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08.05.2018 |  Silvia Thurner

Geschichten von Liebe, Lust und Leidenschaft - „Montforter Zwischentöne“ widmen ihren Sommerschwerpunkt dem Begehren und Verlangen

Einem reizvollen Themenkreis, der uns alle berührt, wenden sich die "Montforter Zwischentöne" mit dem aktuellen Festivalmotto „begehren. Über das Verlangen“ zu. Pointierte Titel kündigen unterschiedliche Projekte wie eine Audio-Peepshow oder einen literarisch-musikalischen Spaziergang zum „Schönsten Nabel der Welt“ an. Unter der Devise „Say Yes“ mutiert die altehrwürdige Villa Claudia zum Haus der Wünsche. Überdies wird die „Allegory of desire“ mit Salomons „Hohelied der Liebe“ dargeboten. „Am Tag danach“ steht der büßende Frauenmörder und Komponist Carlo Gesualdo im Mittelpunkt.

Die künstlerischen Leiter Hans-Joachim Gögl und Folkert Uhde haben für die „Montforter Zwischentöne“ zwei Wesensmerkmale definiert: Sie stellen kultur- und gesellschaftspolitisch aktuelle Fragen in einen künstlerischen Diskurs und bieten Konzerte mit dramaturgisch speziell konzipierten Programmen an. Aktuell wird das Konzert „Allegory of desire“ gezeigt, das bereits bei der Präsentation in Deutschland vor fünf Jahren für Furore gesorgt hat. „Das Programm vereint Hohelied-Vertonungen europäischer Komponisten aus fünf Jahrhunderten und Lieder der jungen, in ihrer Ausstrahlungskraft faszinierenden Sängerin Ghalia Benali. Es spannt sich ein Bogen vom Sinnlich-Erotischen bis zum Spirituellen, ungeachtet jeglicher historischen Chronologie und geografischen Verortung. So entsteht mit ‚Über das Verlangen’ ein exotischer und inspirierender Dialog zwischen Sakralem und Weltlichem, zwischen Kulturen und Ländern“, erklärt Folkert Uhde.

Tod, Schuld und Selbstmitleid

Nicht weniger reizvoll sind Werke des Renaissancekünstlers Carlo Gesualdo. Er hat aus Eifersucht seine Frau, deren Geliebten und die Tochter, deren Vaterschaft nicht geklärt war, ermordet. „Was Gesualdo angeht, so glaube ich sollte man nicht versuchen seine Musik getrennt von seinem Leben und seiner Zeit zu betrachten. Sie sind von Natur aus miteinander verbunden. Die Texte seiner späteren Madrigale – man nimmt an, dass Gesualdo sie selber geschrieben hat – quellen förmlich über vor Anspielungen auf Liebe, Tod, Schuld und Selbstmitleid“, schreibt Brett Dean, der in seiner Komposition „Carlo“ direkt Bezug auf Gesualdo nimmt. Brett Deans Musik wird überhöht durch ein von Folkert Uhde extra für dieses Werk erarbeitetes Video. Unter anderem damit unterstreicht der künstlerische Leiter, dass er in seinen Konzertdramaturgien versuche durch Kontextualisierungen möglichst offene Wahrnehmungsräume zu schaffen, die zu eigenen Assoziationen anregen sollen. Ein wichtiges Ziel dabei sei, ältere Musik durch neue Kontexte näher an die Lebenswirklichkeit der Zuhörer zu bringen.

An die Peripherie

Lokale Bezüge waren Hans-Joachim Gögl und Folkert Uhde von Anfang an wichtig. Deshalb laden sie zu jedem Festival auch Künstlerinnen und Künstler aus der Region zur Zusammenarbeit ein. Johannes Bär wurde mit der Installation einer „Audio-Peepshow“ beauftragt. Vom „Tristanakkord“ aus Wagners Oper „Tristan und Isolde“ ausgehend wird Johannes Bär sein Werk gestalten. Zur Musik werden Soundscapes und Zitate aus erotischen Filmmusikszenen gestellt, die Hans-Joachim Gögl ausgewählt hat. Die Instrumentalstimmen für das etwa zehnminütige Werk spielt der Multiinstrumentalist Johannes Bär selbst ein.

