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28.10.2012 |  Thorsten Bayer

Die Frau in Schwarz – ein Theaterstück mit Schock-Effekten auf Vorarlberg-Tour

„Schreckliche Dinge müssen erzählt werden“ – diesen Worten ganz zu Beginn des Stückes, das am Samstagabend im Feldkircher Theater am Saumarkt zu sehen war, sollten schon bald Taten folgen. Nach einem zähen Beginn steigerte sich die Gruppe „Shakespeare, das Theater“ im Laufe ihrer neuen Produktion, einer Adaption von Susan Hills Roman „Woman in Black“. Zwar ging in den spannenden Szenen leider ohrenbetäubende Lautstärke vor darstellerische Finesse, unterhaltsam war das Schauermärchen aber allemal. Besonders Tristan Jorde zeigte eine starke Leistung.

Jorde verkörpert einen Schauspieler, der dabei helfen soll, die Dämonen eines alten Mannes zu vertreiben. Diesen Mr. Kipps, dargestellt von Martin Sommerlechner, quälen seit langem Erinnerungen, die er nun mit Hilfe einer Theatertherapie zu überwinden versucht. Dabei übernimmt er selbst wechselnde Rollen, der Schauspieler bleibt seiner Figur als Mr. Kipps treu.

Vielzählig und vielseitig

Es dauert eine Weile, bis die Geschichte in Gang kommt – was auch daran liegt, dass es bei dieser Erzählweise leicht unübersichtlich werden kann: Zwei Männer in vielzähligen und vielseitigen Rollen, darunter auch der des Erzählers. Besonders Jorde gelingt dieser Wechsel aber mit verblüffender Leichtigkeit. Inhaltlich geht es um den Nachlass einer alten Frau, die auf einer abgelegenen Insel wohnte, die nur bei Ebbe erreichbar ist. Rund um diese Gegend spinnen sich die wildesten Gespenstergeschichten, die jeden Bewohner des nahegelegenen Örtchens erstarren lassen. Die Frau in Schwarz treibt ihr Unwesen…

Mit dem Holzhammer

Handwerklich ist das Stück völlig in Ordnung, für meinen Geschmack aber wird bei den Schocker-Szenen arg dick aufgetragen. Bis dahin sind es gerade die leisen Töne, die dieser zunächst etwas flach wirkenden Geschichte Tiefe geben. Aber dann, mit den ersten Auftritten der Frau in Schwarz (Kathy Baddams), scheint der Tontechniker nur noch eine Einstellung zu kennen: maximal. Das ist nicht nötig und tut dem Stück nicht gut – zu holzhammerartig wirken dadurch die Szenen, teilweise fast unfreiwillig komisch.

„Unterhaltendes mit Sinn“

Das Publikum scheint sich daran weniger zu stören als ich und spendet nach 75 Minuten (ohne Pause) langanhaltenden Applaus. Sie haben wohl ein Stück nach ihrem Geschmack gesehen, das ganz in Sinne der Ziele von „Shakespeare, das Theater“ war: „Tiefgang mit Humor – Unterhaltendes mit Sinn“, wie es auf ihrer Homepage (www.shakespearedastheater.com) heißt. „Immer haben wir einen ernsten Anspruch hinter der bunten Verpackung, ohne den für uns Theater keinen Stellenwert besäße“, schreiben hier die beiden künstlerischen Leiter Martin Sommerlechner und Renate Bauer, die bei der „Frau in Schwarz“ Regie führt.

„Eine Geistergeschichte, die alle Gesetze des Genres glänzend bedient", nannte die Frankfurter Allgemeine Zeitung die literarische Vorlage von Susan Hill. Die Theater-Adaption von Stephen Malatratt ist ein Dauerbrenner im Londoner West End, wo das Stück seit 23 Jahren zu sehen ist. 2011 kam der Stoff auch auf die große Kino-Leinwand, mit „Harry Potter“ Daniel Radcliffe in der Hauptrolle als Arthur Kipps.

 

Weitere Termine:
Heute, Sonntag, 28. Oktober, 18 Uhr, Feldkirch, Theater am Saumarkt
Am 1.,2.,3. und 4. November in Bregenz, Shed 8, schoeller 2welten Areal
um 20 Uhr, am 4. auch um 17 Uhr
Am 30. November, 20 Uhr in Bludenz, Remise

Die mysteriöse Frau in Schwarz flößt Angst und Schrecken ein.

Die mysteriöse Frau in Schwarz flößt Angst und Schrecken ein.

Eine starke Leistung von Tristan Jorde

Eine starke Leistung von Tristan Jorde

So viel wie auf diesem Bild hat Martin Sommerlechner bei der  „Frau in Schwarz" nicht zu lachen.

So viel wie auf diesem Bild hat Martin Sommerlechner bei der „Frau in Schwarz" nicht zu lachen.

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  • Die mysteriöse Frau in Schwarz flößt Angst und Schrecken ein. Die mysteriöse Frau in Schwarz flößt Angst und Schrecken ein.
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