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13.02.2013 |  Thorsten Bayer

Stille Kräfte des Kulturbetriebes, Teil zwei: Dr. Leonhard Paulmichl

In unserer neuen Serie präsentieren wir in kurzen Interviews Menschen, die für Vorarlberger Kulturveranstalter unverzichtbare Arbeit leisten. Im zweiten Teil geht es um Dr. Leonhard Paulmichl und sein Engagement für den Verein literaturhaus schanett.

Dr. Leonhard Paulmichl, Jahrgang 1938, studierte Germanistik und Geschichte in Bonn, München und Innsbruck. Mit der Arbeit „Zeit- und Gesellschaftskritik im Werke Peter Altenbergs" verließ er die Universität. 1967 begann seine Karriere beim Österreichischen Rundfunk. Über das ORF-Büro Bozen kam er nach Vorarlberg, wo er von 1982 bis 1997 ORF-Landesintendant war. Er war für die Produktion und Gestaltung von über 1000 Hörfunk- und Fernsehsendungen verantwortlich. Geboren wurde er als letztes von zehn Kindern im Südtiroler Ort Stilfs. „Da ich noch einige lebende Geschwister habe, besuche ich sie, so oft es geht", sagt er. Auch kulturell setzt er sich mit seiner Heimat auseinander und liest beispielsweise Gedichte in Südtiroler Mundart. Er ist mit einer Feldkircher Sportlehrerin verheiratet, gemeinsam haben die beiden die Tochter Gunhild.

„Unvergessliche Stunden"

Evelyn Brandt, Vorsitzende des Vereins literaturhaus schanett, weiß, was sie an ihm hat: „Wir verdanken Leonhard Paulmichl viel, sehr viel. Seit sieben Jahren berät, unterstützt und fördert er unseren Literaturverein. Alles ehrenamtlich. Schön ist es, dass unsere Mitglieder, BesucherInnen und mich unvergessliche Stunden mit Leonhard Paulmichl verbinden: die Lesung mit Paul Flora, Literaturreisen nach Italien, dutzende Literaturstunden, Gespräche, Diskussionen. So möchte es bitte noch lange bleiben."

In welcher Form arbeiten Sie momentan beim Verein literaturhaus schanett mit?
Ich habe über einzelne Persönlichkeiten der Literatur referiert: Karl Kraus, Ernst Stadler, Rilke, P. A. Bachmann – kurz: von Walther von der Vogelweide bis heute. Als Reisebegleiter habe ich dieser Gruppe das Piemont, das Trentino und Friaul literarisch und kulturpolitisch versucht zu erklären.

Wie kam es zu diesem Engagement?
Zur Gruppe kam ich eher durch Zufall, aber ganz sicher durch Frau Mag. Brandt. Ich habe dort kein Engagement, bin dort freier Seiltänzer.

Was genau macht den Reiz dieser Arbeit für Sie aus?
Den Reiz dieser Arbeit macht aus, dass diese Gruppe Menschen nichts muss , sondern nur will. Sie sind daher äußerst interessiert und ohne Ehrgeiz aufgeschlossen. Für einige wenige und speziell eine Person ist das Ganze mit viel Arbeit und wenig Lohn – und schon gar keinem finanziellen – verbunden.

Großes Interesse


Sie sprechen besonders die „Generation 55plus" an. Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Besuchern Ihrer Veranstaltungen?
Die Rückmeldungen schauen so aus, dass die Besucher mich nach jeder Vor-Lesung bitten weiterzumachen.

Hat die ältere Generation Ihrer Erfahrung nach eine größere Affinität zur Literatur als die jüngere?
Die ältere Generation (ich gehöre schon längst dazu), liebt, wie könnte es anders sein, bereits Bekanntes, Bewährtes, um es zu vertiefen. Dem Neuen ist man aufgeschlossen. Es geht halt nichts über die Qualität alter Wollsocken.

Der Philosoph schweigt


Bringen Sie sich noch bei weiteren Kulturveranstaltern ein?
Ich bin seit der Gründung des PEN Liechtenstein dort Mitglied.

Und ganz allgemein: Was bedeutet Kultur für Sie?
Über diesen Begriff haben schon weitaus Klügere, als ich einer bin, wenig Befriedigendes gesagt. Daher halte ich es mit dem lateinischen Satz: Si tacuisses, philosophus mansisses („Wenn du geschwiegen hättest, wärest du ein Philosoph geblieben“, Anmerkung der Redaktion).

Am Donnerstag, 4. April um 20 Uhr im Schlösslesaal Röthis führt Dr. Leonhard Paulmichl durch die Lesung mit dem Schweizer Schriftsteller und Kabarettisten Franz Hohler.

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