Aktuell in den Filmclubs (2.1. – 8.1.2026) Walter Gasperi · Jän 2026 · Film

Der Spielboden Dornbirn zeigt diese Woche den hinreißenden Stop-Motion-Animationsfilm „Sauvages – Tumult im Urwald“, der mit dem perfekten Mix aus Spannung, Witz und ökologischer Botschaft beste Unterhaltung für Jung und Alt bietet. Von Lustenau über Dornbirn und Feldkirch bis Bludenz präsentieren die Filmclubs in den nächsten Wochen mit „Die jüngste Tochter – La petite dernière“ einen feinfühligen Spielfilm über eine 17-jährige lesbische Muslima, die zwischen ihrem Glauben und ihren Sehnsüchten zerrissen ist.

Sauvages – Tumult im Urwald: Keine Minute benötigt Claude Barras („Mein Leben als Zucchini“), um das Publikum in seinem auf Borneo spielenden Stop-Motion-Animationsfilm am Haken zu haben: So liebevoll sind das Orang-Utan-Baby und dessen Mutter animiert, dass man zutiefst geschockt ist, als die Mutter von Holzfällern erschossen wird. Immerhin können die elfjährige Kéria und ihr Vater das Affenbaby Oshi gerade noch retten. Der Vater steht aber zwischen den Fronten, da er einerseits für die Holzindustrie arbeitet, andererseits aber mit einer Indigenen verheiratet war, die angeblich von einem Panther getötet wurde. Weil nun der Lebensraum der Indigenen durch den multinationalen Konzern, der den Regenwald für die Errichtung von Palmölplantagen roden will, bedroht ist, sollen sich Kéria und ihr Vater um ihren indigenen Cousin Selaï kümmern. Gegensätze prallen mit dem Mädchen, das auf Hip-Hop steht und stets am Handy hängt, und dem naturverbundenen Selaï aufeinander. Als Selaï genervt mit dem kleinen Orang-Utan in den Dschungel abhaut, folgt Kéria ihm, ist aber in der Wildnis bald verloren und auf die Hilfe des Cousins angewiesen, der im Leben und Überleben im Regenwald erfahren ist.
Die liebevolle und detailreiche Animation der Figuren und Schauplätze, die magischen Momente, die in der Schilderung des Regenwalds mit seinen vielfältigen Tieren und Flüssen sowie durch ein großartiges Sounddesign gelingen, und der perfekte Mix von spannenden und witzigen Momenten bieten nicht nur für Kinder, sondern auch für ein erwachsenes Publikum zahlreiche beglückende Momente. Ganz selbstverständlich erfolgt dabei auch ein Perspektivenwechsel hinsichtlich des Titels, denn während die Holzfäller in den Indigenen die „Sauvages“ – „die Wilden“ – sehen, macht der Film unmissverständlich klar, dass die eigentlichen Wilden die einzig am Profit orientierten Konzerne und ihre Handlanger sind.
Spielboden Dornbirn: Sa 3.1., 15 Uhr

Die jüngste Schwester – La petite dernière: Die 17-jährige Fatima (Nadia Melliti) ist gläubige Muslima, lebt in einer liebevollen algerischen Einwandererfamilie in einem Vorort von Paris, scherzt im Gymnasium mit ihren Mitschüler:innen und möchte nach der Matura Philosophie studieren. Lange nicht eingestehen will sie sich aber, dass sie Frauen liebt, ist Homosexualität mit ihrem Glauben doch nicht vereinbar. Zunehmend zerrissen ist sie so zwischen queerem Begehren und muslimischen sowie familiären Traditionen.
Hautnah folgt die Kamera von Jérémie Attard der von der Debütantin Nadia Melliti intensiv gespielten Protagonistin. Es gibt kaum Totalen, sondern es dominieren Großaufnahmen und nahe Einstellungen, die eine große Nähe zu den Figuren und Intimität herstellen. Lesen kann man so immer wieder vor allem in Mellitis Gesicht, in dem Fatimas Belastung bewegend sichtbar wird. Kaum einmal lächelt sie, sondern blickt meist bedrückt und zieht ihr Baseballcap tief ins Gesicht, um ihre Gefühle zu verbergen.
Mit Inserts spannt Hafsia Herzi in ihrem dritten Spielfilm die Handlung über die vier Jahreszeiten von einem Frühling bis zum nächsten Frühling. Der große zeitliche Rahmen verstärkt das Gefühl für den anhaltenden Druck, der auf Fatima lastet, ebenso wie die konsequente Fokussierung auf ihre Situation. Herzi dramatisiert dabei nicht, zeichnet aber in vielen präzisen und auch dank des starken Ensembles emotional dichten Szenen ein ebenso eindrückliches wie mitfühlendes Bild dieser Zerrissenheit.
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 7.1., 18 Uhr + Do 8.1., 19.30 Uhr 
Kinothek extra in der Kinothek Lustenau: Mo 12.1., 18 Uhr + Mi 21.1., 20 Uhr 
LeinwandLounge in der Remise Bludenz: Mi 4.2., 19 Uhr 
TaSKino Feldkirch im Kino GUK: Mo 2.2. bis Fr 6.2.

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