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16.11.2017 |  Walter Gasperi

The Recall - Laura Bilgeri in kanadischem Mix aus Horror- und Science-Fiction-Film

Fünf junge Erwachsene wollen ein Wochenende in einem Waldhaus an einem See verbringen, doch bald droht ihnen Gefahr weniger von einem mysteriösen Jäger als von Aliens. Mauro Borrelli mixt in seinem Low-Budget-Film aus zig-Filmen bekannte Motive zu trashiger Unterhaltung. Einzig Wesley Snipes kann seinem namenlosen Jäger Profil verleihen, das junge Quintett um Laura Bilgeri hinterlässt dagegen wenig Eindruck.

Im Grunde ist „The Recall“ typische trashige Dutzendware, die außerhalb des Produktionslandes nie ins Kino kommt, sondern nur über den DVD-Markt vertrieben wird. Für Deutschland scheint es bezeichnenderweise auch keinen Starttermin zu geben, einzig in Österreich - und dort wohl auch hauptsächlich in Vorarlberg - läuft der Film in den Kinos an. Der einzige Grund dafür ist, dass die Vorarlbergerin Laura Bilgeri in einer der Hauptrollen zu sehen ist und Michael Wieser mit seinem Verleih Einhorn Film deshalb die Österreichrechte erworben hat.

Recycling ausgelaugter Motive

Bilgeri ist Teil eines jungen Quintetts, das von Südkalifornien aufbricht, um in einem an einem See gelegenen Waldhaus ein ausgelassenes Wochenende zu verbringen. Wenn die Gruppe bei einer Tankstelle auf einen aggressiven Jäger stößt, glaubt man schon, dass wieder einmal die spätestens seit Tobe Hoopers legendärem „Texas Chain Saw Massacre“ x-mal erzählte Geschichte vom mordenden Hinterwäldler erzählt wird, in eine andere Richtung wies aber schon die allererste Szene, die im Weltraum spielte.
So ergibt sich ein höchst kruder Mix aus Backwood-Horror und Science-Fiction, dem man einerseits anmerkt, dass am Drehbuch vier Autoren herumdokterten, und andererseits, dass das Budget eher dürftig war. Originalität sucht man vergebens, alles hat man schon anderswo – und dort besser – gesehen.

Wild zusammengeschustert

Nichtsdestotrotz hätte das ja ein knackiger, konzentrierter kleiner B-Film werden können, doch dazu verzettelt sich Borrelli viel zu sehr in überflüssigen Szenen, die scheinbar nur dazu dienen, "The Recall“ auf 90 Minuten Länge zu dehnen. So ist die Weltraumszene am Beginn ebenso entbehrlich wie eine kurze Szene in einer trotz kalifornischem Sommer überraschenderweise tief winterlich verschneiten Wetterstation (?) in Alaska, einige Szenen in einer militärischen Kommandozentrale oder kurze bebilderte Erinnerungen des Jägers sowie des jungen Charlie.

Mit einem gewaltigen Sturm müssen die Aliens wohl auch nur deshalb ankommen, damit kurz auch noch der Klimawandel angesprochen werden kann. Der Spannung und Stringenz ist aber solches Beiwerk nicht zuträglich. Leidlich unterhaltsam plätschert „The Recall“ aufgrund der zahlreichen Wendungen zwar dahin, wirklich spannend wird es aber kaum einmal. Mehr lachhaft als furchterregend sind die quallenartigen Aliens, billiger Hokuspokus die Lichteffekte und reichlich verwegen, um nicht zu sagen absurd, sind nicht nur die Handlungsumschwünge und Schauplatzwechsel gegen Ende, mit denen auch noch die Frage der menschlichen Evolution angeschnitten wird.

Der einzige Lichtblick: Wesley Snipes

Auch die fünf Protagonisten bleiben viel zu blass, als dass man wirklich um sie zittern würde. Solide spielen RJ Mitte, Laura Bilgeri und Co zwar, aber die Dialoge und das Drehbuch lassen ihnen kaum eine Chance mehr aus den Rollen zu machen. Andererseits zeigt sich freilich die Klasse eines Schauspielers gerade darin, solchen schablonenhaften Figuren mit Gestik, Mimik und Sprachduktus Profil und nachdrückliche Wirkung verleihen zu können.
Hier bleiben die Protagonisten aber auf Standards reduziert, mehr hinderlich als förderlich ist, dass Charlie eine traumatische Erinnerung an seine frühere Freundin angedichtet wird, wenig überzeugend sind nicht nur die gruppendynamischen Prozesse, sondern auch die Entwicklung einer Beziehung von Jedidiah Goodacres Charlie zu der von Bilgeri gespielten Annie.
Während Goodacre seinen muskulösen Oberkörper zeigen darf, läuft Bilgeri bald in einem kurzen weißen Kleidchen, bald in Hotpants durch den Wald und darf immer wieder mit „Oh Gott!“ ihr Erstaunen oder Erschrecken ausdrücken.
Mehr Profil gewinnt einzig, der von Wesley Snipes gespielte Jäger. Mit sichtlichem Vergnügen spielt der Star, der diesen Film auch koproduzierte, diese undurchsichtige Figur und sorgt auch für trockenen Witz, retten kann aber auch er dieses trashige Filmchen nicht.


Läuft ab 17.11. in den Vorarlberger Kinos

Aus aktuellem Anlass, weil der bei uns bereits vor einem Monat besprochene Film jetzt in die Vorarlberger Kinos kommt, möchten wir Sie nochmals an diese Kritik erinnern © Einhorn Filmverleih

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Der Wochenendausflug wird zum Horrortrip (Laura Bilgeri und Jedidiah Goodacre) © Einhorn Filmverleih

Der Wochenendausflug wird zum Horrortrip (Laura Bilgeri und Jedidiah Goodacre) © Einhorn Filmverleih

"Oh Gott - Die Aliens sind hinter uns her" (Laura Bilgeri und Jedidiah Goodacre) © Einhorn Filmverleih

"Oh Gott - Die Aliens sind hinter uns her" (Laura Bilgeri und Jedidiah Goodacre) © Einhorn Filmverleih

Einzig Wesley Snipes kann einem grimmigen Jäger Profil verleihen © Einhorn Filmverleih

Einzig Wesley Snipes kann einem grimmigen Jäger Profil verleihen © Einhorn Filmverleih

Science-Fiction mit Mini-Budget - ein schwieriges Unterfangen © Einhorn Filmverleih

Science-Fiction mit Mini-Budget - ein schwieriges Unterfangen © Einhorn Filmverleih

Mehr lachhafte als furchteinflößende Wesen © Einhorn Filmverleih

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