenegger zu Gast, die sich in ihrem Dokumentarfilm „Im Schatten der Bilder“ der Lustenauer Künstlerin und Nationalsozialistin Stephanie Hollenstein widmet. Der Spielboden Dornbirn zeigt dagegen mit „A Sad and Beautiful World“ ein bewegendes, sich über 30 Jahre spannendes libanesisches Liebesdrama.
Im Schatten der Bilder: Expressionistische Malerin, Lesbe und glühende Nationalsozialistin: Wie lassen sich diese Widersprüche vereinen? – Ausgehend vom Grab Stephanie Hollensteins (1866-1944) auf dem Lustenauer Friedhof St. Peter und Paul begibt sich die deutsche Schauspielerin und Filmemacherin Birgitta Weizenegger auf eine Spurensuche. Durch Archivmaterial zu den Entwicklungen vom Ende des Ersten Weltkriegs über den Austrofaschismus bis zum „Anschluss“ Österreichs 1938 stellt Weizenegger Hollensteins Leben in den historischen Kontext und versucht der Porträtierten andererseits durch nachinszenierte Szenen näherzukommen. Im Zentrum stehen aber Interviews unter anderem mit der Hollenstein-Biographin Nina Schedlmayer, dem Lustenauer Gemeindearchivar Oliver Heinzle, dem Vorarlberger Kunstsammler Alwin Rohner und Hannes Sulzenbacher, der das „QWIEN – Zentrum für queere Geschichte“ leitet. Talking Heads dominieren so den Film, doch unterstützt vom Archivmaterial und von Blicken auf die Zeichnungen und Gemälde Hollensteins werden rund und schlüssig die Biographie nachgezeichnet und die Widersprüche dieser Künstlerin aufgedeckt – und gleichzeitig teilweise relativiert.
Auf einer weiteren Ebene versucht Weizenegger mit nachinszenierten Szenen sich dem Innenleben Hollensteins zu nähern. So evozieren dialoglose Momente in gestochen scharfen Schwarzweißbildern mit der Jungschauspielerin Louisa Sophie Egger die Kindheit Hollensteins als Lustenauer Bauernkind, während Irina Wrona die erwachsene Künstlerin als in einem kahlen Raum mit Pritsche und vergittertem Fenster gefangene Frau spielt. Hier konfrontiert sie die Regisseurin mit den heutigen Aussagen der Expert:innen, auf die die Künstlerin immer wieder verstört reagiert und auf ihre Präsenz und ihren Fortbestand pocht. – Dass die Widersprüche dieser Künstlerin und überzeugten Nationalsozialistin dabei nicht aufgelöst werden, macht dieses Dokudrama einerseits spannend und regt andererseits zum Nachdenken an.
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 7.10., 18 Uhr + Do 8.10. 19.30 Uhr (deutsche OV)
Kinothek extra in der Kinothek Lustenau: Mi 7.10., 20 Uhr + Mo 12.10., 18 Uhr (deutsche OV)
Nach der Vorführung am 7.10. in Lustenau sowie am 8.10. in Dornbirn Filmgespräch mit der Regisseurin Birgitta Weizenegger und dem Lustenauer Gemeindearchivar Oliver Heinzle
A Sad and Beautiful World: Cyril Aris verknüpft die sich über 30 Jahre spannende Liebesgeschichte von Nino und Yasmina mit der konfliktreichen Geschichte seines Heimatlands Libanon. Trotz des ernsten Hintergrunds bewahrt „A Sad and Beautiful World“ dabei immer Leichtigkeit. Dafür sorgen vor allem am Beginn von Humordurchzogene Momente, andererseits die verspielte Inszenierung. Intensiv werden so mit Farben, Licht und ruckeligem Bild die wild ausbrechenden Gefühle und Romantik beschworen, während ein Streit dadurch einen witzigen Anstrich erhält, dass die Kamera Nino und Yasmina sich durch ein Schlüsselloch unterhalten lässt. Leichthändig fügt Aris aber auch immer wieder kurze Rückblenden in ihre Kindheit ein, die das Bild langsam vervollständigen, und beschwört mit einem Traum Ninos immer wieder ein sorgenfreies Glück auf einer paradiesischen Insel.
Beeindruckend sicher verbindet der Debütant nicht nur diese verschiedenen Ebenen, sondern kontrolliert auch souverän das Erzähltempo, wenn er sich nach dem dynamischen Beginn später auch Zeit für ruhige Momente lässt, in denen die Charaktere in langen statischen Einstellungen in ihre Befindlichkeit blicken lassen. So entwickelt sich eine berührende Liebesgeschichte, die einerseits universell ist, andererseits aber auch nie die permanente reale Angst und Bedrohung im Libanon aus den Augen verliert.
Spielboden Dornbirn: Di 6.10. + Mi 23.10. - jeweils 19.30 Uhr (arab. OmU.)
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