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08.07.2017 |  Silvia Thurner

Die eigenen Grenzen erforschen – das instrumentale Theater „Töneschmuggler“ bei „Cross Culture“ war ein höchst bemerkenswertes Ereignis

Töneschmuggler waren im Rahmen von Cross Culture bei den Bregenzer Festspielen on tour. Schülerinnen und Schüler der Musikschule Bregenz haben das instrumentale Theater von Thomas Desi wunderbar kreativ und konzentriert umgesetzt. So stieß die Premiere im Seestudio des Bregenzer Festspielhauses auf viel Resonanz, denn Laura Bayer, Dana Capponi, Isabella Dünser und Lea Winder (Stimme), Philomon Eienbach (Posaune), Maximilian Germ (Trompete), Selena Graber (Gitarre), Larissa Harrich (Bratsche), Viola Huber-Sannwald (Violine) und Valentin Steger (Kontrabass) wuchsen über sich selbst hinaus.

Seit nunmehr zwei Jahren besteht eine Kooperation zwischen den Bregenzer Festspielen und der Musikschule Bregenz. Im Rahmen der Initiative „double check“ des Landes Vorarlberg wurde dieses längerfristige Zusammenwirken unter der Projektleitung von Martin Deuring möglich. Der Komponist Thomas Desi wurde damit beauftragt, in Anlehnung an die Schmugglerszene aus Bizets Oper „Carmen“ ein Werk zu schreiben. Zwar hat Thomas Desi, er ist Initiator und Leiter der „Musiktheatertage Wien“, bisher noch wenig mit Jugendlichen gearbeitet, aber er besitzt eine enorme Kreativität mit Wortkompositionen und offenen Kompositionsformen, die den Interpretierenden viel Eigenverantwortung gewähren. Das gemeinsam entwickelte instrumentale Theater setzte neben festgeschriebenen Passagen im Wesentlichen auf die spontane Energie der Jugendlichen, denn zahlreiche Abschnitte wurden improvisierend erarbeitet.

Reiz des Entdeckens

Die Habanera aus „Carmen“ von Georges Bizet ist wie geschaffen für ein „Schmugglerstück“. Nicht nur weil das Sujet passt, die Rhythmik und das Thema besitzen auch für wenig bewanderte Zuhörerinnen einen sehr großen Wiedererkennungswert. Das charakteristische Thema und der Rhythmus einer Habanera benötigen lediglich drei beziehungsweise vier Töne, um identifiziert zu werden. Geschickt „versteckte“ Thomas Desi unter anderem diese Floskeln in der Musik und es war ein spannendes Vergnügen, diese auszuforschen, ihnen zu folgen und nachzuvollziehen, wohin sie „geschmuggelt“ wurden.

Wortkompositionen

Heutzutage hat das Schmuggeln eine weit größere Dimension, als sie noch vor wenigen Jahren wahrgenommen wurde. Krieg, Schlepperei und dichte Grenzen sind im Alltag sehr präsent. Genau über diese Themen und was ‚Schmuggeln’ weiter bedeuten kann, diskutierte Thomas Desi mit den Jugendlichen. Diese Gespräche, Satzfragmente und sinngebenden Phrasen bildeten das musikalische Material für beziehungsreich verwobene Wortkompositionen, die über live deklamierte, rhythmisierende Floskeln zugespielt wurden. Alle Protagonisten bewegten sich im Raum zwischen dem auf Sitzkissen platzierten Publikum. Der einbezogene Raumklang und das Lichtkonzept sowie die Raum teilende Diagonale, die die Mitwirkenden in manchen Passagen bildeten, ergänzten sich prima und boten Abwechslung.

Emotionsgeladen

Zweimal sangen zwei Sängerinnen die Habanera, einmal eher filigran wie eine Ballade geformt und einmal mit dem sinnlichen Ausdruck der Arie. Gefordert waren die Sängerinnen und Musiker vor allem in jenen Passagen, die in einem improvisierenden Jetzt aus der Kommunikation miteinander entstanden. Auf diese Weise bildeten sich aus Liegetönen, Luft- und Klappengeräuschen unterschiedlich verwobene Klangteppiche, abschnittweise spröde oder aufgeraut und auch mächtig aufbrausend. Während der gesamten Performance herrschte eine konzentrierte und ernsthafte Ruhe, die die Intensität der Darbietung steigerte. Sinnlich wirkte die originell dargestellte Schlussbotschaft „LOVE“.

Erfahrungen möglich machen

Bei den „Töneschmugglern on tour“ war bereits der Weg eine bedeutende Erfahrung und ein wichtiges Ziel. Die Musikschülerinnen und –schüler konnten sinnlich erfahren, dass Musik viel mehr sein kann, als lediglich notierte Töne möglichst exakt wiederzugeben. Mit Worten, Geräuschen, Bewegungen und Schwingungen lassen sich die vielfältigsten Emotionen erzeugen, darstellen und erleben. Bitte bald wieder.

Thomas Desi komponierte für Musikschülerinnen und -schüler eine vielsagende Komposition, die Laura Bayer, Dana Capponi, Isabella Dünser und Lea Winder (Stimme), Philomon Eienbach (Posaune), Maximilian Germ (Trompete), Selena Graber (Gitarre), Larissa Harrich (Bratsche), Viola Huber-Sannwald (Violine) und Valentin Steger (Kontrabass) mit viel Fantasie und Mut in Szene setzten. (Fotos: Bregenzer Festspiele, Anja Köhler)

Thomas Desi komponierte für Musikschülerinnen und -schüler eine vielsagende Komposition, die Laura Bayer, Dana Capponi, Isabella Dünser und Lea Winder (Stimme), Philomon Eienbach (Posaune), Maximilian Germ (Trompete), Selena Graber (Gitarre), Larissa Harrich (Bratsche), Viola Huber-Sannwald (Violine) und Valentin Steger (Kontrabass) mit viel Fantasie und Mut in Szene setzten. (Fotos: Bregenzer Festspiele, Anja Köhler)

Das in konzentrierter Ruhe dargebotene instrumentale Theater mündete in einem sinnlichen Schluss mit einer eindeutigen Botschaft.

Das in konzentrierter Ruhe dargebotene instrumentale Theater mündete in einem sinnlichen Schluss mit einer eindeutigen Botschaft.

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  • Thomas Desi komponierte für Musikschülerinnen und -schüler eine vielsagende Komposition, die Laura Bayer, Dana Capponi, Isabella Dünser und Lea Winder (Stimme), Philomon Eienbach (Posaune), Maximilian Germ (Trompete), Selena Graber (Gitarre), Larissa Harrich (Bratsche), Viola Huber-Sannwald (Violine) und Valentin Steger (Kontrabass) mit viel Fantasie und Mut in Szene setzten. (Fotos: Bregenzer Festspiele, Anja Köhler) Thomas Desi komponierte für Musikschülerinnen und -schüler eine vielsagende Komposition, die Laura Bayer, Dana Capponi, Isabella Dünser und Lea Winder (Stimme), Philomon Eienbach (Posaune), Maximilian Germ (Trompete), Selena Graber (Gitarre), Larissa Harrich (Bratsche), Viola Huber-Sannwald (Violine) und Valentin Steger (Kontrabass) mit viel Fantasie und Mut in Szene setzten. (Fotos: Bregenzer Festspiele, Anja Köhler)
  • Das in konzentrierter Ruhe dargebotene instrumentale Theater mündete in einem sinnlichen Schluss mit einer eindeutigen Botschaft. Das in konzentrierter Ruhe dargebotene instrumentale Theater mündete in einem sinnlichen Schluss mit einer eindeutigen Botschaft.