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29.12.2012 |  Peter Bader

Der Beifall wollte nicht verebben

Am Donnerstagabend stellte Wolfgang Muthspiel im Rahmen der Reihe Jazz& im sehr gut besuchten Spielboden seine aktuelle CD „vienna naked“ vor.

Peter Füßl bezeichnete den österreichischen Ausnahme-Gitarristen Wolfgang Muthspiel in seinen einführenden Worten als „Stammgast“, der im Dornbirner Spielboden in den letzten Jahren schon zehn Mal konzertiert habe. Seinen Fans dürfte etwa Muthspiels Auftritt mit seinem Jazz-Trio drumfree im September 2011 noch in bester Erinnerung sein. Neu war am vergangenen Donnerstagabend aber der Umstand, dass Muthspiel sich erstmals als Sänger präsentierte. Und dies im Singersongwriter-Fach. Vielleicht die Königsdisziplin der so genannten „populären“ Musik. Unterstützt wurde er dabei von Alegre Correa, laut Füßl ebenfalls ein „Stammgast im Spielboden“ (allerdings bis jetzt in anderen Formationen) am Schlagzeug, Alune Wade am E-Bass und Fagner Menezes am Seiler-Flügel, Nord-Keyboard und Melodika. Allesamt hochkarätige Musiker, die als kongeniale Sidemen dafür sorgten, dass Muthspiels Song-Perlen, die er auf der neuen CD als Solist eingespielt und eingesungen hat, live perfekt zu Gehör gebracht werden konnten. Dies etwa auch durch Harmoniegesang. In zwei umjubelten Sets konnte man Zeuge davon werden, wie Muthspiel bestrebt ist, Neues auszuprobieren und sich als Musiker weiterzuentwickeln.

Vielschichtigkeit und Vielseitigkeit

Kenner seines Werks wissen: Muthspiels Kunst hat viele Qualitäten. Sie bedient den analysierenden Musikspezialisten genauso wie den Liebhaber von guter und schöner Musik. Sie verbindet komplexe musikalische Strukturen mit wunderschönen Klängen und Melodiebögen. Und: Sie ist gehörfällig. Dies aber im besten Sinn. Ohne Gefahr zu laufen, in die Banalität abzugleiten. Was man vom Instrumentalisten Muthspiel (Semiakustik-, E- und Frame-Gitarre) bereits wusste, kann man bei ihm nun auch als Sänger beobachten: Auch als Vokalist ist er um Schönklang bemüht. Er sucht gute und melodiöse Gesangslinien. Der Klang-Ästhet Muthspiel gibt seinem schlanken, lyrischen (noch) nicht allzu hohen Tenor (Falsett!) einen weichen Sound. Keine allzu große Stimme in Hinblick auf das Material, das Muthspiel an diesem Abend vorführte, möchte man meinen. Da Muthspiel aber als Sänger noch am Anfang steht, darf man gespannt sein, wie ausbaufähig sein Organ ist. Was dieser hochmusikalische Künstler noch aus seinem gesanglichen Talent herausholen wird. Etwa in Hinsicht auf Wandlungsfähigkeit und Volumen. Am Donnerstag präsentierte Muthspiel jedenfalls eine – meist gut geführte – „cremige“,  recht schöne, nahezu vibratofreie Stimme, die, hallgestützt, gut geeignet ist, die – langsamen – Balladen zu transportieren, die er sich auf den Leib getextet und komponiert hat. So gewann man schnell den Eindruck, dass hier vor allem ein leidenschaftlicher „Balladeer“ auf der Bühne performte. Wenn auch einige Songs tanzbar groovten. Oder in schnelleren Tempi gar rockten.

Beim Songwriting kommt dem versierten Musiker Muthspiel ganz klar zugute, dass er sich in der so genannten „populären“ und „klassischen“ Musik bestens auskennt. Er kann beim musikalischen Ausdeuten seiner englischen, oft poesievollen Texte auf ein breites Spektrum von Stilistiken zurückgreifen. Und tut das natürlich auch. Man vernahm deshalb an diesem Abend eine Mischung aus vielen Stilen. Die Eröffnungsnummer „The same one“ etwa hatte folkige Anklänge, „We drink the sun“, hatte einen leicht jazzigen Einschlag, rockte dann aber auch. „Angejazzt“ war auch der Titel „Matteo“, nicht zuletzt durch Menezes geschmeidig-jazziges Solo am Seiler-Flügel. „Change“ war von einem Rockbeat grundiert und bekam einen bluesigen Einschlag. Die Nummer „Empty house“ wartete mit einem verzerrtem E-Gitarren-Sound und einem bluesigen Intro auf, nahm sich kurz zurück, um dann mit mächtigen Rock-Akkorden loszulegen.

Virtuose Solisten

Wie seriös Muthspiel das Singersongwriter-Handwerk angeht, konnte man auch daran erkennen, dass seine Soli an diesem Abend immer dem Song dienten und nicht eitle Darstellung seiner virtuosen Technik an der Gitarre waren. Seine fingerfertigen Soli waren immer elegant-melodiös und: Sie hatten die richtige Länge.

Als reiner Gitarrensolist trat Muthspiel übrigens – mit Sinn für Dramaturgie – zu Beginn des zweiten Sets zunächst bei jenem Song auf, der seiner neuen CD den Titel gibt: „Vienna“. Sinnigerweise ein Walzer. Das schöne Intro auf der Frame-Gitarre verwies dabei genauso auf Muthspiels klassische Ausbildung wie die kunstvolle Begleitung. Gesanglich unterstützt wurde er übrigens gegen Ende des Songs von Correa, der Wien kurz auf Portugiesisch besang.

Seinen Sidemen gab Muthspiel auch als Solisten Raum sich zu entfalten: Wade brillierte etwa als perfekt phrasierender Sänger mit besonders klangvoller Tenorstimme in „The Seer“ und am E-Bass mit einem virtuosen Slap-Solo in „We drink the sun“. In der gleichen Nummer legte auch Fagner Menezes am Nord-Keyboard mit einem groovigen E-Piano-Solo los.

Begeisterung!

Eine Zugabe.

Und: Noch lange, nachdem das Saallicht angegangen war, wurde weiter applaudiert.

Wolfgang Muthspiel: als Sänger und Gitarrist ein Klang-Ästhet

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