Aktuell in den Filmclubs (12.12. – 18.12. 2025) Walter Gasperi · Dez 2025 · Film

Das Alte Kino Rankweil zeigt diese Woche Peter Cattaneos Feelgood-Movie „Der Pinguin meines Lebens“. Im Skino Schaan steht dagegen mit David Lynchs Langfilmdebüt „Eraserhead“ ein abgründiger Kultfilm auf dem Programm.

Der Pinguin meines Lebens: 2016 verarbeitete der Brite Tom Michell in seinem autobiographischen Buch „Der Pinguin meines Lebens“ seine Erlebnisse mit einem Pinguin im Argentinien des Jahres 1976. Als 24-Jähriger unterrichtete Michell damals an einem Jungeninternat in Buenos Aires Englisch. In Peter Cattaneos Verfilmung wird aus dem abenteuerlustigen Junglehrer ein zynischer Mittfünfziger (Steve Coogan). Die Schüler interessieren ihn zunächst so wenig wie der Militärputsch durch General Videla, doch dann tritt ein Pinguin in sein Leben, den er gerettet hat, um einer Frau zu imponieren. Zwar möchte er den watschelnden Begleiter rasch wieder loswerden, doch dieser lässt sich nicht abschütteln. Langsam entwickelt sich so nicht nur eine Freundschaft, sondern Michell wandelt sich auch vom teilnahmslosen Zuschauer zu einem Menschen, der an seiner Umwelt Anteil nimmt, engagierter zu unterrichten beginnt und auch Zivilcourage entwickelt.
Stimmig verankert Cattaneo die Handlung mittels Ausstattung und Kostümen im Argentinien der 1970er Jahre. Gekonnt mischt er komödiantische und ernste Töne, lässt aber Schärfe im Blick auf die Brutalität der Militärdiktatur weitgehend vermissen und fokussiert auf die Geschichte der ungewöhnlichen Freundschaft. Herrlich trocken spielt Steve Coogan den Lehrer und dessen Wandlung, dennoch stiehlt ihm der Pinguin, der mit seinem Watschelgang und seiner Hilfsbedürftigkeit nicht nur die Herzen der anderen Filmfiguren, sondern auch die der Zuschauer:innen auf Anhieb erobert, immer wieder die Show. So funktioniert „Der Pinguin meines Lebens“ trotz Schwächen auch dank markant gezeichneter Nebenfiguren als ebenso warmherziges wie unterhaltsames Feelgood-Movie. 
Altes Kino, Rankweil: Mo 15.12., 15 Uhr

Eraserhead: Im Zentrum von David Lynchs 1977 entstandenem Langfilmdebüt steht der junge Henry Spencer (Jack Nance), der in einer trostlosen, verfallenden Industriegegend wohnt und in einer Fabrik arbeitet. Nie bekommt man den Himmel zu Gesicht, und die stets in Halbdunkel getauchten Schwarzweißbilder und ungewöhnlichen Perspektiven der Kameramänner Frederick Elmes und Herbert Cardwell verstärken die düstere Atmosphäre dieses Films, der sich zeitlich nicht einordnen lässt.
Zunehmend schleicht sich auf der Handlungsebene Surreales ein: Seltsam schräg wirken die Eltern von Henrys Freundin Mary (Charlotte Stewart), bei denen der junge Mann ein Hühnchen tranchieren soll, das plötzlich wieder lebendig wird und zu bluten beginnt. Hier erfährt Henry auch, dass Mary ein missgebildetes Kind geboren hat und er sie nun heiraten soll.
Gemeinsam bezieht das Paar eine kleine Wohnung, doch bald flieht Mary, da sie das ständige Geschrei des Babys nicht aushält. Mit seinem an E.T. erinnernden Kopf und einem ganz in Mullbinden eingewickelten Körper ist dieses Wesen der heimliche Star des Films. Auch Henry belastet dessen Geschrei, und er taucht in verstörende Träume ab.
Wie später in „Blue Velvet“ oder „Wild at Heart“ trifft damit schon hier eine heile und kitschige Welt auf das Abgründige. Letzteres dominiert freilich, und entscheidend trägt neben der Bildebene und Details wie Glühbirnen, einem Heizkörper und Föten, die sich durch den Film ziehen, auch das Sounddesign zur beklemmenden Atmosphäre bei. Aus einer im Grunde simplen Geschichte um eine Ehe und eine ungewollte Elternschaft wird so ein singulärer und verstörender Trip, in dem Realität, Wahn und Traum verschwimmen.
Skino Schaan: Di 16.12., 20.15 Uhr

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