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15.08.2010 |  Dagmar Ullmann-Bautz

Kieloben im Schlamm

Deutscher Regiestar Andreas Kriegenburg in Bregenz! Auf dieses Gastspiel des Deutschen Theaters Berlin haben sich Theaterbegeisterte schon lange gefreut. Doch am Samstagabend hielt diese Freude nicht allzu lange an. In einem lichttechnisch vollkommen überfrachteten Landestheater erlebte der vollbesetzte Saal einen Abend der kalt ließ, wenn nicht sogar langweilte. „Herz der Finsternis“ nach der berühmten Erzählung von Joseph Conrad, in der Bearbeitung von John von Düffel wurde von den sechs Schauspielern mit großem Einsatz gespielt, aber eben nur gespielt.

Die Reise des Seemannes Marlow ins tiefste Afrika, in die entfernteste Fremde und gleichzeitig auch ins Innerste seiner selbst, wäre eigentlich eine emotional höchst brisante, leidenschaftliche Geschichte. Regisseur Andreas Kriegenburg, unleugbar ein Meister der poetischen Bildersprache, verzettelt sich in einer Unzahl von Regieeinfällen, die der bildhaften, ausdrucksvollen Sprache Conrads jegliche Kraft entziehen.

Ohne berührende, emotionale Kraft

Die Schauspieler verkörpern mehrere Figuren, schlüpfen aus und wieder in Kleider, beschmieren sich mit Lehm, bestäuben sich mit Kreide, waschen sich, machen Umbauten, Geräusche und lenken ganz oft durch ihre Betriebsamkeit die Aufmerksamkeit ab, weg vom eigentlichen Fokus. Es kann nicht sein, dass Geräusche, deren theatrale Absicht zwar vollkommene Berechtigung hat, den Text überlagern. Die Figur des Marlow mit mehreren, praktisch allen Schauspielern zu besetzen ist eine einleuchtende Idee, um diese zutiefst gespaltene Persönlichkeit darzustellen. Leider verliert sie dadurch ihre emotionale Kraft, verkommt in einer Beliebigkeit und verbummelt in den chorisch gesprochenen Passagen das Interesse des Zuschauers durch die Unverständlichkeit der Sprache.

Große Figuren bewirken Betroffenheit

Was nützen die glorreichsten Regieideen, wenn die gesprochenen Worte nicht gehört werden? Dann doch lieber ohne Sprache, wie es eine Szene ganz wunderbar zeigt! Sechs zirka sieben Meter hohe Figuren – ausgemergelte, dunkle Gestalten, mit kahlen Köpfen und riesigen Augen – sitzen auf der Bühne und bewegen, geführt von den Schauspielern, langsam und knarrend ihre Köpfe. Das waren Momente größter Traurigkeit und Betroffenheit. Doch leider zu wenig, um einen ganzen Abend zu rechtfertigen. Johanna Pfau, verantwortlich für Bühne und Ausstattung, hat damit Bilder geschaffen, die man nicht vergessen wird. Der große graurosa Kasten, in dem sich die Schauspieler bewegten wurde zum Zuschauerraum hin abgegrenzt durch riesige Gitter, die sowohl das „gefangen sein“ als auch Schiffstakelage verbildlichten. Diese Grenze hat auch den berühmten Funken, der zwischen Bühne und Zuschauerraum fliegen sollte, ausgebremst.
Das Licht von Henrike Elmiger, das durch die gewaltigen überdimensionierten Zubauten Großes erwarten ließ, enttäuschte durch seinen Mangel an Ausdruckskraft. Der von John von Düffel bearbeitete Text, einfühlsam und treffend, gefiel, wenn man ihn denn hörte. 

Berührende und beeindruckende Figuren

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Bespielte Takelage setzt auch deutliche Grenze zwischen Bühne und Publikum

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Sieben SchauspielerInnen verkörpern alle Figuren

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