Aktuell in den Filmclubs (16.1. – 22.1.2026) Walter Gasperi · Jän 2026 · Film

Der FKC Dornbirn und der Spielboden Dornbirn zeigen diese Woche Christian Petzolds luftigen Sommerfilm „Miroirs No. 3“. In der LeinwandLounge in der Remise Bludenz und in der Kinothek Lustenau steht dagegen Joachim Triers großartiges Familiendrama „Sentimental Value“ auf dem Programm. – Beide Filme sind in den folgenden Wochen auch an weiteren Spielstätten zu sehen.

Miroirs No. 3: Im Mittelpunkt von Christian Petzolds abschließendem Film seiner Trilogie der Elemente steht die Klavierstudentin Laura (Paula Beer). Bei einem Autounfall stirbt ihr Freund, sie bleibt dagegen nahezu unverletzt. Allerdings wirkt sie völlig verloren, wird aber von Betty (Barbara Auer), die als Erste am Unfallort war und in der Nähe wohnt, aufgenommen. Aber auch diese ältere Frau scheint die Vergangenheit zu belasten.
Souverän verbindet Petzold das Luftig-Helle, das „Miroirs No. 3“ durch die spätsommerliche Uckermark ausstrahlt, mit märchenhaften oder thrillerhaften Momenten. Großartig wird die scheinbar luzide und klare Oberfläche immer wieder mit Momenten der Verunsicherung durchsetzt. Wie in „Gespenster“ (2005), „Yella“ (2007) oder „Phoenix“ (2014) erscheint auch hier die Protagonistin als Wiedergängerin einer Toten, die erst langsam wieder ins Leben zurückfinden muss. Zunehmend gelöster wird so die Erzählweise, wenn der Weg Lauras von Trauer und Verlust zu Befreiung und Heilung führt.
„Miroirs No. 3“ ist – wie alle Filme Petzolds – kein Film, der seine Kunst ausstellt, sondern besticht vielmehr durch die Fülle an feinen Details bis hin zur Musikauswahl, bei der neben Stücken von Ravel und Chopin auch die Popsongs „The Night“ von Frankie Valli and the Four Seasons und „You Go to my Head“ von Mathilde Santing stehen. Vor allem aber ist es in seinen Bildern und Motiven ein unverkennbares Werk von Christian Petzold, der sich einerseits treu bleibt, dessen Filme nach seinen spröden Anfängen aber zunehmend leichter, sanfter und versöhnlicher werden.  
Spielboden Dornbirn: Di 20.1., 19.30 Uhr (deutsche OV)
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 21.1., 18 Uhr + Do 22.1., 19.30 Uhr (deutsche OV)
Kinothek extra in der Kinothek Lustenau: Mi 11.2., 20 Uhr + Mo 16.2., 18 Uhr (deutsche OV)
Kinotheater Madlen, Heerbrugg: Mi 2.3., 20.15 Uhr (deutsche OV)
LeinwandLounge in der Remise Bludenz: Mi 18.3., 19 Uhr (deutsche OV)

Sentimental Value: Ein egozentrischer Regisseur (Stellan Skarsgård), dem seine Karriere immer wichtiger war als die Familie, knüpft wieder Kontakt zu seinen beiden inzwischen erwachsenen, aber ihm entfremdeten Töchtern. Während Agnes (Inga Ibsdotter Lilleaas) ein glückliches Familienleben führt, ist Nora (Renate Reinsve) eine allein lebende, psychisch labile Schauspielerin. Mit ihr will der Vater einen letzten großen, autobiographisch beeinflussten Film drehen, doch Nora reagiert abweisend.
Meisterhaft lotet Joachim Trier die schwierigen familiären Beziehungen aus. Souverän spielt der 51-jährige Norweger aber auch mit dem Verhältnis von Kunst und Leben und thematisiert die Differenz zwischen Theater und Film, wenn der Theaterschauspielerin Nora der US-Filmstar Rachel Kemp (Elle Fanning) gegenübergestellt wird. Nicht nur diese beiden Schauspielerinnen sind mit Renate Reinsve und Elle Fanning großartig besetzt, sondern der selbstgefällige Vater ist auch eine Paraderolle für Stellan Skarsgård. Mag er auch immer sanft lächeln und sich selbstsicher geben, so schimmern hinter der Fassade doch auch quälende Schuldgefühle durch. Perfekter Gegenpol zu Reinsves Nora ist aber auch Inga Ibsdotter Lilleaas als Agnes, die im Gegensatz zu ihrer Schwester versöhnlicher auf den Vater blickt.
Neue filmische Wege beschreitet Trier nicht, erzählt aber wunderbar rund bis zum Finale, in dem der Realität die Möglichkeit auf Hoffnung und Versöhnung durch die Kunst gegenübergestellt wird. 
LeinwandLounge in der Remise Bludenz: Mi 21.1., 19 Uhr (norweg.-engl. OmU)
Kinothek extra in der Kinothek Lustenau: Mo 26.1., 18 Uhr + Mi 4.2., 20 Uhr (norweg.-engl. OmU)
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 18.2., 18 Uhr + Do 19.2., 19.30 Uhr (norweg.-engl. OmU)
Filmforum Bregenz im Parktheater Lindau: Do 19.2., 19.30 Uhr (norweg.-engl. OmU)

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