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20.08.2017 |  Dagmar Ullmann-Bautz

Beeindruckend und wahrhaftig – Felix Mitterers „Jägerstätter“ in Rankweil

„Heimat bist du großer Töchter und Söhne“ - mit dieser Liedzeile der österreichischen Bundeshymne eröffnete Wallfahrtsseelsorger Dr. Walter Juen am vergangenen Freitag die Premiere des „Jägerstätter“ von Felix Mitterer in Rankweil. Als Freiluft-Theater auf dem Kirchplatz der Basilika Rankweil geplant, musste die Premiere zwar wetterbedingt im Vereinshaus über die Bühne gehen, doch ließ sich erahnen, welch unglaubliche Wirkung dieses großartige Stück über zwei beeindruckende Menschen, den Franz und die Franziska Jägerstätter, auf diesem wunderschönen Platz gehabt hätte. Denn auch auf beengtem Raum ohne imposanten Hintergrund bewegte das Spiel des fantastischen Ensembles.

Kluger und sensibler Text


Brigitta Soraperra hat wunderbare Arbeit geleistet, hat die Stärken der Amateurschauspieler zu nutzen gewusst, hat ganz ehrlich und unaufgeregt den Text des Felix Mitterer umgesetzt. Dem Stück, das 2013 im Wiener Theater in der Josefstadt uraufgeführt wurde, konnte die Regisseurin getrost vertrauen, da er höchst sensibel, klug und genau erzählt, wie es den Menschen damals, in der Zeit vor und während des Zweiten Weltkrieges ergangen ist. Franz Jägerstätter hat als gläubiger Katholik den Kriegsdienst verweigert, wollte und konnte sich nicht in den Dienst des NS-Regimes stellen. Dafür wurde er zum Tode verurteilt und auch hingerichtet. Seine Frau Franziska ist als einzige zu ihm gestanden, auch noch als sie mit ihren drei Kindern alleingelassen und vom Land die Witwenrente verweigert wurde, da ihr Mann ja als „Landesverräter“ galt.

Großartige Schauspielerinnen und Schauspieler


Sepp Gröfler überzeugt in der Figur des Franz Jägerstätter, spielt mit großer Empathie und zeigt die Zerrissenheit der Person, seine Liebe zu Franziska und den Kindern, seine Lebensfreude, seine Menschlichkeit und Unschuld, seinen tiefen Glauben. Franziska Jägerstätter wird eindrucksvoll von Andrea Zimmermann emotional, mit menschlicher Wärme, Kraft und aufrichtiger Ehrlichkeit dargestellt. Angelika Kerschhaggl-Linder trifft als Mutter des Franz Jägerstätter sehr genau den Ton einer Magd und Mutter in einer schweren Zeit. Hanno Drehers Bischof von Linz lässt einen wahrhaft frösteln, während Harald Keckeis als Jägerstätters Pflichtverteidiger den Berliner Schmäh schön über die Rampe bringt. Katja Volgger, Matthias Brüstle, Manfred Kräutler, Jürgen Reiner, Martin Salzmann und Christian Urban überzeugen in ihren Rollen mit Talent und Enthusiasmus. Und auch Flora Knecht, Olivia Madsen, Melina und Naya Salmhofer als Kinder strahlten mit ihrer enormer Natürlichkeit.

Überzeugende Choreographie und Musik


Der 16-köpfige Schauspielchor meistert die Sprechchorpassagen mit Bravour und auch die beeindruckenden choreographischen Elemente von Ursula Sabatin sind genauestens einstudiert und zeugen wirkungsvoll von professioneller Qualität. Eine Herausforderung waren die sehr anspruchsvollen Lieder des protestantischen Kirchenmusikers Hugo Distler, die Chorleiter Michael Fliri ausgewählt und mit 15 bunt zusammengewürfelten Sängerinnen und Sängern, die eine beachtenswerte Leistung ablieferten, einstudiert hat. Arno Öhri entwickelte und spielte einen Klangteppich, der einleitend und Übergänge schaffend die gesamte Szenerie ausgezeichnet unterstützte.

Standing Ovations


Die Kostüme von Andrea Knecht sind einfach und schön, unaufdringlich und äußerst stimmig. Über das Bühnenbild, das von Pascal Raich für den Kirchplatz entworfen wurde, kann nach der Schlechtwetterfassung im Rankweiler Vereinshaus leider nichts geschrieben werden. Das Licht von Martin Beck war auch in der Ersatzlocation sehr stimmungsvoll und den Blick fokussierend.

Das Publikum zeigte sich begeistert von der äußerst bewegenden und wahrhaftigen Inszenierung und dankte es mit langanhaltenden, stehenden Ovationen.

 

Weitere Aufführungen:
23. | 24. | 25. | 26. | 27. August 2017

Sepp Gröfler großartig als Franz Jägerstätter

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Beeindruckend: Andrea Zimmermann als Franziska Jägerstätter und Angelika Kerschhaggl-Linder als Mutter vom Franz

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Starke Choreographien von Ursula Sabatin

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Sensitiv und kreativ: der Musiker Arno Oehri

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Fotos: Dietmar Mathis

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  • Sepp Gröfler großartig als Franz Jägerstätter Sepp Gröfler großartig als Franz Jägerstätter
  • Beeindruckend: Andrea Zimmermann als Franziska Jägerstätter und Angelika Kerschhaggl-Linder als Mutter vom Franz Beeindruckend: Andrea Zimmermann als Franziska Jägerstätter und Angelika Kerschhaggl-Linder als Mutter vom Franz
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