Vor den Vorhang: Dagmar Ullmann-Bautz
40 Jahre KULTUR: Langjährige KULTUR-Schreiber:innen kurz vorgestellt
Peter Füssl · Sep 2026 · Jubiläum

Schon als Jugendliche stand sie selber auf der Bühne, engagierte sich während des Studiums der Pädagogik und Psychologie in unterschiedlichsten Theaterprojekten und absolvierte eine theaterpädagogische Ausbildung in Salzburg. Nach zehn Jahren als Sozialarbeiterin mit dem Schwerpunkt auf Theaterpädagogik im Jugendbereich übernahm Dagmar Ullmann-Bautz von 1990 bis 2020 die Geschäftsführung des Landesverbandes für Amateurtheater. Vor 37 Jahren gründete sie das anartTHEATER in Hard, mit dem sie als Regisseurin zahlreiche Uraufführungen inszenierte. Von 2012 bis 2020 kuratierte sie das Literaturfestival HardCover, und schon seit mehr als 20 Jahren nutzt sie ihr umfangreiches Wissen in allen Theaterbereichen auch für ihre journalistische Arbeit. Anfangs in den VN, seit mehr als 20 Jahren mit großer Regelmäßigkeit in der KULTUR.

Peter Füßl: Wann hast du zum ersten Mal Theaterblut geleckt, und wann war klar, dass das Theater dein Lebensthema wird?
Dagmar Ullmann-Bautz: Ich war 15 und damals Stammgast im Jugendzentrum DOCK in Hard, wo der damalige Leiter Gebi Vetter eine Jugendtheatergruppe ins Leben gerufen hatte. Meine erste Rolle war ein übergewichtiger Kunsthändler, Liebhaber von Rubens-Bildern – und da war es um mich geschehen. Anschließend kam ich unter die Fittiche von Marlene Vetter, die mich gefordert und gefördert hat.
Füßl: Du hast 30 Jahre lang den Landesverband für Amateurtheater geleitet. Was hat sich in dieser Zeit Wesentliches getan?
Ullmann-Bautz: Mit meiner Anstellung haben wir den Landesverband auf professionelle Beine gestellt. Das Programm für Aus- und Weiterbildung in allen Theaterbereichen wurde umfangreicher, und wir haben große internationale Festivals veranstaltet. Gruppen aus Japan, Kolumbien, den USA, Armenien, Russland, Marokko und ganz Europa waren in Vorarlberg zu Gast. Die Seniorentheaterszene ist gewachsen, und auch im Bereich Schultheater waren wir Vorreiter in Österreich. Wir hatten die ersten Schultheatercoaches, deren Finanzierung durch Bund und Land wir erkämpft haben.
Füßl: Wie siehst du das Vorarlberger Landestheater und die aktuellen Diskussionen um die Intendantin Stephanie Gräve?
Ullmann-Bautz: Das Landestheater hat sich in den letzten Jahren unter der Leitung von Stephanie Gräve von einem eher konservativen und etwas altbackenen Provinztheater in ein spannendes, auch von außen beachtetes urbanes Theater gewandelt, das ein junges Publikum anzieht und auch regionalen Themen und Künstler:innen Raum gibt. Den Umgang mit Frau Gräve empfinde ich von außen betrachtet als äußerst beschämend und unwürdig. Ich denke, das wird dem Ruf und dem Betrieb des Landestheaters gleichermaßen kurz- wie langfristig schaden.
Füßl: Ab Ende der 1980er Jahre entstanden zahlreiche professionelle Theatergruppen: aktionstheater ensemble, Projekttheater Vorarlberg, Theater Kosmos, Theater Wagabunt, walktanztheater.com, Café Fuerte, Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung etc. Was bedeutet diese „Theaterflut“ für das Land und für dich persönlich?
Ullmann-Bautz: Diese Vielfalt, die sich da plötzlich aufgetan hat, war für die Kulturlandschaft im Land einfach großartig. Natürlich gestaltete sich das für die einzelnen Gruppen schwierig, da die Konkurrenz und der Kampf um öffentliche Förderungen und um Publikum dementsprechend größer wurden. Für mich persönlich war es ein großes Glück, so viel unterschiedliches, engagiertes und hochprofessionelles Theater sehen zu können.
Füßl: Seit 1989 leitest du das von dir gegründete anartTHEATER Hard. Was bedeutet es für dich, Regie zu führen?
Ullmann-Bautz: Es macht mich einfach glücklich. Es ist ein kreativer Prozess, der allein zu Hause beginnt, sich in der Gruppe entfaltet, zu blühen beginnt und in der Aufführung sein Finale findet.
Füßl: Du schreibst seit Jahrzehnten Vorberichte und Kritiken – oft gemeinsam mit Heinz Franziska. Was bedeutet für dich die journalistische Arbeit? Welche Produktionen findest du besonders reizvoll und berichtenswert?
Ullmann-Bautz: Es ist für mich ein großes Glück, über Theater schreiben zu dürfen, und das noch größere Glück ist es, dies gemeinsam mit meiner Partnerin Heinz Franziska zu tun. Sich gemeinsam auseinanderzusetzen, zu diskutieren, um Formulierungen zu ringen, ist ein spannender Prozess, der den Blick auch immer weitet. Wir ziehen keine bestimmten Produktionen vor: Jede Produktion, jede:r Künstler:in ist etwas Besonderes und hat etwas Einzigartiges, und wir sind uns bewusst, wie viel Herzblut und Engagement hinter jeder einzelnen Produktion steckt.
Füßl: Was fällt dir zu „40 Jahre KULTUR“ ein?
Ullmann-Bautz: Die KULTUR war und ist ein immens wichtiges Organ in unserem Land. Die Unterstützung für Künstlerinnen und Künstler, der wache Blick auf unterschiedlichste Ausrichtungen von Kunst und Kultur, die Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Themen und die offenen Augen und Ohren der Journalist:innen waren und sind für eine freie Gesellschaft unersetzlich.

Dieser Artikel ist bereits in der Print-Ausgabe der KULTUR Juni 2026 erschienen. Hier geht es zum E-Paper.

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