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22.08.2011 |  Silvia Thurner

Zum Abschluss der Bregenzer Festspiele 2011 - David Pountney als exzellenter 'Vorleser' sowie ein wenig positives Resümee zum Engagement der Komponistin Judith Weir

Zum Abschluss der Reihe „Musik und Poesie“ saß der Festspielintendant David Pountney selbst auf der Bühne. Er las aus dem autobiografischen Gedicht „The Prelude“ des englischen Schriftstellers William Wordsworth. Sein hervorragender Vortrag warf einen dramatischen Blick auf die Französischen Revolution aus der Sicht eines Engländers. Dazwischen wurden kammermusikalische Werke von Judith Weir interpretiert. So wurde auch das Bild abgerundet über die kompositorischen Qualitäten der Komponistin, die in diesem Sommer im Zentrum des Interesses stand. Das Resümee fällt dürftig aus.

David Pountney saß an einem Sekretär, der mit Tintenfass, Federkiel und Wasserkrug aus Zinn dekoriert war. Die in Englisch und Deutsch vorgetragenen Passagen und die dramatischen Bilder des romantischen Poems führte er mit einer guten Aussprache spannungsgeladen vor. So kamen die emotional aufgeladenen Schilderungen und Empfindungen von William Wordsworth prägnant zum Ausdruck, die Verzweiflung über das Morden, das Entsetzen über die Armut der Menschen und die zerstörten Hoffnungen. Die Textstellen waren hervorragend ausgewählt und zogen die ZuhörerInnen im Seestudio in ihren Bann.

Engagierte MusikerInnen

Dazu spielten Claire Dolby (Violine), Roman Bernhhart (Viola), Michael Günther (Violoncello), Ernst Weissensteiner (Kontrabass) und SooJin Anjou (Klavier) Kammermusik von Judith Weir. Doch einzig das Klaviertrio Nr. 2 (2004) beinhaltete eingie Passagen, die aufhorchen ließen. Im Mittelteil „Your Light May Go Out“ wurden Klangfelder ausgebreitet, die Gegenbewegungen mittels Glissandi und eine mikrotonale Tongebungen bewirkten. Suchende Tonlinien wurden immer wieder abrupt abgebrochen und neu begonnen.

„The Bagpiper’s String Trio" ist eine musikalische Darstellung des Dudelsackspielers James Reid. Volksliedartige Melodien bestimmten das Werk, während ein Instrument die Hauptlinie führte, begleiteten die anderen. In Quintettbesetzung erklang das eher behäbige Werk „I Broke Off A Golden Branch“. Aufmerksamkeit erregte eine emotionsgeladene musikalische Linie, die fugiert ineinander geschoben erklang.

Judith Weirs Musik hat zu wenig Profil, um eine Festspielsaison zu tragen

Sehr prominent stand die britische Komponistin Judith Weir als „Composer in residence“ im Zentrum der diesjährigen Bregenzer Festspiele. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen gesetzt. Doch diese wurden schon mit der Oper „Achterbahn“ enttäuscht. Darin verlieh die Komponistin den einzelnen Charakteren zu wenig Profil. Die musikalischen Mittel zur Dramatisierung wirkten oberflächlich und fügten sich wenig in die naive Handlung der Oper ein. Eine etwas schlankere Aufmachung der Musik hätte dem dramaturgischen Verlauf wohl etwas mehr Profil verliehen.

Die Orchesterwerke zeichneten sich durch eine farbenreiche Instrumentation aus. Dies ist freilich auch ein idealer Deckmantel, um einer mangelnden musikalischen Inspiration entgegen zu wirken. Der nicht eben überbordende Ideenreichtum der einzelnen Kompositionen ließ sie auch alle ähnlich erscheinen. Judith Weir verwendet nämlich in allen ihren Werken, die Kammermusik mit eingeschlossen, einige spezifische Mittel. Man könnte argumentieren, dies zeichnet ihren Personalstil aus, doch wirken ihre kompositorischen Stilmerkmale allzu einfach und deshalb austauschbar. Selbstverständlich kommen die Werke bei vielen ZuhörerInnen gut an, denn sie sind leicht konsumierbar.

Judith Weir konzipiert ihre Musik großteils mit traditionellen harmonischen Mitteln, dazu kombiniert sie modale Tonkonstellationen. Musikalische Ideen werden aneinander gereiht, wirken illustrativ und werden oft von einer wirkungsvollen Begleitstimme begleitet. Tremolierende Linien und Tonrepetitionen, viele unisono geführte melodische Gedanken sind weitere auffallende musikalische Stilelemente. Am meisten langweilte mich an Judith Weirs Musik jedoch die mangelnde thematisch-motivische Auseinandersetzung mit den zugrundeliegenden musikalischen Ideen. Es gab nur wenige Transformationen, Veränderungen, Variationen oder gar musikalische Verarbeitungen mittels Schichtungen oder Überlagerungen. Die Musik plätscherte oberflächlich und wenig aufreizend dahin. Wohl als Stütze verwendet Judith Weir gerne Texte als Grundlage ihrer Kompositionen.

Judith Weir versteht ihr Handwerk als Komponistin, dafür gebührt ihr Respekt. Dass sie sich in ihrer Musik rückwärtsgewandter Ausdrucks- und Stilmittel bedient, ist ebenfalls ihre eigene Entscheidung. Warum jedoch David Pountney gerade diese Musik zu den Bregenzer Festspielen brachte, kann ich nicht nachvollziehen. Jedenfalls legt diese Entscheidung für Weir den Schluss nahe, dass er selbst wenig Kenntnis von den musikalisch kompositorischen Qualitäten zeitgenössischer Musik hat und auch seine BeraterInnen haben versagt. Bleibt also die offene Frage, welche wahren Gründe wohl zum Engagement von Judith Weir bei den Bregenzer Festspielen geführt haben.

David Pountney las Ausschnitte aus William Wordsworths "The Prelude" und beeindruckte mit seiner Ausdruckskraft (Foto © Silvia Thurner)

David Pountney las Ausschnitte aus William Wordsworths "The Prelude" und beeindruckte mit seiner Ausdruckskraft (Foto © Silvia Thurner)

Die heuer im Mittelpunkt stehende britische Komponistin Judith Weir lieferte wenig Spannendes, dafür aber leicht konsumierbare Kompositionen (Fotos © Bregenzer Festspiele/Dietmar Mathis)

Die heuer im Mittelpunkt stehende britische Komponistin Judith Weir lieferte wenig Spannendes, dafür aber leicht konsumierbare Kompositionen (Fotos © Bregenzer Festspiele/Dietmar Mathis)

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  • David Pountney las Ausschnitte aus William Wordsworths "The Prelude" und beeindruckte mit seiner Ausdruckskraft (Foto © Silvia Thurner) David Pountney las Ausschnitte aus William Wordsworths "The Prelude" und beeindruckte mit seiner Ausdruckskraft (Foto © Silvia Thurner)
  • Die heuer im Mittelpunkt stehende britische Komponistin Judith Weir lieferte wenig Spannendes, dafür aber leicht konsumierbare Kompositionen (Fotos © Bregenzer Festspiele/Dietmar Mathis) Die heuer im Mittelpunkt stehende britische Komponistin Judith Weir lieferte wenig Spannendes, dafür aber leicht konsumierbare Kompositionen (Fotos © Bregenzer Festspiele/Dietmar Mathis)