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14.04.2017 |  Dagmar Ullmann-Bautz

Wenn Alpträume das Leben bestimmen – eine philosophische Studie im Kosmodrom

Dass das Theater Kosmos junge Autorinnen und Autoren fördert, ist bekannt. Dass im Kosmodrom, dem kleinen Theater im Foyer des Theater Kosmos, drei bis viermal im Jahr neue Stücke dieser jungen Schreibenden auch gezeigt werden, darf sich ruhig noch etwas mehr herumsprechen. Denn meist sind es kleine Juwelen, die hier als Low-Budget-Produktionen gezeigt werden.

Seit 2013 kuratiert Regisseur Stephan Kasimir in Kooperation mit Literatur Vorarlberg das Kosmodrom-Programm. Die jungen Talente aus den Bereichen Literatur und darstellender Kunst erhalten hier ein professionelles Umfeld, um sich zu profilieren. Die Qualität der Texte ist meist zum Staunen, genauso wie die künstlerische Arbeit der RegisseurInnen, der AusstatterInnen und der SchauspielerInnen, die in einer immens kurzen Zeit, meist nur 10 Tage, wahrlich kreative und faszinierende Arbeit leisten.

Pathologische Szenerie


So gesehen auch gestern Abend. Das neue Stück der 21-jährigen, in Bregenz geborenen und aufgewachsenen, Katharina Klein feierte in der Regie von Rebecca Selles seine Uraufführung. „Warum die Hunde bellen // Da legen wir einfach die Süddeutsche drüber“ ist ein höchst spannender, philosophisch psychologischer Text. Er erzählt von Menschen, die in Beziehungen stecken bleiben, die sie nicht mehr glücklich machen, von Menschen, die vor lauter Angst vergessen zu leben. Hohe Ansprüche und ständiger Druck anstelle von Offenheit, Respekt und gegenseitiger Achtsamkeit, münden in einem makabren Versteckspiel hinter Masken und endet schließlich in beängstigenden Alpträumen. Diese pathologische Szenerie aus der Feder einer so jungen Frau macht Staunen.

Sensibel und mit großem Einsatz


Was Regie und Ausstattung aus dem Text schufen, begeistert nicht weniger. Rebecca Selles, eigentlich Schauspielerin, gebührt dafür größte Anerkennung. Nach einem Kinderstück ist dies ihre zweite Regiearbeit, die sie unter dem Druck einer allzu kurzen Probenzeit bravourös absolvierte. Selles hat aus der Not, dass ihr nur zwei und nicht, wie im Stück vorgesehen, drei SchauspielerInnen zur Verfügung standen, eine Tugend gemacht. Die Ehefrau mit einer Puppe zu besetzen, hat sich als stimmiges und großartiges Element erwiesen. Die Führung der Figuren ist klar und genau, die Psychologie fein säuberlich herausgearbeitet. Auch die Ausstattung von Mandy Hanke überzeugt und bildet mit dem Stück, der Inszenierung eine großartige Einheit, ein Ganzes. Luftkissenfolie, Luftballons, eine Luftpumpe skizzieren die Welt des Protagonisten namens Weiß, von Philipp Scholz, zuletzt zu sehen in Bludenz bei Shakespeare am Berg, sehr sensibel und mit starkem Ausdruck gespielt. Genauso überzeugend Kathrin Jaehne als Clownin, die ihre Figur, unter großem körperlichen Einsatz, herrlich witzig und bitterböse darstellt.

Schade ist, dass es nach der Premiere nur noch eine Aufführung dieser sehenswerten Produktion am 15.04.2017 geben wird. Das Publikum bedankte sich mit begeistertem Applaus bei allen KünstlerInnen - der Schauspielerin, dem Schauspieler, dem Leadingteam und der Autorin.

 

Weitere Vorstellung: Sa. 15. April, 20.30 Uhr 

Beeindruckend: Philipp Scholz und Kathrin Jaehne

Beeindruckend: Philipp Scholz und Kathrin Jaehne

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