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21.05.2018 |  Annette Raschner

„Kinder sind von Natur aus Philosophen!" - Wolfgang Hermanns erstes Kinderbuch

Das Z ist schmackhaft. Das M schmeckt irgendwie nach Honig, das O wiederum wie ein geplatzter Kaugummi. Und das F, das ist einfach Himbeereis. Dieser Ansicht ist jedenfalls das Zebra in Wolfgang Hermanns erstem Kinderbuch „Die Tiere und die Wörter", das im Nilpferdverlag von G&G erschienen ist. Für die farbenprächtigen Illustrationen zeichnete Katharina Sieg verantwortlich.

Der Leopard ist ein wissbegieriger Geselle. Er stellt sich Fragen, die anderen Tieren nicht so schnell in den Sinn kommen. Etwa, weshalb es so viele schwierige Wörter und unverdauliche Namen gibt. Er hält fest: „Es wird Zeit, dass sich jemand der Sache annimmt. Die Wörter oder die Tiere: Eins von beiden."

Als Retter in der Not kommt lediglich der Philosophenbär in Frage. Dieser erklärt ihm, dass man mitunter ganz leicht über ein Wort stolpern kann und auch, dass in anderen Ländern die Tiere andere Namen tragen. Das bringt den Leoparden ganz schön durcheinander! Und je mehr er darüber nachdenkt, desto verwirrter wird er ...

Eine wirklich große Herausforderung

Der Vorarlberger Schriftsteller Wolfgang Hermann hat in der Vergangenheit schon Reiseberichte, Novellen, Opernlibretti, Gedichte und Romane geschrieben. Sein erstes Kinderbuch „Die Tiere und die Wörter", das er seinem eineinhalbjährigen Sohn Felix und dessen Mutter Verena gewidmet hat, bezeichnet er als wirklich große Herausforderung.

„Es ist extrem schwierig, ein gutes Kinderbuch zu schreiben. Man kann nicht einfach beim Schreiben an niemanden denken. Schließlich muss es kindgerecht sein."

Annette Raschner Noch dazu haben Sie sich an ein hoch philosophisches Thema herangewagt ...
Wolfgang Hermann Ja, aber ich mache ja ein Spiel daraus. Aber Sie haben recht, dahinter steht die uralte Frage der Beziehung zwischen den Dingen und deren Bezeichnungen. Warum heißt etwas so wie es heißt? Das müssen Kinder lernen. Schließlich können wir nicht sagen: Hör mal, das heißt zwar Tisch, aber unter uns gesagt ist es kein Tisch. 20 Jahre später können sie sich dann die Frage stellen, weshalb der Gegenstand Tisch und nicht Buxtehude heißt.
Raschner Eine unterhaltsame Reise hinter den Sinn der Sprache ist wohl gerade für einen Autor eine vergnügliche Angelegenheit.
Hermann So ist es. Mir als verkapptem Lyriker und Romantiker waren selbstverständlich die Positionen der Platoniker lieber als jene der Skeptiker oder der Sophisten. Das mag jetzt zu kompliziert für Kinder klingen, aber die sind ja gerade in ihren ersten Lebensjahren Philosophen! Sie stellen faszinierende Fragen, die es uns ermöglichen, die Dinge neu und in einem anderen Licht zu sehen.
Raschner Gerade bei einem Bilderbuch gilt die Maxime der Reduktion. Auch eine spezielle Herausforderung?
Hermann Ich war stets ein Autor, der verknappt und verdichtet. Keines meiner Bücher ist ausschweifend. Beim Bilderbuch ist es natürlich ganz extrem. Aber es ist eine wunderschöne Spielwiese, auf so kleinem Raum ein Miniaturspiel zu entwickeln.
Raschner Für mich war es naheliegend, dass Sie auch einmal ein Kinderbuch schreiben. Denn Herr Faustini, der Held Ihrer mehrteiligen Romanreihe, ist doch ein großes Kind!?
Hermann Ja, Faustini ist sozusagen zu unschuldig für diese Welt. Er kommt über die Runden, weil er so naiv ist, dass er gar nicht merkt, dass die Welt im Untergang begriffen ist. Ich habe eine Schwäche für Menschen, die nicht so ganz realitätstauglich sind. Und das trifft auch auf Kinder zu, die meist noch einen ganz offenen Zugang haben und Philosophen sind von Natur aus.

 

Wolfgang Hermann, Autor, Katharina Sieg, Illustration, Die Tiere und die Wörter, Nilpferd Verlag, ISBN 978 3 7074 5209 9, 48 Seiten, € 19,95

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