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09.12.2011 |  Thorsten Bayer

Viel Abwechslung und Qualität bei der FM 4 Soundparktour am Spielboden

Vor zehn Jahren hat der Radiosender FM 4 den Soundpark ins Leben gerufen – eine Plattform, auf der Nachwuchsmusiker ihr Material kostenlos veröffentlichen können. Mittlerweile sind rund 6.000 Bands dort registriert und werden, nicht zuletzt im Rahmen einer eigenen Sendung, vorgestellt. Derzeit sind drei von ihnen auf einer Tour durch Österreich. Neben Luise Pop und Ogris Debris konnten vor allem The Beth Edges in der gut gefüllten Kantine des Spielbodens Dornbirn überzeugen.

Die Eröffnung des Abends ist Luise Pop vorbehalten. 2004 haben Lisa Berger und Vera Kropf die Band gegründet, die Elemente aus Wave, Punk und Indie-Pop verbindet. Das einzige männliche Mitglied ist Martin Lehr an den Drums, der dort aber einen bemerkenswerten Auftritt zeigt und mit seinem variantenreichen Spiel die markantesten Akzente setzt. Vor ihm wechseln sich Berger und Kropf am Mikrofon ab, unterstützt von Bassistin Erin Stewart.

Luise Pop: Einfach, aber nicht schlicht

Der Pressetext ließ im Vorfeld auf sperrige Songs schließen: „…Surf noir trifft auf Synthieklänge in brillantem Technitonecolor, als würden sich The Drums, Le Tigre, Patti Smith und New Order auf dem Karneval der Seelen zur Mondscheinserenade verabreden.“ Doch zum Glück ist von dieser befürchteten Verkopftheit auf der Bühne nicht viel zu spüren: Rotziger als erwartet, gelingt es ihnen immer wieder, einen Sog zu entwickeln – sei es bei minimalistischen Elektro-Nummern oder bei galoppierenden Sounds, die nach Wildem Westen klingen. Als Stimmwunder wird man die jungen Frauen nicht in Erinnerung behalten; sehr wohl aber als unprätentiöse Band mit einfachen, aber nie schlichten Songs. Den Bogen zur nächsten Band schlagen Luise Pop selbst, indem sie passenderweise zum letzten Stück „Boys“ die Jungs von den Beth Edges zu sich auf die Bühne holen.

The Beth Edges reißen das Publikum mit

Die musikalischen Vorbilder der Beth Edges sind leicht zu erraten. Neben The Kooks und The Hives ist es eine dritte „The“-Band: The Strokes. Als Schlüsselmoment für die Bandgründung hat Sänger Tobias Grünzweil einmal das Hören von „Is This It“, dem Debütalbum der gefeierten Lo-Fi-Musiker aus New York, genannt. Bei ihrem mitreißenden Indie-Rock geht schnell der sprichwörtliche Ruck durch das Publikum. Besonders Gitarrist Gabriel Wöginger genießt den Auftritt sichtlich: Ihm ist die Spielfreude ins Gesicht geschrieben. Ihm und seinen Kollegen merkt man die Bühnenerfahrung an: Schließlich haben die vier Linzer als Vorband bereits Künstler wie The Wombats oder Razorlight begleitet.

Stage Diving und temporeicher Indie-Rock

Bei ihren eingängigen Up-Tempo-Nummern bleiben sie konstant auf dem Gaspedal, ganz zur Freude der Zuhörer, die sogar mit dem Stage Diving beginnen. Dass The Beth Edges ihren größten Hit „I can´t believe it“ nicht zum Abschluss ihres Sets spielen, sondern noch zwei weitere Stücke folgen lassen, spricht auch für sie und ihr Selbstbewusstsein. Der letzte Song heißt „Otherside“ – covern sie etwa die Red Hot Chili Peppers? Weit gefehlt, auch das haben sie nicht nötig.

Am Ende Elektronik von und mit Ogris Debris

Zum Abschluss des Abends verschwinden die Instrumente von der Bühne, Moderatorin Eva Brunner (FM 4) kündigt das Wiener Elektro-Duo Ogris Debris an. Gregor Ladenhauf und Daniel Kohlmeigner sind 2010 durch ihren hypnotischen Track „Miezekatze“ in der internationalen Clubszene bekannt geworden und waren für den Musikpreis „Amadeus“ nominiert. Ladenhauf, der Mann mit schwarzem Hut und weißem T-Shirt, ist für den Gesang zuständig. Anfangs stimmt die Abmischung noch nicht ganz, doch mit der Zeit kommen die beiden immer besser zurecht – und in Fahrt. Nach wenigen Stücken tanzt die ganze Spielbodenkantine mit.

Das Fazit des Abends fällt sehr positiv aus: Drei sehr abwechslungsreiche, unverbrauchte Bands, durchweg auf hohem Niveau – und dazu, bei 12 Euro regulärem Eintritt (9 Euro für Spielboden-Mitglieder), ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis!

Luise Pop eröffneten mit ihrem minimalistischen Elektro-Pop den Abend (Fotos: Michael Fritz / Spielboden)

Luise Pop eröffneten mit ihrem minimalistischen Elektro-Pop den Abend (Fotos: Michael Fritz / Spielboden)

Vera Kropf ist eine der beiden Bandgründerinnen

Vera Kropf ist eine der beiden Bandgründerinnen

The Beth Edges legten mit ihrem Sänger Tobias Grünzweil einen begeisternden Auftritt hin

The Beth Edges legten mit ihrem Sänger Tobias Grünzweil einen begeisternden Auftritt hin

Gregor Ladenhauf (rechts) und Daniel Kohlmeigner sind Ogris Debris

Gregor Ladenhauf (rechts) und Daniel Kohlmeigner sind Ogris Debris

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Bilder
  • Luise Pop eröffneten mit ihrem minimalistischen Elektro-Pop den Abend (Fotos: Michael Fritz / Spielboden) Luise Pop eröffneten mit ihrem minimalistischen Elektro-Pop den Abend (Fotos: Michael Fritz / Spielboden)
  • Vera Kropf ist eine der beiden Bandgründerinnen Vera Kropf ist eine der beiden Bandgründerinnen
  • The Beth Edges legten mit ihrem Sänger Tobias Grünzweil einen begeisternden Auftritt hin The Beth Edges legten mit ihrem Sänger Tobias Grünzweil einen begeisternden Auftritt hin
  • Gregor Ladenhauf (rechts) und Daniel Kohlmeigner sind Ogris Debris Gregor Ladenhauf (rechts) und Daniel Kohlmeigner sind Ogris Debris