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17.05.2012 |  Thomas Kuschny

Vom Elefantensohn bis zum Wahnsinn als Methode – Der Auftakt des fünften Soundsnoise Festivals im Spielboden

Ein Aufruf vorneweg: Wer ein grundsätzliches Interesse an Musik abseits gängiger Hörgewohnheiten hat, ist bei diesem Festival bestens aufgehoben, wer nicht, möge sich einen Ruck und den neuen Klängen eine Chance geben!

In medias res: „A Thousand Fuegos“ nennt sich Matthias Peyker polyglott und eröffnet den Abend als Solist unter Zuhilfenahme von überwiegend vorproduzierten Samples. Dies birgt oft die Gefahr einer etwas zu statisch wirkenden Darbietung in sich, der gelegentliche Griff zu seiner Gitarre wirkt da manchmal durchaus auflockernd. Im SRA, dem Archiv österreichischer Popmusik, wird sein Stil als „Folk mit verschiedenster elektronischer und psychedelischer Unterstützung“ beschrieben. Tatsächlich sind die aus der Konserve abgerufenen Sounds oft sehr abstrakt gehalten, auf ein knarziges Loop können aber auch Klänge aus der Billig-Techno-Asservatenkammer folgen, wir leben eben in einer postmodernen Welt. In eine mächtige Hallwolke gehüllt erinnern Stimme und die mitunter hymnischen Melodien sogar an die Pet Shop Boys mit angezogener Handbremse, ohne Partysause also... eine Musik doch eher für Tonträger geschaffen.

Wunderschön karg

Budam nennt sich der nächste Act, stammt von den Faröer Inseln und verfügt wie so viele Künstler aus dem Norden über jene musikalische Extravaganz und jenen Charme, die durch die langen dunklen Winter  entstehen mögen. Seine etwas manierierte Art ist Teil eines Gesamtkonzepts, denn Budam ist auch Schauspieler, lange gesprochene Passagen mit skurrilen Inhalten, i.e. die Geschichte über seinen Elefantenvater, sind durchaus theatralisch. Mit seinen Helfern,  Mr J an der singenden Säge oder am Schlagzeug (das er trefflich zu bedienen weiß!) und Mr. K, das ist seine Gitarre, gebiert er eine wunderschön karge Musik, die zwar textlich düster mit „Winter in my Heart“ beginnt, aber über „Storms in my Chest“ dann doch noch in „ Close your eyes“ und „Love will never die“ endet.

Funktionierendes Konzept

Gut zehnmal so laut folgt daraufhin die Klangdusche von Elektro Guzzi, einem österreichischen Trio, das momentan weltweit mit seinem doch sehr einzigartigen Konzept reüssiert. Man kann sich schon fragen, was es bringen soll, reduzierten, nackten Techno mit  der klassischen Rock-Trio-Besetzung möglichst genau nachzuspielen. Das Konzept geht aber ungeachtet der möglichen Antworten voll auf. Sehr elaboriert wird hier zu Werke gegangen, minimalistisch sind die melodielosen, ohne Pause aneinandergereihten Nummern, der physischen Gewalt, der monoton dröhnenden Kickdrum auf den Vierteln, dem diffus wummernden Bass kann  man sich nicht entziehen. Dabei einer Band beim Werkeln zusehen zu können, eröffnet eine neue, von den Technopionieren natürlich nicht intendierte Dimension. Damit kann auch einer was anfangen, der sich nicht nächtens auf angesagten Raves schleichend dehydriert.

Ausflüge in die Dissonanz

Zum Abschluß dann „Tera Melos“ aus Kalifornien, die dem Genre „Math-Rock“ zugerechnet werden. Mathematisch wird hier in diesem Sinne vorgegangen, dass überaus komplexe rhythmische Texturen die Basis bilden für reichliche Ausflüge in die Dissonanz. Das kommt irgendwie vom Progressiv-Rock vergangener Zeiten her, ist aber entschieden humorfreudiger und unterhaltsamer. „Tera Melos“, da aus dem „Sunny State“, vermischen ihre schwere Kost mit Beach-Boys-Harmonien und College Alternative Rock à la Weezer, was für eine Melange! Der Wahnsinn als Methode. Der Gitarrist meint, erklärtes Ziel sei es, zu spielen, bis das Publikum vollständig die Flucht ergriffen hat. Dies gelingt nicht. Umso verwunderter reagiert die Band, als dann auch noch eine Zugabe gefordert wird....

Übrigens: Das Festival dauert noch bis Samstag. Hingehen!

Duster ging´s zu: A Thousand Fuegos

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Andächtig zu Beginn: Budam

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„Blinder" nennt man dieses Licht nicht zu Unrecht: Elektro Guzzi

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Nerdism pur: Tera Melos

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