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12.08.2017 |  Thorsten Bayer

Zehn Jahre gegen den Strich gebürstet – Bezau Beatz feiern Jubiläum mit Lisa Simone

Von Andreas Brogers Projekt „Reverend Brogers Brass Invasion“ über „Wildbirds & Peacedrum“ bis zu Lisa Simone, der Tochter der legendären Nina Simone, reichte das musikalische Spektrum des gestrigen zweiten Tages der Bezau Beatz. Heute, Samstag sind weitere sehenswerte Künstler zu erleben, darunter das Toni Eberle Trio, Charlie Cunningham und Stian Westerhus.

Freitagabend, 11 Grad, trüber Himmel, Dauerregen. Soeben kehrt das Wälderbähnle zurück von ihrer Fahrt mit DJ YnnY in die Remise. Dort füllt sich der „Saal“ zwischen den Museumsloks und der Bühne merklich, bis Organisator und Kurator Alfred Vogel die Bühne betritt. „Ist Euch kalt?“, fragt er und fährt fort: „Ich weiß, was Ihr jetzt braucht. Was Ihr braucht, ist ‚Fire’!“ Bühne frei für Fire! Hinter diesem Namen verbirgt sich ein Trio aus Schweden: Bandleader Mats Gustafsson (Saxophon), Bassist Johan Berthling und Andreas Weerlin (Drums). „Musik für Freaks“ machen die drei laut Pressetext. Diese Beschreibung trifft auf jeden Fall zu. Die ersten Minuten sind irgendwo zwischen virtuos und verstörend anzusiedeln. Welche Töne Gustafsson seinen Instrumenten entlockt, ist absolut erstaunlich. Gefälliger Wohlklang hat dabei keinen Platz und das soll er auch nicht. Positiv bemerkenswert bei seinem Auftritt: Er lässt auch seine Bandkollegen glänzen, und das nicht nur in den Momenten, in denen er Luft holen muss oder sein Saxophon wechselt.

Rückkehrer Mats Gustafsson

Bis auf wenige ruhige Phasen geben die drei gewaltig Gas. Mit Blick auf den besonderen Standort unweit der Museumsbahn „U 25 Bezau“ könnte man auch sagen: Sie machen Dampf. Das liegt wohl im Naturell des Bandleaders. Der 52-Jährige hat in den vergangenen 30 Jahren mehr als 30 Tonträger veröffentlicht. Neben Fire! konzentriert er sich vor allem auf zwei längerfristige Projekte: Mit The Thing nahm er ein Album mit Neneh Cherry auf und war im Vorjahr bereits in Bezau zu Gast. Mit Hidros interpretiert er die Musik anderer großer Künstler wie beispielsweise Patti Smith, Little Richard oder Frank Zappa.

Familie Simone

Der Höhepunkt des Abends ist der Auftritt von Lisa Simone, die eine fantastische Band mitgebracht hat: allen voran den Senegalesen Hervé Samb an der Gitarre, der auf der Bühne in die Rolle eines musikalischen Leiters schlüpft, dazu Bassist Reggie Washington und Drummer Sonny Toupe. Schnell ist die Band im Flow, anfangs noch etwas zu laut gegenüber der Sängerin, die ein rotes T-Shirt mit der Aufschrift „The struggle is real“ trägt. Kampf, in ihrem Fall jener um Bürgerrechte, war ja auch das Thema ihrer berühmten Mutter Nina Simone, die auch an diesem Abend immer präsent ist. Nicht nur, wenn sie „Ain´t got no, I got life“ covert. „The legacy continues with me“, sagt die Mittfünfzigerin, die heute im Haus ihrer 2003 verstorbenen Mutter in Carry-le-Rouet, unweit von Marseille lebt. Auch die nächste Generation spielt im Hause Simone eine gewichtige Rolle. Lisas Tochter schrieb im zarten Alter von 13 Jahren den Song „I pray“, der es heute in ihr Repertoire geschafft hat. Lachend erzählt Lisa von dem Handel, den sie damals einging: Sie bekam das Lied, im Gegenzug durfte die Tochter sich das ersehnte Tattoo stechen lassen.

Auf der Bühne zeigt die Band ein breites, hörenswertes Spektrum von Soul, Pop, Blues, Reggae und Rock’n’Roll. Samb lässt sich in einem Solo auch nicht von einer reißenden Saite stören, spielt einfach weiter, als wäre nichts gewesen. Mit Lisa Simone liefert er sich wunderschöne „Call & Response“-Duelle, bei denen beide gewinnen – und mit ihnen das Publikum.

Wertschätzung

In der Remise hat sich ein internationales Publikum versammelt. Es ist beeindruckend, wie es Alfred Vogel Jahr für Jahr gelingt, sowohl Künstler als auch Zuhörer von überall anzuziehen und sie in die – wenngleich malerische – Provinz des Bregenzerwaldes zu holen. Die Veranstaltung hat sich sehr gut entwickelt. „Die durchwegs positive Aufmerksamkeit durch Experten genießen wir sehr. Aber am meisten freut uns, dass all die herausragenden Künstler die einzigartige Atmosphäre, die Umgebung, aber auch die große Gastfreundschaft hier im Bregenzerwald sehr wertschätzen“, sagt Vogel. 

Am heutigen Samstag gehen die Bezau Beatz zu Ende. Auf dem Programm stehen beispielsweise um 20.30 Heavy Metal Rabbit, gefolgt vom englischen Singer-Songwriter Charlie Cunningham (21.30 Uhr) und zum Abschluss Stian Westerhus & Pale Horses.
Sie sind alle in der Remise des Wälderbähnles zu erleben. Das Tagesticket kostet 45,- Euro.

www.bezaubeatz.at

Lisa Simone bei den Aufnahmen zu ihrem aktuellen Album "My world"

Lisa Simone bei den Aufnahmen zu ihrem aktuellen Album "My world"

Die Tochter von Lisa Simone hat ihre eigene Stimme gefunden.

Die Tochter von Lisa Simone hat ihre eigene Stimme gefunden.

Mats Gustafsson war mit seinem Drei-Mann-Projekt Fire! zu Gast im Bregenzerwald.

Mats Gustafsson war mit seinem Drei-Mann-Projekt Fire! zu Gast im Bregenzerwald.

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  • Lisa Simone bei den Aufnahmen zu ihrem aktuellen Album "My world" Lisa Simone bei den Aufnahmen zu ihrem aktuellen Album "My world"
  • Die Tochter von Lisa Simone hat ihre eigene Stimme gefunden. Die Tochter von Lisa Simone hat ihre eigene Stimme gefunden.
  • Mats Gustafsson war mit seinem Drei-Mann-Projekt Fire! zu Gast im Bregenzerwald. Mats Gustafsson war mit seinem Drei-Mann-Projekt Fire! zu Gast im Bregenzerwald.