Benutzerspezifische Werkzeuge

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

31.08.2018 |  Dagmar Ullmann-Bautz

Eine erfrischend böse und skurrile Komödie – im Kosmodrom

Das Kosmodrom ist eine ganz wunderbare Einrichtung des Theater Kosmos, dient es doch der Förderung junger Künstlerinnen und Künstler – AutorInnen, RegisseurInnen, AusstatterInnen und SchauspielerInnen. Besonders interessant ist das Kosmodrom für AutorInnen, denn wo sonst noch bekommen sie die Chance auch einmal einen kurzen Text professionell auf die Bühne zu bringen. Und nicht nur, dass ihre Texte inszeniert werden, nein, es wird mit den VerfasserInnen auf professioneller Ebene über sie diskutiert und an ihnen gearbeitet. Dank den Initiatoren Stephan Kasimir und Wolfgang Mörth sowie den Ermöglichern Augustin Jagg und Hubert Dragaschnig könnte man sagen, dass das Kosmodrom eine wahre Talenteschmiede ist!

Die Kosmodrom-Produktionen müssen aus Kostengründen natürlich in kürzester Zeit, sprich als Low-Budget-Productions innerhalb von 10 Tagen erarbeitet und an einem einzigen Wochenende aufgeführt werden. Gestern fand die Uraufführung der skurrilen Komödie „Das Bein“ von Maria Kopf im Foyer des Theater Kosmos in Bregenz statt.

Zum Stück „Das Bein“

Kurz vor der Entlassung deckt ein routinemäßiges Kontrollgespräch im Unfallkrankenhaus die phantastischen Pläne eines Patienten, durch Selbstverstümmelung Präsident eines Behindertenvereins zu werden, auf. Dies weckt das Interesse der diensthabenden Psychologin und ihre Idee, nun selbst durch Zertrümmerung eines ihrer Beine Präsidentin zu werden, wird mit aller Leidenschaft von ihr verfolgt und in Angriff genommen.

Schräge Situation

Eine höchst amüsante Geschichte, die aber immer wieder dann das Lachen zum Stocken bringt und zum Nachdenken zwingt, wenn die Protagonisten den Rollstuhlfahrern ihren ständigen Sitzplatz neidig sind oder den Blinden ihren gut ausgebildeten Hund. Die schräge Situation wird noch gekrönt durch den Auftritt des Pharmavertreters, der begeistert ist von der Idee und den Rubel schon rollen sieht.

Sensibles Thema

Maria Kopf hat ein kluges Stück über ein sensibles Thema geschrieben, über die Kälte in unserer Gesellschaft, über den Umgang miteinander und im Besonderen über den Umgang mit Menschen, die anders sind. Die Dialoge sind sehr klar, der Bau des Stückes spannend und was die Regie und die Schauspieler daraus gemacht haben, macht richtig Spaß.

Klares, sauberes Bühnenbild

Das Skurrile des Stückes noch zu überzeichnen, war eine gute Wahl, denn es gibt der Geschichte nochmals einen Kick. Das klare, saubere und kühle Bühnenbild von Caro Stark gibt den Figuren den richtigen Rahmen. Michaela Spaenle überzeugt als genervte und schließlich durchgeknallte Psychologin. Robert Kahr spielt den Unfallpatienten, herrlich naiv mit grauenvoll sympathischer Bosheit. David Baldessari beschert uns einen wunderbar enthusiastischen Pharmavertreter.

Werkstattgespräch

Anschließend an die Premiere diskutierten der Regisseur Stephan Kasimir, die Autorin Maria Kopf und Theaterdirektor Hubert Dragaschnig noch mit Journalistin Ingrid Bertel vor einem begeisterten und interessierten Publikum.

Weitere Aufführungen: Freitag, 31. August und Samstag, 1. September
jeweils 20.30 Uhr im Theater Kosmos, Bregenz

Das Entlassungsgespräch: Patient (Robert Kahr) und Psychologin (Michaela Spaenle)

Das Entlassungsgespräch: Patient (Robert Kahr) und Psychologin (Michaela Spaenle)

Ein köstliches Trio: Robert Kahr, Michaela Spaenle und David Baldessari

Ein köstliches Trio: Robert Kahr, Michaela Spaenle und David Baldessari

Fotos: Caro Stark

Fotos: Caro Stark

Artikelaktionen
Newsletter
Erhalten Sie die neuesten Kritiken per E-Mail
(Required)
Bilder
  • Das Entlassungsgespräch: Patient (Robert Kahr) und Psychologin (Michaela Spaenle) Das Entlassungsgespräch: Patient (Robert Kahr) und Psychologin (Michaela Spaenle)
  • Ein köstliches Trio: Robert Kahr, Michaela Spaenle und David Baldessari Ein köstliches Trio: Robert Kahr, Michaela Spaenle und David Baldessari
  • Fotos: Caro Stark Fotos: Caro Stark