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08.10.2017 |  Silvia Thurner

Organisch und quicklebendig – das „Concerto Stella Matutina“ übertrug ihre sprudelnde Begeisterung auf das Publikum

Das Barockorchester „Concerto Stella Matutina“ hat sich weit über die Landesgrenzen hinaus einen hervorragenden Ruf erworben. Im Rahmen des vierten Abonnementkonzertes in der Kulturbühne AmBach waren genau die Wesensmerkmale, die dieses Orchester so besonders auszeichnen, aufs Neue zu erleben. Courage bewiesen die Musiker mit der Werkauswahl, denn eine Sammlung aus zehn Kammer- und Kirchensonaten des Salzburger Komponisten Heinrich Ignaz Franz Biber standen im Mittelpunkt des Abends. Die faszinierend dargebotenen Werkdeutungen mit dem Blick auf das Wesentliche boten ein erfrischendes Erlebnis.

Die zehn „Sonatae Tam aris, quam Aulis servientes“ des Salzburger Komponisten Heinrich Ignaz Franz Biber sind in vielen CD-Einspielungen erhältlich. Im Konzertsaal werden die Kirchen- und Kammersonaten jedoch selten als Ganzes aufgeführt. Die Musikerinnen und Musiker des CSM trauten sich und tauchten voller Spielfreude und Elan vom ersten Ton an mitten hinein in die feinsinnige und zugleich virtuose Musik.

Feinabstimmung bei den Instrumenten

Allein die Besetzung mit zwei Geigen (Silvia Schweinberger und Susanne Mattle), zwei ‚normalen’ Bratschen sowie einer Viola pomposa (Lucas Schurig-Breuß, Julia Fassbender Fiegl und Julia Beller), einem Violone (Barbara Fischer), Laute und Gitarre (Thomas Boysen), Cembalo oder Orgel (Johannes Hämmerle) und zwei Trompeten (Herbert Walser-Breuß und Bernhard Lampert) bot außergewöhnliche musikalische Klangerlebnisse. Hervorragend mischten sich die Instrumentalstimmen und ergaben durch die große Bratsche und den Violone einen fein aufeinander abgestimmten Streicherklang, wie man ihn selten erlebt.

In den Werkdeutungen der einzelnen Sonaten, die jeweils in unterschiedlichen Besetzungen, beispielsweise „a otto“, oder „a cinque“ dargeboten wurden, kristallisierten die Musiker die jeweiligen Eigenheiten höchst abwechslungsreich heraus. Innerhalb der Gesamtdramaturgie erregte besonders die Tonartenfolge Aufmerksamkeit, denn die jeweiligen „Farben“ der Tonarten kamen im musikalischen Duktus gut zur Geltung.

Auftrumpfende Geigen, lyrische Trompeten

Die beiden Geigerinnen und die Trompeter agierten virtuos und sie füllten ihre Rollen hervorragend aus. Bewunderung rief vor allem die zugleich lyrische und gelenkige Spielart der Trompeter hervor, denn sie traten mit den Violinen in kammermusikalische Dialoge und machten dabei die konträren Charaktereigenschaften der Instrumente kurzerhand vergessen.

Neben der Abwechslung, die durch die mannigfaltigen Kombinationen der Instrumentalstimmen geboten wurde, lenkte auch die vielseitige Kompositionsart von H.I.F. Biber die Aufmerksamkeit auf sich. Viel gäbe es über Höhepunkte in jeder einzelnen Sonate zu erzählen, denn die Musikerinnen und Musiker spielten ausgezeichnet und mit einem gemeinsamen Atem. So war es ein besonderes Vergnügen, die Meisterschaft des Komponisten H.I.F. Biber und seine vielseitige Satzkunst nachvollziehen zu können. Abwechslungsreich wurden höfische Tänze genauso wie böhmisch und italienisch inspirierte Volksmusik und kontrapunktisch verflochtene Passagen miteinander kombiniert und zueinander in Verbindung gesetzt.

Entdeckergeist und Qualität

Amüsant und geistreich erklärte Johannes Hämmerle die Quintessenz der Kammer- und Kirchensonaten. Bei dieser Gelegenheit erzählte er auch von den Schwierigkeiten der Notenbeschaffung, weil in der Szene der sogenannten Alten Musik sehr einförmig immer die gleichen Kompositionen programmiert werden und die Musikwissenschaftler mitsamt den Verlegern wenig Weitblick beweisen, um Raritäten wie diese Sonaten von H.I.F. Biber in adäquaten Editionen an die Öffentlichkeit zu bringen. Diese Mischung aus musikalischem Pioniergeist, einer ungebremsten Entdeckerfreude und musikalischer Qualität ist das Markenzeichen des CSM, das mit diesem Konzert seine Erfolgsgeschichte weiter schrieb.

Das „Concerto Stella Matutina“ begeisterte in kleiner Besetzung mit Kirchen- und Kammersonaten zum „beten und tafeln“ von Heinrich Ignaz Franz Biber.

Das „Concerto Stella Matutina“ begeisterte in kleiner Besetzung mit Kirchen- und Kammersonaten zum „beten und tafeln“ von Heinrich Ignaz Franz Biber.

„Eine Musik, die einfallsreich ist, aber nichts zur Schau stellen will“, schwärmte Johannes Hämmerle.

„Eine Musik, die einfallsreich ist, aber nichts zur Schau stellen will“, schwärmte Johannes Hämmerle.

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  • Das „Concerto Stella Matutina“ begeisterte in kleiner Besetzung mit Kirchen- und Kammersonaten zum „beten und tafeln“ von Heinrich Ignaz Franz Biber. Das „Concerto Stella Matutina“ begeisterte in kleiner Besetzung mit Kirchen- und Kammersonaten zum „beten und tafeln“ von Heinrich Ignaz Franz Biber.
  • „Eine Musik, die einfallsreich ist, aber nichts zur Schau stellen will“, schwärmte Johannes Hämmerle. „Eine Musik, die einfallsreich ist, aber nichts zur Schau stellen will“, schwärmte Johannes Hämmerle.