Aktuell in den Filmclubs (10.7. – 16.7.2026) Walter Gasperi · Jul 2026 · Film

Die Zeit der Open-Air-Kinos startet mit hardmovie und dem Openairkino Heerbrugg, wo unter anderem mit Craig Brewers „Song Sung Blue“ ein herzerwärmendes Biopic über ein Neil Diamond-Tribute-Duo gezeigt wird. Beim FKC Dornbirn steht dagegen diese Woche mit „Gavagai“ eine dicht gewobene Satire über Rassismus, Kolonialismus und Machtverhältnisse auf dem Programm.

Gavagai: Während der Dreharbeiten zu einer Verfilmung von Franz Grillparzers Version des klassischen „Medea“-Stoffes an der senegalesischen Atlantikküste werden Spannungen innerhalb des multikulturellen Teams spürbar. Da befetzen sich nicht nur die französische Regisseurin (Nathalie Richard) und die deutsche Hauptdarstellerin Maja (Maren Eggert), sondern auch die afrikanischen Crew-Mitglieder fühlen sich mehrfach benachteiligt, und auch Differenzen zwischen dem afrofranzösischen männlichen Hauptdarsteller Nourou (Jean-Christophe Folly) und seinem Vater werden sichtbar. Gleichzeitig gibt es aber auch eine Affäre zwischen Nourou und Maja, die aber auch in Berlin verheiratet ist und zwei Kinder hat.
So spiegelt sich in der Filmhandlung der Culture Clash von „Medea“, gleichzeitig wird er aber auf den Kopf gestellt, wenn hier die Fremde eine Weiße ist und die Afrikaner der antiken griechischen Kultur entsprechen. Immer wieder gehen dabei Szenen der „Medea“-Verfilmung, bei der der Stoff sehr frei und kühn variiert wird, in Szenen vom Spannungsfeld zwischen weißer Regisseurin und Einheimischen über.
Nichts wird in Ulrich Köhlers sechstem langem Spielfilm aber aufgesetzt diskutiert, sondern entwickelt sich beiläufig aus der Handlung. Abrupt wechselt Köhler von Westafrika zur bevorstehenden Filmpremiere in Berlin. Zurückhaltend reagiert nun Maja gegenüber Nourou, will ihn nicht in ihr Leben hineinlassen, ergreift aber gleichzeitig vehement für ihn Partei, als er beim Betreten des Hotels im Gegensatz zu anderen Gästen von einem Security-Mann genau kontrolliert wird.
Eindrücklich zeigt Köhler entsprechend dem Titel „Gavagai“, der einem Gedankenexperiment entnommen ist, mit dem der amerikanische Philosoph W. V. O. Quine aufzeigte, dass Übersetzungen nie eindeutig sind, wie leicht durch den Culture- und Sprachenclash Missverständnisse und Konflikte entstehen können. Der offene und ambivalente Blick macht diesen Spielfilm dabei zu einem ebenso spannenden wie intellektuell an- und aufregenden Kinostück, das statt Antworten zu bieten vor allem beobachtet und die Zuschauer:innen zwingt, sich selbst mit dem komplexen Themenfeld auseinanderzusetzen.
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 15.7., 18 Uhr + Do 16.7., 19.30 Uhr – mehrsprachige OmU.

Song Sung Blue: Mit viel Musik und viel Gefühl erzählt Craig Brewer die Geschichte von Mike und Claire Sardina, die in den 1990er und frühen 2000er Jahren in Milwaukee als Neil Diamond-Tribute-Duo Lightning & Thunder lokale Bekanntheit erlangten.
Statt von berühmten Stars erzählt Craig Brewer, den Greg Kohs’ Dokumentarfilm „Song Sung Blue“ (2008) zu seinem Spielfilm inspirierte, von zwei einfachen Menschen und ihren großen Träumen. Gemeinsam ist den klassischen Biopics dabei die Struktur mit Aufstieg, abruptem Fall und Comeback. Dicht fängt Brewer am Beginn das wenig glamouröse Milieu der Jahrmärkte und Casinos, in denen Mike auftritt, aber auch seine finanziellen Probleme ein. Dieser Blick fürs Milieu geht aber weitgehend verloren, sobald die Liebesgeschichte von Mike und Claire, die von Hugh Jackman und Kate Hudson mit spürbarer Leidenschaft gespielt werden, ins Zentrum rückt. Bruchlos scheint sich mit Mikes Tochter und Claires Kindern eine Patchworkfamilie zu bilden, in der alle nett zueinander sind. Auch die prekäre finanzielle Situation spielt fast keine Rolle mehr, und auch andere auftretende Probleme lösen sich immer wieder zu schnell und zu leicht auf.
Wirkungsvoll ist das zwar inszeniert und wie die Songs von Neil Diamond, die von „Sweet Caroline“ über „Touching You, Touching Me“ und „Cracklin’ Rosie“ bis zu dem vom Publikum wenig geliebten „Soolaimon“ breit ausgespielt werden, schürt auch Brewer gekonnt Emotionen. Durchaus zu bewegen vermag dieser Mix aus Liebesfilm, Familiengeschichte und Musiker-Biopic so zwar, und bietet auch zwei ebenso unterhaltsame wie herzerwärmende Kinostunden, bleibt aber auch zu oberflächlich, um Nachdruck zu entwickeln. 
hardmovie – kino am see, Festwiese am See: Fr 10.7., 21.30 Uhr – deutsche Fassung
Openairkino Heerbrugg, Schmidheiny Park: So 12.7., 21.30 Uhr – engl. OmU.

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