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23.05.2017 |  Tamara Ofner

Flucht und Migration - Lebenswelten und Wertehaltungen: Umfassende Studienergebnisse aus Österreich und Deutschland zum Verständnis von Geschlechterrollen liegen vor

Die Vorarlberger Projektstelle für Zuwanderung und Integration "okay.zusammen leben" stellte unter der Leitung von Dr. Eva Grabherr einem geladenen Fachpublikum in einem Vortragsnachmittag mit zusätzlichem Vertiefungsworkshop in Götzis drei der derzeit aktuellsten und umfangreichsten Studienprojekte zum Geschlechterrollenverständnis bei Flüchtlingen sowie MigrantInnen der zweiten Generation aus Deutschland, Österreich - und im Vergleich dazu der Jugendlichen in Vorarlberg - vor.

Die Studien, die Designs und die Vortragenden


Die IAB-BAMF-SOEP Studie

Dr. Jana Anne Scheible stellte ein deutsches Studien-Kooperationsprojekt vor.
Beteiligt waren:

  • das Forschungszentrum des Deutschen Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF)
  • das Deutsche Institut für Arbeitsmarkt und Sozialforschung (IAB)
  • das Sozio-ökonomische Panel (SOEP)

Durchgeführt wurde und wird eine quantitative Panelstudie in zunächst drei Erhebungswellen, 2016, 2017 und in Planung 2018.
Die Studie ist repräsentativ für Personen, die zwischen 1.1.2013 und 31.1.2016 als Schutzsuchende nach Deutschland gekommen sind. Befragt wurden Asylwerber, Asylberechtigte, anerkannte Flüchtlinge sowie abgelehnte Bewerber mit Duldung. Es wurden 4.800 Personeninterviews durchgeführt. Als qualitative Vorstudie wurden in den Jahren 2015/16 Interviews mit 123 Geflüchteten und 26 Experten durchgeführt.
Befragt wurden Personen aus Syrien, Irak, Afghanistan, Eritrea, Somalia, Albanien, Serbien, Kosovo, Pakistan, Iran und aus sonstigen Ländern. 58 % der Befragten waren in der Altersklasse 18 bis 30 Jahre, 42 % darüber. 73 % der Befragten waren männlich, 27 % weiblich.

Die DiPAS-Studie, die BMEIA-Studie sowie die TIES-Studie


Mag. Caroline Manahl, Mitarbeiterin bei okay.zusammen leben mit dem Zuständigkeitsbereich Bildung und Migration, stellte drei vergleichbare österreichische, bzw. internationale Studien vor: Die DiPAS (Displaced Persons in Austria Survey – Befragung von Vertriebenen in Österreich), die BMEIA-Studie (Bundesministierium für Europa, Integration und Äußeres) vor. Beide Studien waren Befragungen zu Wertehaltung und Erwartungen von Flüchtlingen in Österreich und wurden unter der Federführung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften durchgeführt.

Die TIES-Studie ist ein internationales Forschungsprojekt zur Erforschung der 2. Generation von ZuwanderInnen in Belgien, Deutschland, Frankreich, Österreich, Spanien, Schweiz, Schweden und in den Niederlanden. Die TIES-Studie zeichnet sich zudem dadurch aus, dass die österreichischen Erhebungen in Wien, Linz und Vorarlberg durchgeführt wurden. Dadurch gibt es auch direkte Vergleichsergebnisse zwischen den einzelnen Staaten und Ländern und der Situation in Vorarlberg.
Die DiPAS und die BMEIA-Studie waren auf Personen fokussiert, die in den letzten zwei Jahren nach Österreich gekommen sind. Die Befragten kommen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Die Themen waren Demographie, Bildung, Wertehaltungen sowie Fluchtgründe- und Routen.

