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15.11.2017 |  Anita Grüneis

Das SOL und der Mann für das Empfindsame - István Várdai

Das Programm des letzten Konzertes dieser Saison war mit Beethoven, Schumann und Schubert dramaturgisch gut zusammengestellt. Der sechsminütige Auftakt mit Beethovens Ouvertüre zum Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus, op. 43“ gab die Stimmung des Abends vor – vom Heroischen über das Tänzerische und Romantische hin zur Dramatik – und zurück.

Für das Romantische war vor allem der Solist des Abends, István Várdai, mit Schumanns „Konzert für Violoncello und Orchester in a-Moll, op. 129“ zuständig. Der „Mann für das Empfindsame“, wie der Star-Cellist einmal in der Presse genannt wurde, spielte auf einem Cello, das Antonio Stradivari im Jahr 1673 gebaut hatte. (Der Eigentümer dieses „Du Pré-Harrell“ genannten Instruments saß übrigens im Saal, wollte aber nicht namentlich genannt werden.)

Ein nuancenreiches und virtuoses Spiel  

István Várdai tauchte tief in die Seele von Schumann ein und interpretierte das Werk feinnervig mit all seiner Sehnsucht und Innigkeit. Er erzählte eine Liebesgeschichte voller Leichtigkeit und Wehmut, stimmte sich dabei perfekt mit dem Orchester ab und war immer im Blickkontakt mit dem Stimmführer der Celli, Alberto Ferres Torres. Várdais Spiel war nuancenreich und virtuos, die rasanten Wechsel meisterte er mit Leichtigkeit und manchmal schien es, als wolle er Schumanns Töne schälen und nur den Kern wiedergeben, die Tiefe und das Verträumte, das Schwärmerische und das Traurige. Als Zugabe spielte er noch einmal den zweiten Satz, er klang wie ein Wiegenlied. Nach dem letzten Ton war es mucksmäuschenstill im Zuschauerraum, die Töne konnten in ihrer Zartheit nachklingen, bis der Applaus sie umfing.

 Ein Orchester unterwegs zur Bergbesteigung  

Nach der Pause vertiefte sich das Orchester in Franz Schuberts Sinfonie Nr. 8 in C-Dur, D 944, auch die „Große C-Dur-Sinfonie“ genannt. Dabei leitete Dirigent Stefan Sanderling seine Musikerinnen und Musiker straff durch alle romantischen und stürmischen Stimmungen. Schon im ersten Satz, in dem die Hörner zwischen Dur und Moll schwankten und die Streicher dann feinfühlig übernahmen, schichteten sich Klänge über Klänge, türmten sich hoch auf, um sich dann wieder auf leisen Sohlen davonzumachen. Die tänzerischen Elemente erinnerten teilweise an Smetana und seine Moldau, im zweiten Satz brillierten die Celli mit einem unglaublich warmen Klang. Der schwelgerische dritte Satz wurde zu einer Landpartie mit üppigen Auen und Walzerseligkeit, das Finale zu einem Allegro „molto“ vivace. Er glich einer Bergbesteigung – immer, wenn man sich am Gipfel wähnte, kam eine weitere Wegbiegung und dahinter ging es wieder bergauf. Der Schluss dieser Sinfonie war opulent. Es war, als sei die Welt neu erschaffen worden und stünde nun im strahlenden Sonnenlicht da. 

Das SOL hat viel vor für die nächste Saison

Das Motto der nächsten Saison mit dem 30-jährigen Jubiläum lautet übrigens: „Heart. Heart. Heart.“ „Kunst für Ohr und Herz“, betonte SOL-Stiftungsratspräsident Ernst Walch. Chefdirigent Stefan Sanderling hat noch viel vor mit seinem Orchester. So wird das SOL Anfang 2018 Teil der Balzner Operette „Die lustige Witwe“ werden und die Oper „La Traviata“ der neuen Werdenberger Schloss-Festspiele bestreiten. Auf dem Programm stehen aber auch Beethovens Ouvertüren zu „Fidelio“, „Egmont“ und „Coriolan“ und alle drei „Leonoren“-Ouvertüren. Dazu die drei Mozart-Doppelkonzerte für Flöte und Harfe, für Violine und Viola sowie für zwei Klaviere. „Alle drei Werke stehen am Beginn der Romantik und brechen zu neuen musikalischen Ufern auf. Sie sind gewissermaßen im 'Werden', genauso wie unser Orchester im Werden ist“, schreibt Stefan Sanderling im neuen Programmheft.

 

 

 

István Várdai  spielte auf einem der raren Stradivari-Celli

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SOL-Chefdirigent Stefan Sanderling hat viel vor mit seinem Liechtensteiner Orchester

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  • István Várdai  spielte auf einem der raren Stradivari-Celli István Várdai spielte auf einem der raren Stradivari-Celli
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