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17.12.2012 |  Thorsten Bayer

Virtuos und mitreißend: Soul Department im Hotel Post Bezau

Zum dritten Teil der Reihe „Adventsvierklang“ gastierten Soul Department im Hotel Post Bezau. Schlagzeuger und Produzent Alfred Vogel hatte dazu drei ebenso brillante Musiker an seiner Seite: Gitarrist Marco Figini, Posaunist René Mosele sowie an der Hammond-Orgel Philippe Kuhn. Orgeljazz der Sechzigerjahre stand auf dem abwechslungsreichen Programm, das ein musikalischer Hochgenuss war.

Warm spielen muss sich diese Band kein bisschen. Mit den ersten Takten, die gegen 21.20 Uhr in der elegant-lauschigen Hotelbar erklingen, sind die Musiker sofort in ihrem Element und mitten in diesem Auftritt. Während seine Schweizer Bandkollegen anfangs noch etwas zurückhaltender agieren, geht Alfred Vogel sofort richtig mit. Sein dunkles Jackett legt er bereits nach dem ersten Song ab. Ihr ungemein druck- und stilvoller Sound nimmt sofort gefangen, lässig spielen sich die vier auf der Bühne die Bälle zu. Nach rund 20 Minuten reduzieren sie das Tempo etwas und setzen auf herrlich schwebende, verschleppte Klänge. Die E-Gitarre von Marco Figini, den Vogel in einer der seltenen kurzen Ansprachen als „John Scofield aus der Schweiz“ adelt, tritt allmählich etwas mehr in den Vordergrund.

Der Funk(e) springt über

Die Bar füllt sich zusehends. Immer mehr Hausgäste nutzen auf dem Rückweg vom Abendessen die Gelegenheit, den Auftritt zu verfolgen. Auf einer gefühlt fünf Quadratmeter großen Bühne entstehen raumgreifende Sounds. Die Band fühlt sich sichtlich wohl; kein Wunder, dass der Funk(e) überspringt. „Soul Department zeigen, dass neben der orgelzentrierten Version des traditionellen Hammond-Trios auch eine Bandversion möglich ist, bei der alle Musiker gleichberechtigt agieren. Zum anderen setzen ausgefallene Spielweisen der Instrumente, etwa der Posaune von Gastmusiker René Mosele, neue Akzente und schneidern dem legendären Hammond-Klang neue Tongewänder“, lobte das Magazin Jazz`n`More das 2011 erschienene Album „Stripped“.

Brillante Musiker

Nicht nur im Studio, sondern auch auf der Bühne setzen die Musiker auf das Miteinander. Keiner drängelt sich auf Kosten eines anderen in den Vordergrund. So entsteht ein pures, ungekünsteltes Konzerterlebnis. Statt billiger Effekte, theatralischer Showeinlagen oder ausgedehnten Moderationen sind sie nur auf gelungene Songs aus. Dabei sind sie mitreißend funky und versprühen jede Menge Spielfreude. Aus den Improvisationen finden sie traumwandlerisch sicher zurück in ihre Songs. Lässig wechseln sie Tempo und Motive. Einen der Musiker besonders hervorzuheben, fällt schwer: Alle vier sind brillant. Das Stück „CPU“ – aus eigener Feder –ist nach rund 80 Minuten der Schlusspunkt eines begeisternden Abends.

Erfahrene Studiomusiker

Vor sechs Jahren ist „Soul Department“ gegründet worden, 2007 erschien die erste CD „Flow“. Marco Figini und Philippe Kuhn, die beide aus Baden in der Schweiz stammen, sind von Anfang an dabei. Als Produzent und Studiomusiker hatten sie sich bereits einen Namen gemacht. Im vergangenen Jahr stieß Alfred Vogel zu der Formation. Der 40 Jahre alte gebürtige Bregenzer betreibt ein eigenes Label, arbeitet als Produzent und Schlagzeuger in der „Tonschmiede“ Bezau und organisiert als künstlerischer Leiter die Konzertreihen „Bezau Beatz“ und „Adventsvierklang.“ Dabei hat er sich in den vergangenen Jahren für Marco Figini den Ruf als „groovigster Schlagzeuger aus Vorarlberg“ erarbeitet und erspielt.

Mit dem Auftritt von Hendrix Ackle, Harry Marte & Big Pit endete am Sonntag der „Adventsvierklang“ im Hotel Post Bezau. Den Anfang hatte am ersten Adventssonntag David Helbock mit seinen Prince-Interpretationen gemacht, eine Woche später waren Veronika Hagen und Roberto di Ronta zu hören. Auf eine Fortsetzung im nächsten Advent dürfen heimische anspruchsvolle Musikfans hoffen.

 

www.souldepartment.ch
Song „CPU“ auf Youtube: www.youtube.com/watch?v=i7Xyzz3eiZg
www.hotelpostbezau.com

Orgeljazz der Sechzigerjahre mit Soul Department

Orgeljazz der Sechzigerjahre mit Soul Department

Schlagzeuger Alfred Vogel (Foto: Sandra Brönnimann)

Schlagzeuger Alfred Vogel (Foto: Sandra Brönnimann)

Wunderbar bauchige E-Gitarren-Klänge von Marco Figini (Foto: Peewee Windmüller / www.jazzpictures.ch)

Wunderbar bauchige E-Gitarren-Klänge von Marco Figini (Foto: Peewee Windmüller / www.jazzpictures.ch)

An der Hammond-Orgel: Philippe Kuhn (Foto Sandra Brönnimann)

An der Hammond-Orgel: Philippe Kuhn (Foto Sandra Brönnimann)

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  • Orgeljazz der Sechzigerjahre mit Soul Department Orgeljazz der Sechzigerjahre mit Soul Department
  • Schlagzeuger Alfred Vogel (Foto: Sandra Brönnimann) Schlagzeuger Alfred Vogel (Foto: Sandra Brönnimann)
  • Wunderbar bauchige E-Gitarren-Klänge von Marco Figini (Foto: Peewee Windmüller / www.jazzpictures.ch) Wunderbar bauchige E-Gitarren-Klänge von Marco Figini (Foto: Peewee Windmüller / www.jazzpictures.ch)
  • An der Hammond-Orgel: Philippe Kuhn (Foto Sandra Brönnimann) An der Hammond-Orgel: Philippe Kuhn (Foto Sandra Brönnimann)