Die TIES-Studie untersuchte den Stand der Integration in der 2. Generation von Migrantinnen in den Bereichen:

  • Bildung
  • Arbeitsmarkt
  • Partnerschaft
  • Eltern
  • Wohnen und Nachbarschaft
  • Soziale Beziehungen und politische Teilhabe
  • Geschlechterrollen und Kinderbetreuung
  • Identität und Sprache
  • Religion und Religiösität
  • Einkommen

 

Die Einstellungen der Jungen: Die Lebenswelten-Studie 2016


Die dritte Studie wurde von Prof. Dr. Gudrun Quenzel und Mag. Katharina Meusburger, beide PH Vorarlberg, vorgestellt. Auftraggeber war das Land Vorarlberg. Untersucht wurden die Werthaltungen und die Verhaltensbereitschaft junger Menschen in Vorarlberg. Die Untersuchung wurde im Mai 2015 bis Jänner 2017 durchgeführt. Kooperationspartner waren die PH Vorarlberg, der Fachbereich Familie und Jugend im Amt der Vorarlberger Landesregierung, Landesstelle für Statistik, Landesschulrat, aha-Tipps und Infos für junge Leute. Mag. Katharina Meusburger und Prof. Dr. Gudrun Quenzel waren Mitarbeiterinnen an der Studie.
Die Hauptbefragung erfasste Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren in allen Typen der Sekundarstufe. Jugendliche, die bereits vorher ausschulten, wurden ebenfalls berücksichtigt und befragt. Zusätzlich zur standardisierten Befragung wurden Fokusgruppendiskussionen mit Jugendlichen durchgeführt. In der Hauptbefragung wurden 2079 SchülerInnen in 70 Schulen und 100 Klassen befragt. Die Gruppendiskussionen wurden mit 35 Jugendlichen in 6 Gruppen geführt.

Die Themenfelder der Untersuchung:

  • Werthaltungen und Zukunftserwartungen junger Menschen
  • Lebensgefühl und Gesundheit Jugendlicher
  • Haltung zu Familie, Erziehung und Partnerschaft
  • Einstellungen zu Politik und Minderheiten
  • Schule und berufliche Orientierungen, Freizeit und Freunde

 

Ergebnisse und Fazit

 

Neben vielen interessanten Detailergebnissen lässt sich als großes Hauptergebnis aus allen Studien herausnehmen, dass Geschlechterrollenunterschiede und Hierarchien zwischen Mann und Frau nicht unbedingt ein Thema des Herkunftslandes sind, sondern fast durchgängig ein Thema zwischen den Geschlechtern, wobei die Zustimmung zu Hierarchien zwischen Mann und Frau vorwiegend von Männern befürwortet werden, oft wird damit auch ein Schutzverhalten gegenüber Frauen sowohl von Frauen als auch Männern befürwortet und begründet. Dennoch können Unterschiede in der Sicht von Geschlechterrollenunterschieden nach Herkunftsgruppen und noch weiter zu differenzierender Motivation nicht vollkommen verneint werden. Auch nicht besonders überraschend – vor allem aus Sicht der Frauen: Je jünger und besser gebildet die Frauen sind, desto liberaler ist die Einstellung. 

Nach Workshop-Ende war bei den TeilnehmerInnen klar, dass die vertiefende Auseinandersetzung mit den äußerst umfangreichen Studienergebenissen auf jeden Fall weitergehen sollte.

 

Die Studienergebnisse können bei okay.zusammen leben nachgefragt werden. Gerne stellt die Projektstelle bei Anfrage die Ergebnisse auch weiterhin im kleinen Kreis vor.

http://www.okay-line.at/okay-programme/ties-vorarlberg-studie-zur-integration-der-zweiten-generation/veranstaltung-sag-wie-haeltst-dus-mit-den-geschlechterrollen.htmo

Mail: office@okay-line.at

 

 

 

 

 

Die vortragenden Wissenschaftlerinnen von links nach rechts: Dr. Jana Scheible, Prof. Dr. Gudrun Quenzel, Mag. Katharina Meusburger, Mag. Caroline Manahl, Dr. Eva Grabherr

Die vortragenden Wissenschaftlerinnen von links nach rechts: Dr. Jana Scheible, Prof. Dr. Gudrun Quenzel, Mag. Katharina Meusburger, Mag. Caroline Manahl, Dr. Eva Grabherr

Workshopstimmung

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