Zum ersten - aber nicht zum letzten - Mal schaffen die „Montforter Zwischentöne“ eine Expositur außerhalb des Zentrums von Feldkirch. Denn „die verschiedenen Stadtteile in Feldkirch verfügen über robuste Eigenidentitäten und wenn etwas im Stadtzentrum stattfindet heißt das noch nicht, dass sich jede Tisnerin, jeder Gisinger oder Altenstädter automatisch mitgemeint fühlt. Wir verstehen die ‚Montforter Zwischentöne’ aber als Ort einer gemeinsamen städtischen Öffentlichkeit und als kulturellen Beitrag für das Ganze. Um dafür ein Zeichen zu setzen, gehen wir von nun an einmal pro Jahr mit einem Format aus der Innenstadt hinaus“, so Hans-Joachim Gögl. Den Anfang machen Gerald Futscher und Christian Futscher. Im Rahmen einer „ambulanten Lesung“ in Altenstadt werden sie Bezüge zu drei unterschiedlichen Orten herstellen und dabei den Text und die Musik gleichberechtigt nebeneinander zur Geltung bringen.

„Say Yes“ in der Villa Claudia

Den diesjährigen Konzertdramaturgiewettbewerb „Hugo“ konnte das Nürnberger Ensemble „StimmImpuls“ für sich entscheiden. Die Studierenden aus Nürnberg bespielen Räume in der Villa Claudia, wo sich unter anderem der Trauungssaal und die Ausstellungsräumlichkeiten von „Kunst Vorarlberg“ befinden. Ausgehend von James Joyces´ Roman „Ullysses“ vereint das Konzert Tanz, Gesang und Kammermusik. Überdies präsentiert eine Sopranistin ein speziell für diesen Anlass komponiertes Werk für Sopran solo und Herzschlag der deutschen Komponistin Vivienne Olive.

Montforter Zwischentöne, 30. Mai 2018 und 27.-30. Juni 2018


Mittwoch, 30. Mai, Autohaus Volvo Niederhofer, Altenstadt, 19 Uhr
Gruß aus der Küche
Der schönste Nabel der Welt – Spaziergang zu drei Lesungen mit Live-Soundtrack, 20 Uhr

Mittwoch, 27. Juni, Zeughaus Feldkirch, 20 Uhr
„Tristan Akkord“. Vernissage der Audio-Peepshow, Klanginstallation von Johannes Bär

Donnerstag, 28. Juni, Villa Claudia, Felkirch, 20 Uhr
„Say Yes“ – Haus der wünsche. Siegerkonzert des Hugo-Wettbewerbs 2018 mit dem Nürnberger Ensemble "StimmImpuls"

Freitag, 29. Juni, Montforthaus Feldkirch, 20 Uhr
"Allegory of Desire – Das Hohelied der Liebe" mit dem belgischen Ensemble für Alte Musik "Zefiro Torna", dem Vocalconsort Berlin und der tunesischen Gesangskünstlerin Ghalia Benali.

Samstag, 30. Juni, Montforthaus Feldkirch, 20 Uhr
„Der Tag danach“, Konzert zu Schuld und Buße mit dem Symphonieorchester Vorarlberg, dem Kammerchor Feldkirch und dem Vocalconsort Berlin

Im Juni 2018 in ganz Vorarlberg
Salon Paula. Musikerinnen und Experten zum Ausleihen. Wer Gastgeber eines Salon Paula werden möchte, bewirbt sich bis 20. Mai mit einem E-Mail an salon@montforter-zwischentoene.at


Weitere Infos:
www.montforter-zwischentoene.at

 

Im Sommer gehen die "Montforter Zwischentöne" der Leichtigkeit des Seins in vielen Facetten nach. (Foto: Lisa Mathis)

Im Sommer gehen die "Montforter Zwischentöne" der Leichtigkeit des Seins in vielen Facetten nach. (Foto: Lisa Mathis)

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  • Im Sommer gehen die "Montforter Zwischentöne" der Leichtigkeit des Seins in vielen Facetten nach. (Foto: Lisa Mathis) Im Sommer gehen die "Montforter Zwischentöne" der Leichtigkeit des Seins in vielen Facetten nach. (Foto: Lisa Mathis)