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28.07.2017 |  Dagmar Ullmann-Bautz

Das Maxim Gorki Theater mit „The Situation“ - Humorvoll, berührend, vor allem aber authentisch!

Nach vierjähriger Pause präsentierten die Bregenzer Festspiele im Sommer 2017 erneut eine Theaterproduktion. Eingeladen war das Maxim Gorki Theater aus Berlin mit dem Stück „The Situation“, das seit September 2015 sehr erfolgreich gespielt wird. In Deutschland wurde das Stück 2016 von der Kritik zum „Stück des Jahres“ gewählt.

Die israelische Regisseurin Yael Ronen hat den Text gemeinsam mit den Schauspielerinnen und Schauspielern erarbeitet. Die Geschichten, von den Figuren erzählt, könnten die eigenen Geschichten der Künstlerinnen sein, vielleicht sind sie es sogar, stellen sich ihre Biographien doch sehr ähnlich dar. "The Situation", die Situation im Nahen Osten hat viele Menschen dazu bewogen nach Europa, Künstlerinnen und Künstler insbesondere nach Berlin, zu flüchten. Die Schauspielerinnen und Schauspieler der Produktion sind entweder Mitglieder des Ensembles des Maxim Gorki Theaters oder des Exil Ensembles, welches am Maxim Gorki Theater installiert wurde, um geflüchteten Künstlerinnen den Weg in deutsche Theater zu erleichtern.

Geister der Vergangenheit

Im Stück „The Situation“ finden sich fünf Menschen aus Syrien, Israel und Palästina in einem Deutschkurs zusammen und sehen sich durch die uralten Feindschaften zwischen den Nationalitäten konfrontiert mit den Geistern ihrer Vergangenheit. Auch Deutschlehrer Stefan lässt sich hineinziehen in den Disput und berichtet von seiner Kindheit als Sergej in Kasachstan.

Politisches Kabarett

Es sind leidvolle Geschichten, aber auch Geschichten voller Wut, die von Regisseurin Yael Ronen sehr genau auf den Punkt gebracht, perfekt arrangiert und mit ganz viel Humor verfeinert wurden. Das Endprodukt ist weniger Theater als vielmehr politisches Kabarett vom Feinsten.

Homogene Ensembleleistung

Dimitrij Schaad überzeugt mit viel Komik, Körpereinsatz und großer Intensität als Deutschlehrer Stefan, der kaum ein Fettnäpfchen auslässt, allen helfen will und sich manchmal einfach im Kreis dreht. Noa, die starke und selbstbewusste Israelin wird von Orit Nahmias mit einer großen Portion Sarkasmus ganz wundervoll dargestellt. Der Schauspieler Yousef Sweid berührt als Noas Ex-Mann Amir, ein Palästinenser, aufgerieben zwischen zwei Welten. Sehr direkt und äußerst bescheiden spielt Ayham Majid Agha die Rolle des syrischen Filmemachers Hamoudi, der eigentlich nur zufällig in Berlin ist und wieder in seine Heimat möchte. Laila, feinfühlig und mit Esprit gespielt von Maryam Abu Khaled, ist von Beruf Schauspielerin. Sie erzählt von Diskriminierung und Verfolgung, strahlt gleichzeitig jedoch große Zuversicht und Hoffnung aus. Last but not least rollt, hechtet, springt, rotiert, wirbelt Karim, der Rapper und Parcourläufer, hinreißend und dynamisch dargestellt von Karim Daoud, über die Bühne – seine Geschichte berichtet von Gewalt, Angst und Flucht.

Einfach und eindrücklich

Tal Schacham hat mit zwei sonnengelben beweglichen Treppenelementen und einer aufblasbaren Palme eine sehr einfache aber eindrückliche Bühne entworfen. Amit Epstein kleidete die Protagonistinnen und Protagonisten in den Nationalfarben ihrer Herkunftsländer.

Großartige Dramaturgie

Obschon das Thema in den letzten Jahre sehr oft und in verschiedenster Form behandelt, darüber gehört und geschrieben oder in Dokumentationen berichtet wurde, vergingen die 90 Minuten im Theater am Kornmarkt rasend schnell. Zu verdanken ist dies einer großartigen Dramaturgie, einer pointensicheren und kreativen Regie und einem tollen Ensemble, das mit großem Applaus vom Publikum belohnt wurde.

 

Tolles Ensemble!

Tolles Ensemble!

Orit Nahmias (Noa), Yousef Sweid (Amir), Maryam Abu Khaled (Laila)

Orit Nahmias (Noa), Yousef Sweid (Amir), Maryam Abu Khaled (Laila)

Karim Daoud (Karim) und Dimitrij Schaad (Stefan)

Karim Daoud (Karim) und Dimitrij Schaad (Stefan)

Ayham Majid Agaha als Hamoudi (Fotos: Dietmar Mathis)

Ayham Majid Agaha als Hamoudi (Fotos: Dietmar Mathis)

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