Aktuell in den Filmclubs (17.7. – 23.7.26) Walter Gasperi · Jul 2026 · Film
Beim Openairkino Heerbrugg läuft diese Woche der völlig überdrehte Thriller „The Housemaid – Wenn sie wüsste“. Beim Filmforum Bregenz steht dagegen im Kino Lindau mit „The Love That Remains“ ein isländisches Familienporträt auf dem Programm, das mit seinen surrealistischen Momenten irritiert.
The Housemaid – Wenn sie wüsste: Eine junge Frau (Sydney Sweeney) nimmt in der Luxusvilla eines superreichen Paares eine Stelle als Hausangestellte an. Doch der vermeintliche Traumjob kippt aufgrund der psychischen Verfassung (Amanda Seyfried) der Hausherrin bald in einen Albtraum.
Von Anfang an ist unklar, ob Paul Feig seine Figuren und die Handlung ernst nimmt oder ob er die Schilderung der scheinbar so heilen und glücklichen Welt der Oberschicht bewusst karikaturistisch überzeichnet. Dem satirischen Blick auf die Nachbarinnen steht so immer wieder die durchaus ernste Schikanierung und Bedrohung der Hausangestellten gegenüber. Doch einerseits untergräbt das hemmungslose Überziehen den Spannungsaufbau, andererseits schlägt sich Feig nicht entschieden auf die satirisch-komödiantische Seite.
So lebt dieser Thriller zwar von seinen zahlreichen Wendungen, doch während zumindest eine davon vorhersehbar ist, wirken andere wiederum völlig an den Haaren herbeigezogen. Nach linearem Beginn öffnen sich so etwa mit Perspektivenwechsel und Rückblenden ganz neue Sichtweisen auf die Figuren. Damit entwickelt sich „The Housemaid“ aber nicht nur vom Psycho- zum Erotikthriller, sondern schließlich auch zu einem weiteren Genre. Bis zum Ende, bei dem mit einer letzten Wendung schon eine Fortsetzung vorbereitet wird, steigert Feig dieses Spiel.
Handwerklich ist das durchaus kompetent inszeniert und auch die Hauptdarsteller:innen spielen mit spürbarer Leidenschaft. Sydney Sweeney sorgt mit ihrer Ausstrahlung dafür, dass man mit ihrer Hausangestellten leidet, während Amanda Seyfried als Hausherrin lustvoll outriert und Brandon Sklenar großartig zurückhaltend ihren smarten Gatten spielt. Wirklich Vergnügen kann diese trashige Produktion aber nur bereiten, wenn man das Gehirn ausschaltet. Ist man nicht dazu bereit, wird man aber über die Figuren und die zahlreichen wilden Wendungen, die der beachtliche 130 Minuten lange Film schlägt, immer wieder den Kopf schütteln.
Openairkino Heerbrugg, Schmidheiny Park, Heerbrugg: Sa 18.7., 21.30 Uhr (deutsche Fassung)
The Love That Remains: Der Isländer Hlynur Pálmason setzt in seinem im engen 4:3-Format gedrehten, vierten Spielfilm nicht auf stringente Narration, sondern auf fragmentierte Szenen, die nicht zwingend chronologisch angeordnet sind. Scheint nämlich am Beginn die Familie von Anna, Magnús und ihren drei Kindern noch intakt, so wird bald klar, dass sich das Paar vor Kurzem getrennt hat. Immer wieder sucht aber Magnús, der als Arbeiter auf einem Fischtrawler oft längere Zeit abwesend ist, Anna auf und auch sie ist immer wieder froh über die Möglichkeit nach einer Aussprache mit ihm.
Viel Zeit lässt sich Pálmason, um Magnús in seinem Beruf als Fischer und Anna bei ihrer Arbeit als Künstlerin mit Metallplatten zu zeigen. Der Rost, mit dem sie dann ihre Kunstwerke auf Leinwand druckt, kann auch als Metapher für die Erosion der Beziehung gelesen werden, gleichzeitig kann man im Gegensatz von Fischerei und Kunst ein Spiel mit Männlichkeit und Weiblichkeit sehen. Denn mehrfach geht es auch um männliche Übergriffigkeit, wenn das Drängen von Magnús zu heftig wird oder wenn ein Künstleragent Anna am Telefon sexuell anmacht, und auch versteckte Aggressionen werden sichtbar, wenn die Kinder eine sich verändernde Vogelscheuchen-Ritterfigur mit Pfeilen beschießen. Aber auch ein Zitat von Jack Arnolds „The Creature from the Black Lagoon“, der einmal im Fernsehen läuft, verweist auf das Spannungsfeld von Sehnsucht nach Nähe und Gewalt, von Erotik und Horror.
So zeichnet Pálmason vor dem Hintergrund der großartigen isländischen Landschaft ein poetisches Stimmungsbild einer zerbrochenen Familie im Wechsel der Jahreszeiten. Gleichzeitig lösen dabei surreale Momente, wie ein wohl mehr geträumter als realer Absturz eines Kleinflugzeugs, ein Schwert, das plötzlich vom Himmel fällt, oder ein riesiger Hahn, der Magnus nachts im Schlafzimmer angreift, immer wieder Irritation aus.
Filmforum Bregenz im Kino Lindau: Do 23.7., 19.30 Uhr (isländ. OmU.)
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