Vor den Vorhang: Anita Grüneis
40 Jahre KULTUR: Langjährige KULTUR-Schreiber:innen kurz vorgestellt
Peter Füssl · Sep 2026 · Jubiläum

Die aus Roth bei Nürnberg stammende Anita Grüneis lebt seit 1968 in Liechtenstein, wo sie unter anderem als PR-Managerin, Personalchefin, Kommunikationsleiterin und Journalistin tätig war bzw. ist. Sie ist auch schriftstellerisch aktiv, hat fünf Bände der Kinderbuch-Serie „Lisa und Max“ geschrieben, eigene Gedichte und Prosa in Büchern, diversen Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht und an Sachbüchern mitgearbeitet (u. a. mit dem Extremsportler Andrea Clavadetscher oder der Schmerzpatientin Caroline Egger-Batliner). Seit 2000 schreibt Anita Grüneis auch regelmäßig für die KULTUR.

Peter Füßl: Was hat dich in den Roaring Sixties dazu bewogen, ausgerechnet in Liechtenstein sesshaft zu werden?
Anita Grüneis: Die Liebe. Er wohnte schon seit neun Jahren in Liechtenstein, und ich wusste nicht einmal, wo das Land liegt. Als das „Wir“ nach zehn Jahren zerbrach, bin ich in Liechtenstein geblieben, ich hatte inzwischen den Dialekt verstanden.
Füßl: Wie bist du zum Journalismus gekommen und was waren deine wichtigsten Stationen?
Grüneis: Meine erste Oper sah ich mit 15 Jahren: „Der Bajazzo“ hat mich tief beeindruckt, und ich schrieb eine erste Kritik für die Schülerzeitung. Weitere folgten. Nach der Scheidung heuerte ich beim „Liechtensteiner Volksblatt“ an, schrieb als Lokaljournalistin über alles, spezialisierte mich dann aber auf die Kultur. Da die Arbeit mit zwei kleinen Kindern zu wenig einbrachte, wechselte ich in die Industrie für den Haupterwerb, habe aber nebenher immer über kulturelle Ereignisse geschrieben. So wurde ich dann auch Korrespondentin für das „St. Galler Tagblatt“, die „Bündner Zeitung“ (heute „Südostschweiz“) und das Magazin „Musik und Theater“.
Füßl: Die KULTUR, für die du seit 26 Jahren regelmäßig schreibst, war stets an der Liechtensteiner Szene interessiert. 1996 formierte sich in Vaduz sogar ein leider eher kurzlebiger Verein „Kultur-Zeitschrift Liechtenstein-Vorarlberg“. Welche Erfahrungen machst du als KULTUR-Schreiberin? 
Grüneis: Die Kulturschaffenden im Land kennen die KULTUR, sonst ist sie eher weniger bekannt und wird in den letzten Jahren des Öfteren mit der KUL verwechselt, der Kulturbeilage des Medienhauses, die jeden letzten Freitag/Samstag im Monat mit dem „Liechtensteiner Vaterland“ erscheint.

So viel Kultur wie heute gab es noch nie!

Füßl: Kaum jemand kennt die Liechtensteiner Kulturszene so gut wie du. An welchen Projekten hast du selber mitgewirkt, und was hat sich in den letzten vierzig Jahren wesentlich verändert?
Grüneis: Als ich 1968 nach Liechtenstein kam, gab es gerade mal das TAK. Liechtenstein war in jener Zeit kulturell eine Wüste. Ich habe im TAK gerne ausgeholfen, egal was zu tun war. Gleichzeitig genoss ich die Nähe zu den Künstlerinnen und Künstlern und begann Interviews zu schreiben. Ein weiterer wichtiger Meilenstein war für mich die Zusammenarbeit mit Robert Allgäuer, damals Kulturbeirat der Fürstlichen Regierung. So begleitete ich 1988/89 die Wanderausstellung „Zeitgenössisches Kulturschaffen“ mit Werken von 20 Künstler:innen durch Luxemburg und die Schweiz. Eine weitere wichtige Station war meine dreijährige Anstellung im TAK mit dem damaligen Intendanten Kurt Weiss. Und in meinen Jahren bei Radio Liechtenstein habe ich das Schreiben neu entdeckt: Hier mussten Nachrichten kurz und klar sein. Die Liechtensteiner Kulturlandschaft hat sich in den letzten 50 Jahren massiv verändert – so viel Kultur wie heute gab es noch nie! Egal ob Theater, Musikschaffen, Bildende Kunst, Literatur oder Kleinkunst – das Angebot ist riesig!
Füßl: Wer waren bzw. sind die zentralen Persönlichkeiten und Impulsgeber?
Grüneis: Für das Land waren es sicher Alois und Dodo Büchel (Gründung TAK 1970), Pepi Frommelt (1. Direktor nach Gründung der Musikschule 1963), Robert Allgäuer (u. a. Gründer Landesbibliothek 1961, Verleger und Kulturbeirat von 1985 bis 1994), Bruno Kaufmann (Gründer Kunstschule 1993), Dražen Domjanić (Gründer u. a. von Vaduz Classic 2017 und Hagen-Haus 2024). 
Füßl: Du bist selber auch auf vielfältige Weise literarisch tätig. Was inspiriert dich?
Grüneis: Ich schreibe, wenn ich das Bedürfnis habe etwas für mich zu klären oder mich innerlich zu ordnen. Das geschieht, wenn ich sehr glücklich oder sehr traurig bin, aber nicht auf der Null-Linie. Auch meine drei Enkelinnen und zwei Enkel inspirieren mich.
Füßl: Gibt es Vorbilder und/oder Lieblingsautor:innen, und was macht sie dazu?
Grüneis: Ich habe zwei Lieblingsautoren: Douglas Adams und Walter Moers. Ich mag ihren Humor und ihre Fantasie. Von Moers habe ich alle Bücher gelesen, von Adams ist „Per Anhalter durch die Galaxis“ mein Favorit.
Füßl: Gibt es jenseits der Kultur auch andere Hobbies oder Leidenschaften?
Grüneis: Seit meiner Pensionierung bastle ich alle Arten von Schmuck und Dekorationen. Ich brauche die Handarbeit neben all der Kopfarbeit.
Füßl: Was fällt dir zu „40 Jahre KULTUR“ ein?
Grüneis: Ein tolles Team! Und Danke für die gute Zusammenarbeit.

Dieser Artikel ist bereits in der Print-Ausgabe der KULTUR Juli/August 2026 erschienen. Hier geht es zum E-Paper.

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