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30.09.2011 |  Thomas Kuschny

Von im Staub liegenden Herzen – Maja Osojnik & Band im Spielboden

Ja, zuweilen wünscht man sich, die Worte von diversen in Englisch textenden Bands nicht verstehen zu müssen. Ein Glück oft, dass der nuschelnde Vortrag dies verhindert. Maja Osojnik ist Slowenin und singt in ihrer Muttersprache. Bei ihr würde man gerne jedes Wort verstehen. Es scheint nämlich ihre poetische Ader mindestens so ausgeprägt zu sein wie ihre musikalische.

Schwarze Geschichten ...

„Schwarze Wasser“ heißt übersetzt ihr letztes Album, schwarz sind auch die Geschichten, die sie darin erzählt. Dank ausführlicher Einleitungen werden auch die sprachlich unkundigen Konzertbesucher in eine Welt entführt, wo Leid und Tod herrschen. Vom Abgrund der Nacht, im Staub liegenden Mütterherzen und einsamen, allem verlustig gegangenen Alten ist hier die Rede. Beim einzigen auf deutsch gesungenen Lied offenbart sich im übrigen, wie prägnant und stilsicher die starken Bilder auch umgesetzt sind.

... zu stilistisch höchst unterschiedlichen Tönen

Nun würde man zu solch heftigen Geschichten moll-lastige Schwermut erwarten. Dem ist aber nur teilweise so. Manch düsterer Introduktion folgen mitunter schnelle Polkas, experimentelle, frei improvisierte Noise-Attacken oder gar lupenreine Punk-Rock Songs. Verständlicher wird dies, wenn man weiß, dass Osojnik mehreren stilistisch äußerst unterschiedlichen Projekten nachgeht, von freier Elektronik über Renaissance-Musik, mit der die studierte Blockflötistin schon einige Preise gewonnen hat, bis eben zur Punkband „Balkon“.

Herzhaft dekonstruktivistisch

Dramaturgisch könnten die Brüche nicht größer sein: Einem „Schreiduell“ zwischen ihr und der gerne präparierten E-Gitarre, bei dem man nicht weiß, was hier Stimme und was Instrument ist, folgen melancholische langsame Walzerklänge, auf elektronische Experimente, die der Sendersuche bei alten Kurzwellenempfängern gleichen, folgt unter Umständen eine Nummer im Stile von „Ideal“, einer NDW-Band aus grauer Vorzeit. Mit ihrer dunklen Stimme, die auch mal an Nico erinnern kann, gibt Maja Osojnik aber auch eine perfekte Chanteuse im boulevardesken Vaudeville ab, von ihrem Quartett passend schmierig begleitet. Man merkt schon, ganz so ernst, wie das Thema vorzugeben scheint, wird die Sache nicht genommen. Vielmehr wird herzhaft dekonstruktivistisch zugelangt, aber nicht ohne die Melancholie traurig-schöner Melodien zu vergessen. Gut so.


Das nächste Konzert in der Reihe „Global Sounds“ wird am 13.10., 20.30 Uhr am Spielboden Dornbirn über die Bühne gehen: „Concertino“, ein Tentett aus Moldawien mit 7 (sic!) Akkordeonisten, spielt Astor Piazolla.

Die höchst wandlungsfähige Maja Osojnik experimentiert gerne mit großen Brüchen

Die höchst wandlungsfähige Maja Osojnik experimentiert gerne mit großen Brüchen

Von melancholischen Walzerklängen über Elektronisches bis zum boulevardeskem Vaudeville (Foto © Thomas Kuschny)

Von melancholischen Walzerklängen über Elektronisches bis zum boulevardeskem Vaudeville (Foto © Thomas Kuschny)

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  • Von melancholischen Walzerklängen über Elektronisches bis zum boulevardeskem Vaudeville (Foto © Thomas Kuschny) Von melancholischen Walzerklängen über Elektronisches bis zum boulevardeskem Vaudeville (Foto © Thomas Kuschny)