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14.08.2009 |  Dagmar Ullmann-Bautz

Und der himmel weinte dazu – „Liebesdienste“ gespielt vom theater_sub_text in Koproduktion mit Kunst aus der Zeit und Seelax

Gestern erlebte das Freudenhaus Bregenz einen Theaterabend der ganz besonderen Art. Einen Theaterabend, der erschütterte, der lachen ließ, der berührte, der zornig machte und auch wieder versöhnte. Einen Theaterabend zum Thema Sexarbeit in und um Vorarlberg, gespielt in Ländles einzigem Freudenhaus, dem Kulturtempel am Bregenzer Seeufer.

Großartiger Text - eindrucksvolle Regiearbeit

Zwei Frauen, unterstützt von einem hervorragenden Team, bewiesen enormen Mut, große Entschlusskraft und vor allem bemerkenswertes Können: Brigitta Soraperra und Annette Raschner. Ein Jahr lang haben die beiden Gespräche geführt, mit Menschen aus dem und um das „Milieu“, mit Prostituierten, Zuhältern, Sozialarbeiterinnen und Freiern. Gespräche, die sie zu Tränen rührten, die sie staunen ließen und wütend machten.
Annette Raschner brachte die Protokolle in eine literarische Form, schuf einen großartigen Text, mischte  Monolog und Dialog, formulierte mit eindrücklichen Worten, mit dem richtigen Maß an Humor und spielte zielsicher mit sprachlichem Stil. Brigitta Soraperra inszenierte den Abend, führte die Schauspielerinnen und den Schauspieler mit hervorragendem Geschick, großem Respekt vor den Menschen, mit Liebe und einem eindrucksvollen kreativen Potential.

Keine Hintertürchen ...

Der Abend beginnt sehr lustig, die Schauspielerinnen in schrillen, eindeutigen Kostümen präsentieren den banalen Alltag von Telefonsex-Arbeit. Auf den Podesten mit Stange, auf der Bühne mit Glitzervorhang und auch mitten im Publikum (Kostüm und Bühne Nicole Henning) steigert sich der Theaterabend, lässt den Atem anhalten, leer schlucken, fordert das Publikum. Und es bleibt kein Hintertürchen - „es ist ja nur Theater“. Nein, jeder Satz ist Realität.
Der emotionale Höhepunkt des Premierenabends wurde von der Natur aufs Wundersamste unterstützt. Als die gequälte geknebelte, gefesselte Kreatur seine Verzweiflung herausschrie, öffnete der Himmel seine Schleusen und weinte dazu. Es wirkte angenehm versöhnlich, als anschließend der LIEDERmännerChor Alberschwende seine schönen Stimmen erhob. Dass ein positives Beispiel den Theaterabend beendete, war keineswegs verharmlosend - im Gegenteil, es machte klar, wie diskret und friedlich, wie menschenwürdig und respektvoll Prostitution sein kann, wenn sie nicht durch Kriminalisierung entmenschlicht und brutalisiert wird.

Hervorragende SchauspielerInnen

Die Schauspielerinnen Oriana Schrage, Ute Sengebusch und Dagmar Rohm haben den Abend getragen, waren unwahrscheinlich präsent in jeder Figur, als Nutte, Freier oder Zuhälter. Sie haben sich mutig, engagiert dem Thema ausgesetzt und gepunktet. Genauso Thomas Pösse, der von cool, bigott, brutal, schüchtern, arrogant bis süß und liebenswert in allen männlichen und auch weiblichen Eigenschaften überzeugte  und in der Rolle des gedemütigten Menschen zu Tränen rührte.
Brigitta Soraperra hat ihre Idee verwirklicht und ihr Ziel erreicht.  Sie hat allen Widerständen zum Trotz – Schwierigkeiten, Interviewpartner zu finden, Geldgeber zu mobilisieren, usw. –  einen eindrucksvollen Theaterabend geschaffen, der Einblick gewährt in eine typisch Vorarlberger, menschlich unzumutbare Situation.

Weitere Termine: 14., 15., 19., 20., 21., 22. August, jeweils 21 Uhr

Karten: www.v-ticket.at, Bregenz Tourismus, Dornbirn Tourismus, Feldkirch Tourismus, Lindaupark, Musikladen Feldkirch und Rankweil, alle Raiffeisenbanken in Vorarlberg

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