Aktuell in den Filmclubs (17.4. – 23.4.2026) Walter Gasperi · Apr 2026 · Film

Im Skino in Schaan wird diese Woche im Rahmen der Reihe „Kinokultur: cineastische Geschichten reflektieren“ mit einer moderierten Einführung David Lynchs verstörender Thriller „Mulholland Drive“ gezeigt. Beim Filmforum Bregenz steht dagegen im Parktheater Lindau unter anderem der sehr persönliche Dokumentarfilm „Wir Erben“ auf dem Programm, der über die vielfältigen Aspekte des Erbens reflektiert.

Mulholland Drive: Zwei Frauen in der Filmstadt Hollywood. Betty (Naomi Watts) ist ein naives Mädchen vom Lande und träumt vom Ruhm als Filmstar. Rita (Laura Harring) entkommt in einer grandiosen Eröffnungssequenz durch Glück einem Mordanschlag und verkriecht sich im Zimmer von Betty. Ein Filmregisseur soll gefeuert werden, einem Killer unterlaufen Fehler bei der Ausführung eines Auftrags, und ein Mann erzählt in einem Fastfood-Restaurant von seinem furchteinflößenden, sich wiederholenden Albtraum.
Szenen folgen aufeinander, scheinen sich zwar langsam zu einem Ganzen zu fügen, doch dann bricht David Lynchs „Mulholland Drive“, dessen Geschichte mehr aus Auslassungen als aus dem Gezeigten besteht, wieder völlig und die beiden Frauen, die inzwischen ein lesbisches Paar wurden, ändern ihre Identität. Bis zum Ende wird sich nichts lösen, wird nicht klar sein, wo der Angelpunkt des Films liegt, welche Szene in der Chronologie den Anfang und welche das Ende markiert, ob das Ganze ein Drogenrausch oder ein Traum ist und welche Rolle die Theaterszenen spielen. 
Ratlos bleiben die Zuschauer:innen zurück, doch gleichzeitig auch erfüllt von 150 Minuten virtuosestem Kino. Unglaubliche Szenen gelingen Lynch, der mit einer meisterhaften Farb-, Licht- und Raumdramaturgie und einem grandiosen Sound-Design durchgehend eine beunruhigende Atmosphäre erzeugt.
Skino Schaan: Di 21.4., 20.15 Uhr (engl. OmU.)

Wir Erben: Mit seinem persönlichen Voice-over und einem Kindheitsfoto schafft Simon Baumann sofort Nähe und zieht das Publikum in seinen Dokumentarfilm hinein. Auf diesem Polaroidfoto sieht man den etwa achtjährigen Simon mit einer Holzkamera, die – wie der Regisseur erklärt – von seinem Vater selbst gebastelt wurde, während die Haare ihm von der Mutter geschnitten wurden. Unterstützt von Ausschnitten von TV-Auftritten in den 1980er Jahren erinnert sich der Regisseur aber auch an das politische Engagement seiner Eltern, die Vordenker der ökologischen Landwirtschaft waren und sich politisch engagierten. Weil die Schweiz aber nicht der EU beitrat, zog sich das Ehepaar 2003 von der Politik zurück und wanderte mit dem Kauf eines Hofs in Südfrankreich in die EU aus. Mit 70 Hektar ist das Landgut nicht gerade klein und angesichts der 74 bzw. 76 Jahre von Ruedi und Stephanie stellt sich die Frage, was damit geschehen soll.
Unterbrochen von Blicken auf das Bauernhaus und die weiten Felder sowie alltägliche Arbeiten im und um das Haus diskutiert Simon mit seinen Eltern die Frage nach der Zukunft des Hofes. Gleichzeitig weitet sich „Wir Erben“ mit dieser Diskussion zu einer grundsätzlichen Frage übers Erben. Da sinniert Simon nicht nur darüber, was er körperlich vom Vater und was er von der Mutter geerbt hat, sondern wirft auch die Frage auf, ob Erben überhaupt sozial gerecht ist, da dadurch Privilegierte, ohne einen Finger zu krümmen, zu Besitz kommen, während andere nichts erhalten.
So gelingt es dem 46-jährigen Schweizer einerseits durch die Konzentration auf seine Familie große Nähe herzustellen, andererseits kann er an ihrer ganz persönlichen Situation und Geschichte treffend gesellschaftliche Fragen verhandeln. Nie wird der Film dabei trocken und theoretisch, sondern bleibt durch das konkrete Beispiel sowie den warmherzigen Blick und das Gespür für Witz immer sehr unterhaltsam, regt aber auch zum Nachdenken an.
Filmforum Bregenz im Parktheater Lindau: Do 23.4., 19.30 Uhr (schwyzerdütsch mit deutschen UT.)

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